Metabolische Störungen

Schnell handeln bei übergewichtigen Kleinkindern!

Eine Studie macht deutlich: Bei Kleinkindern mit Übergewicht sollte schnell gegengesteuert werden – sonst drohen metabolische Störungen.

Veröffentlicht: 22.07.2019, 15:33 Uhr
DIe Studienergebnisse offenbarten: Kinder, die bei der ersten Datenerhebung lediglich als übergewichtig galten, entwickelten in 19 Prozent der Fälle mehrere Komponenten des Metabolischen Syndroms.

DIe Studienergebnisse offenbarten: Kinder, die bei der ersten Datenerhebung lediglich als übergewichtig galten, entwickelten in 19 Prozent der Fälle mehrere Komponenten des Metabolischen Syndroms.

© kwanchaichaiudom / Fotolia

BREMEN. Sind Kinder erst einmal übergewichtig, dann entwickeln sie in den Folgejahren oft metabolische Störungen, wie Hypertonie, schlechte Blutfettwerte, und erhöhte Glukose- oder Insulinwerte.

Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, an der zehn europäische Institutionen unter Federführung des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS beteiligt waren (Int J Epidemiol 2019; online 16. Mai).

In der IDEFICS-Studie wurden mehr als 16.000 Kinder im Alter von zwei bis neun Jahren in acht europäischen Ländern (Belgien, Deutschland, Estland, Italien, Spanien, Schweden, Ungarn und Zypern) untersucht, um den Einfluss von Ernährung und Lebensstil auf ihre Gesundheit zu erforschen.

Bei der aktuell veröffentlichten, ebenfalls BIPS-geführten Folgestudie I.Family wurde jetzt ein Teil der Kinder – nun zwischen 7 und 17 Jahre alt – zu einem späteren Zeitpunkt erneut untersucht. Darüber hinaus wurden auch Familienmitglieder befragt. Ausgewertet wurden die Daten von 6768 Kindern, die über eine Sechs-Jahres Spanne wiederholt untersucht wurden.

Die Erhebungen umfassten neben Fragebögen auch körperliche Untersuchungen sowie die Sammlung von Blut-, Speichel- und Urinproben. „Diese Daten ermöglichten es uns, Veränderungen im metabolischen Status von Kleinkindern bis hin in die Jugend zu analysieren“, berichtet Studienautorin Dr. Claudia Börnhorst vom BIPS in einer Mitteilung des Instituts.

16 Prozent abdominell übergewichtig

Die Forscher identifizierten fünf zentrale Gruppen: Die meisten Kinder waren zur Basiserhebung metabolisch gesund (62 Prozent), 16 Prozent hatten einen erhöhten Taillenumfang und galten als abdominell übergewichtig, 9 Prozent wiesen eine Fettstoffwechselstörung auf, 7 Prozent litten unter Hypertonie und 6,6 Prozent vereinten mehrere Komponenten des Metabolischen Syndroms.

Dazu zählen: Adipositas, Bluthochdruck, Lipidstörungen (schlechte Blutfettwerte) und erhöhte Glukose-/Insulinwerte. Sie alle gelten als Anzeichen einer metabolischen Störung. Sobald drei oder gar vier der oben genannten Risikofaktoren vorgegebene Grenzwerte überschreiten, wird von einem Metabolischen Syndrom gesprochen.

„Überraschend fanden wir, dass es selbst in dem betrachteten 6-Jahres Zeitraum kaum ein Kind aus der Gruppe mit mehreren Komponenten des Metabolischen Syndroms zurück in den metabolisch gesunden Status schaffte“, so Börnhorst. Dies unterstreiche, wie wichtig eine frühe Intervention sei. „Abdominelles Übergewicht scheint tatsächlich bereits bei Kindern der Startpunkt für weitere metabolische Störungen wie Bluthochdruck oder Lipidstörungen zu sein.“

Waren Kinder bei der ersten Messung metabolisch gesund, dann blieben sie es mit großer Wahrscheinlichkeit auch bis zur Folgeerhebung (87 Prozent). Kinder, die bei der ersten Datenerhebung lediglich als übergewichtig galten, entwickelten in 19 Prozent der Fälle mehrere Komponenten des Metabolischen Syndroms.

Wiesen Kinder bereits bei der ersten Messung mehrere metabolische Störungen wie Bluthochdruck oder erhöhte Insulinwerte auf, dann behielten sie diese mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit über den gesamten Untersuchungszeitraum bei.

Die Forscher planen für dieses Jahr eine erneute Befragung der dann 12 bis 22 Jahre alten Studienteilnehmer. (eb)

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