Direkt zum Inhaltsbereich

Schützt eine Impfung gegen Pneumokokken auch das Herz?

Die Pneumokokken-Impfung mit PolysaccharidImpfstoff scheint auch fürs Herz gut zu sein. Geimpfte haben eine geringere Herzinfarktrate.

Von Michael Hubert Veröffentlicht:

SHERBROOKE. Mindert die Pneumokokken-Impfung das Herzinfarkt-Risiko? Eine Fall-Kontroll-Studie könnte diesen Schluss zulassen: In der Gruppe geimpfter Risikopatienten gab es nur halb so viele Myokardinfarkte wie bei den nicht gegen die Bakterien Geimpften.

Aus einer Gruppe von über 40 000 Patienten - alle mit einem oder mehreren kardiovaskulären Risikofaktoren - erlitten innerhalb von fünf Jahren etwa 1000 Patienten einen Herzinfarkt. Diese Patienten wurden mit 4000 Kontrollpatienten ähnlicher Charakteristika hinsichtlich der Pneumokokken-Impfung verglichen.

Das Ergebnis: Patienten mit Herzinfarkt waren seltener gegen die Bakterien geimpft, nämlich nur halb so häufig. Die Pneumokokken-Impfung ist also innerhalb von fünf Jahren mit einer Abnahme der Infarktrate um 50 Prozent verbunden, schreiben die Autoren aus Kanada (CMAJ 179, 2008, 773). Dieser mögliche Schutzeffekt wurde innerhalb des ersten Jahres nach der Impfung zwar nicht beobachtet (odds ratio 0,85), war zwei Jahre nach Impfung aber sehr deutlich ausgeprägt (odds ratio 0,33).

Die Forscher bieten auch eine Erklärung für diese Assoziation an: In keimfrei gehaltenen Mäusen ohne LDL-Rezeptoren - sie können also das Lipoprotein nicht aus dem Blut aufnehmen - führt die Pneumokokken-Impfung zu einer Abnahme atherosklerotischer Läsionen in der Aorta. Aufgrund der Impfung gebildete Antikörper erkennen nicht nur die Zuckerstrukturen von Streptococcus pneumoniae, sondern wohl auch Epitope auf oxidiertem LDL, schreiben die Forscher. Außerdem würde die Aufnahme des LDL durch Makrophagen gehemmt und so ein früher und notwendiger Schritt in der Pathogenese der Atherosklerose unterbrochen.

Auf die bereits vergangenes Jahr publizierte Studie hat Sanofi Pasteur MSD in einer Mitteilung aufmerksam gemacht. Das Unternehmen bietet den Pneumokokken-Impfstoff Pneumovax®23 an. Die Impfung ist nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Menschen über 60 Jahre eine Standardimpfung. Für chronisch Kranke wie Asthmatiker oder COPD-Patienten, Diabetiker und andere ist sie Indikationsimpfung - und zwar altersunabhängig.

Lesen Sie auch: Jetzt schon impfen gegen Pandemie? Pneumokokken-Impfung: ein Gewinn für chronisch Kranke

Ihr Newsletter zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Harnwegsinfekt bei einem Mann

© anut21ng Stock / stock.adobe.com

Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie

Neue Klassifikation von Harnwegsinfektionen räumt mit Missverständnissen auf

Ein Säugling liegt auf dem Rücken auf einem Bett. Die Hände der Mutter streichen sachte über den Bauch des Kindes.

© Aurora Aesthetics / Generated with AI / Stock.adobe.com

Funktionelle gastrointestinale Störungen

Säuglingskoliken: Wie viel Schreien ist normal?