Schlaganfall

Schon bei TIA: am besten in die Stroke-Unit!

Sieben bis 40 Prozent der Schlaganfall-Patienten haben in den Wochen vorher TIAs. Auch bei diesem Ausfallssyndrom sind Stroke-Units die richtige Anlaufstelle.

Von Martin Wiehl Veröffentlicht:
Apoplexie: eine frühzeitige Intervention nützt. © Kaulitzki / fotolia.de

Apoplexie: eine frühzeitige Intervention nützt. © Kaulitzki / fotolia.de

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NÜRNBERG. "Wir brauchen keine TIA-Units." Das sagte Professor Martin Grond aus Siegen und betonte: "In Deutschland haben wir das dichteste Netz von Stroke-Units in der Welt, und hier sind auch Patienten mit transitorischen ischämischen Attacken bestens aufgehoben." Die Trennung zwischen Schlaganfall und TIA halte er für künstlich, und sie sollte seiner Ansicht nach nicht auch noch durch unterschiedliche Einrichtungen zementiert werden.

Grond begründete seine Auffassung bei einer Veranstaltung von Boehringer Ingelheim zum Neurologenkongress in Nürnberg damit, dass eine TIA häufig eben doch nicht nur eine vorübergehende neurologische Ausfallerscheinung ist. Bei mindestens 30 Prozent der Patienten seien schließlich neurologische Schäden festzustellen, die bereits im MRT sichtbar sind.

Dies gelte auch bei nur kurzzeitiger Symptomatik über wenige Minuten, die er als besonders gefährlich einstufte, da sich die Patienten meist in trügerische Sicherheit wiegen, wenn die Beschwerden abgeklungen sind. Bei einer Symptomdauer von mehr als sechs Stunden steige die Gefahr einer bleibenden Hirnschädigung sogar auf 50 Prozent. Außerdem, so Grond, gehen nach epidemiologischen Untersuchungen einem Schlaganfall bei sieben bis 40 Prozent der Patienten TIAs voraus. Der Gipfel der ischämischen Attacken liege in einem Zeitraum von 30 Tagen vor dem akuten zerebrovaskulären Ereignis.

Die Bedeutung eines "neurologischen Ausfallsyndroms", wie der Facharzt eine TIA lieber bezeichnet wissen wollte, wurde mittlerweile auch in einer Interventionsstudie bestätigt. In der EXPRESS-Studie (Early use of Existing Preventive Strategies for Stroke) stellte sich nämlich heraus, dass durch eine frühzeitige Intervention in einem spezialisierten Zentrum das nachfolgende Schlaganfallrisiko auf fast ein Fünftel sank. Das 90-Tage-Risiko von Patienten, die schon am ersten Tag nach Symptombeginn spezialisiert behandelt wurden, ging von 10,3 auf 2,1 Prozent zurück.

Ebenso sollte man auch sofort eine Behandlung einleiten, wenn sich eine Carotis-Stenose klinisch bemerkbar macht, forderte Grond. Im Vergleich zu einer asymptomatischen Stenose steige nämlich das Risiko, innerhalb eines halben Jahres einen Schlaganfall zu erleiden, von ein auf 20 Prozent. Als Faustregel für die Risikostratifizierung von Apoplex-gefährdeten Patienten erinnerte der Experte an den ABCD2-Score. Mit diesem Instrument, das Alter, Blutdruck, klinische neurologische Ereignisse, deren Dauer sowie das Vorliegen eines Diabetes mellitus berücksichtigt, ließe sich die Schlaganfallrate je nach Punktwert für die nächsten zwei, sieben und 90 Tage recht präzise vorhersagen.

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