Bei Schweinen

Schwere Pneumonie außerhalb des Körpers therapiert

Ärzten der Medizinischen Hochschule Hannover ist es geglückt, eine schwere Lungenentzündung außerhalb des Körpers von erkrankten Schweinen erfolgreich zu behandeln - und das mit der hundertfachen Dosis eines Antibiotikums.

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Vor einem Organ Care System (OCS), das eine Schweinelunge enthält, stehen Dr. Norman Zinne (links) und Professor Dr. Axel Haverich, der die Steuereinheit für das OCS hält.

Vor einem Organ Care System (OCS), das eine Schweinelunge enthält, stehen Dr. Norman Zinne (links) und Professor Dr. Axel Haverich, der die Steuereinheit für das OCS hält.

© Karin Kaiser / MHH

HANNOVER. Aufgrund der vermehrt auftretenden Antibiotikaresistenzen gibt es für schwere Pneumonien immer öfter keine Behandlungsmöglichkeit mehr.

Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) um Professor Axel Haverich, Direktor der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie, haben untersucht, ob sich die Behandlung von Schweinen, die eine schwere Pneumonie hatten, mit hoch dosierten Antibiotika in einem Organ Care System (OCS) für ansonsten unheilbare antibiotikaresistente Pneumonien eignet (PLoS 2018; online 5. März).

Die Mediziner behandelten zum einen erkrankte Tiere mit der für den Körper verträglichen Dosis des Antibiotikums Colistin und zum anderen den explantierten erkrankten Lungenflügel im OCS mit der hundertfachen Dosis des Antibiotikums, teilt die MHH mit.

"Eine solche Dosis wäre für den Patienten nicht verträglich. Sie würde zu Nierenversagen und Schäden am zentralen Nervensystem führen", erklärt Dr. Norman Zinne, Facharzt in der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie, in der Mitteilung.

Lungenflügel erst explantiert - dann wieder implantiert

Um die Infektion im OCS zu behandeln, explantierten die Ärzte zunächst den betroffenen Lungenflügel und implantierten ihn in ein OCS. Das OCS ist ein mobiles Gerät für die ex vivo-Lungenperfusion. In dem Gerät wird das Organ körperwarm transportiert, von Spenderblut durchflossen und mit Nährstoffen versorgt – oder eben auch mit Antibiotika.

Die Lunge wird im OCS während der Behandlung beatmet und kann sich so selbst mit Sauerstoff versorgen. Nach der zweistündigen Behandlung implantierten die Ärzte den Lungenflügel wieder in das Tier.

"Während in der nicht behandelten Kontrollgruppe und der konventionellen behandelten Gruppe nur ein Drittel der Schweine die Lungenentzündung überlebte, erholten sich Zweidrittel der Tiere, deren Lungen wir außerhalb des Körpers behandelt haben, von der Erkrankung", so Zinne.

Auch die klinischen Symptome der Infektion waren in der OCS-Gruppe weniger schwerwiegend als in den anderen Gruppen. "Die Ergebnisse zeigen, dass die Behandlung bei multiresistenter Lungenentzündung mit sehr hoch dosierten Antibiotika außerhalb des Körpers eine neue therapeutische Strategie für schwer verlaufende Infektionen darstellt, für die es ansonsten keine alternativen Therapien mehr gibt", so Haverich.

"Bevor wir die Methode auf den Menschen übertragen können, werden wir zur Sicherheit der Patienten noch weitere Studien im Tiermodell durchführen", betont er. "Es ist durchaus denkbar, die Methode auf weitere Organe wie das Herz oder andere Therapieoptionen wie Chemo- oder Zelltherapien zu übertragen." (eb/ikr)

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