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Herz und Niere

Schwächelt der eine, leidet auch der andere

Bei gestörter Nierenfunktion altern Herz und Gefäßsystem rapide. Bluthochdruck wiederum schädigt die Nieren. Besonders Dialysepatienten brauchen deshalb eine kardioprotektive Strategie.

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Schwächelt der eine, leidet auch der andere

© krishnacreations / fotolia.c

WÜRZBURG. Es ist ein Teufelskreis: Das schwache Herz schwächt die Niere und andersrum. Strukturelle und funktionelle Veränderungen an Herz- und Gefäßsystem bei Dialyse-Patienten haben jetzt Forscher des Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) in Würzburg in einem Übersichtsartikel zusammengefasst (Lancet 2016; online 22. Mai). Ihr Fazit: Die optimale Therapieempfehlung, um den Teufelskreis zu durchbrechen, gibt es bisher nicht.

Nierenleiden sind in der klinischen Versorgung mittlerweile zum Alltag geworden, betont das Universitätsklinikum Würzburg in einer Mitteilung. Bereits zwölf Prozent der deutschen Bevölkerung hat ein Nierenleiden.

Häufigste Ursache dafür ist Diabetes mellitus. Deshalb steigt auch seit Jahren die Zahl der Patienten, die aufgrund von akuter oder chronischer Niereninsuffizienz in Behandlung muss. Viele von ihnen werden mit Dialyseverfahren behandelt.

Gesundheitliche Folgen beträchtlich

"Der Rückgang der Nierenfunktion hat weitreichende gesundheitliche Folgen. So altern Herz und Gefäßsystem beispielsweise rapide", erklärt Professor Christoph Wanner, Nephrologe des Universitätsklinikums Würzburg, unter dessen Dach das DZHI angesiedelt ist, in der Mitteilung.

Wanner weiter: "Vor allem auch bei jungen niereninsuffizienten Dialysepatienten kommen Gefäßverkalkungen oder Herzwandverdickungen vor, was typisch für ältere Patienten ist."

Grund hierfür: Bei der Dialyse wird nur eine bestimmte Fraktion von Giften entfernt. Die restlichen Toxine führen zu Überwässerung, wodurch sich dann Bluthochdruck und andere kardiologische Erkrankungen letztendlich manifestieren.

Mehrfacherkrankungen machen Medikamentenwahl schwierig

Die Therapie der Betroffenen gestaltet sich schwierig, denn die Belastung durch Mehrfacherkrankung macht die Auswahl geeigneter Medikamente oder anderer Interventionen hochkomplex.

So beschränkt sich der Einfluss der Niereninsuffizienz nicht allein auf das Herzkreislaufsystem, sondern wirkt auch in die Physiologie von Muskeln und Skelett ein, was die Arzneimittelauswahl und Dialysestrategie beeinflusst.

"Kardioprotektive Dialysestrategien sind bislang noch nicht umfassend erforscht", erläutert der Nephrologe. Bislang gäbe es auch keine pharmakologischen Wirkstoffe, die für beide Erkrankungen gleichermaßen Linderung oder zumindest keine Verschlechterung des einen oder anderen Zustandes herbeiführen.

Noch viel Zeit und Arbeit wichtig

Viel Forschungsarbeit sei also noch zu leisten, so der Universitätskliniker. "Für Forschung und Behandlung von Herz und Niere bei Dialysepatienten kommt nun erschwerend hinzu, dass die kardiologischen Erkrankungen der Dialysepatienten symptomatische Unterschiede aufweisen können zu nicht-dialysepflichtigen Herz- und Gefäßpatienten. Wir benötigen also neue klinische Studien mit dieser speziellen Patientengruppe."

Bis solche Studien erste Ergebnisse zeigen, wird noch viel Zeit vergehen. Der Kardiologe und Nephrologe empfiehlt daher für jetzige Dialysepatienten eine konkrete Vorgehensweise, die Herz und Blutgefäße schont.

Er sagt: "Die Literatur zeigt, dass entweder länger andauernde Dialysesitzungen oder aber kürzere und häufigere Sitzungen herzgesünder sind. Hier sollten die Versorgerteams im Klinikalltag umdenken. Die Dialysesitzungen werden häufig noch nach anderen Kriterien durchgeführt." (eb/eis)

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