Schweinegrippe belastete Intensivstationen schwer

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BERLIN (eb). Ärzte behandelten mehr als 100 Menschen auf deutschen Intensivstationen mit akutem Lungenversagen infolge einer Infektion mit dem Schweinegrippe-Virus. Darunter waren auch viele junge Menschen. Bei fast jedem Zweiten, der am sogenannten Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS) litt, reichte die herkömmliche maschinelle Beatmung nicht aus und erforderte den Einsatz von zusätzlichen extrakorporalen Lungenunterstützungssystemen. Mehr als 50 Prozent der Patienten, die so behandelt werden mussten, starben. Das teilt die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin mit.

Zu diesen ersten Zwischenergebnissen kommt eine Analyse des deutschen ARDS-Netzwerks. Sie dokumentiert mithilfe eines bundesweiten Melderegisters die zusätzliche Belastung von Intensivstationen durch Patienten mit akutem Lungenversagen in Folge einer Infektion mit dem pandemischen H1N1-Virus. Wie Ärzte Betroffene mit akutem Lungenversagen optimal versorgen, ist daher Thema auf dem Hauptstadtkongress der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) vom 16. bis 18. September 2010 in Berlin.

Als sich die Neue Grippe im vergangenen Sommer und Herbst in Europa ausbreitete, lieferte lediglich die Situation auf der Südhalbkugel erste Anhaltspunkte hinsichtlich der Bedeutung für die Intensivstationen. In Australien und Neuseeland kamen im Jahr 2009 nach einer H1N1-Infektion bis zu 15 Mal mehr Menschen wegen Atemproblemen auf eine Intensivstation als in den Jahren zuvor durch andere virale Erreger.

"Bei 30 Prozent dieser Patienten war das Lungenversagen so schwer, dass die herkömmliche maschinelle Beatmung nicht mehr ausreichte", erläutert Professor Claudia Spies, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie an der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff können Ärzte in solchen Fällen nur mit speziellen Lungenunterstützungssystemen, sogenannter extrakorporaler Membranoxygenierung (ECMO), erreichen.

Die Anzahl dieser extrakorporalen Lungenunterstützungssystemen ist auf deutschen Intensivstationen jedoch begrenzt. Daher traf das deutsche ARDS-Netzwerk Vorkehrungen. Mit einem interdisziplinären Projekt erforscht es die Fälle akuten Lungenversagens an bundesweit etwa 40 Krankenhäusern. Ein web-basiertes Melderegister hält dabei freie Therapieplätze fest. "So konnten wir regionale Engpässe vorhersehen und koordinieren", erläutert Dr. Steffen Weber-Carstens, Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie der Charité.

An Schwerpunktzentren wie etwa der Charité Berlin, der Medizinischen Hochschule Hannover und der Universitätsklinik Regensburg mussten Ärzte zu Spitzenzeiten über mehrere Wochen bis zu acht Patienten zeitgleich mit einer ECMO behandeln. Insgesamt benötigten 50 Prozent der ARDS-Patienten diese spezielle Behandlungstechnik.

Die aktuelle Zwischenbilanz der Analyse des ARDS-Netzwerks zeigt außerdem, dass ähnlich wie in Australien und Neuseeland beatmete Patienten mit durchschnittlich 43 Jahren auffällig jung waren. Die Sterblichkeit der Betroffenen von etwa 40 Prozent schätzen Experten der DGAI als sehr hoch ein. Ganz anders war die Situation in den Praxen. Hier waren die Fälle von Schweinegrippe mit einer mittleren saisonalen Influenzawelle vergleichbar. Große Mengen des Pandemie-Impfstoffs stehen daher immer noch in den Lagern.

Welche Beatmungssysteme den Verlauf der Krankheit verbessern, welche Komplikationen auftreten können und wie das Leben von ARDS-Patienten nach der Intensivstation aussieht, erörtern Experten auf dem Hauptstadtkongress der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivtherapie (DGAI) vom 16. bis 18. September 2010 in Berlin. www.hai2010.de

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