Blutdruck messen

Schwestern tricksen den "Weißkitteleffekt" aus

Bei der Blutdruckmessung in der Praxis kann der "Weißkitteleffekt" die eigentlich normalen Werte in die Höhe treiben. Doch offenbar tritt dieser Effekt vor allem bei Ärzten auf. Messen Schwestern den Blutdruck, ist der deutlich niedriger. Aber sollen Mediziner deswegen nicht mehr zur Manschette greifen dürfen?

Veröffentlicht: 04.04.2014, 05:02 Uhr
Schwestern tricksen den 'Weißkitteleffekt' aus

Trotz weißem Kittel nur geringer Einfluss auf das Quecksilber? Krankenschwester beim Blutdruckmessen.

© Gina Sanders / fotolia.com

EXETER. Männer und Frauen in weißen Kitteln scheinen bei vielen Menschen eine gewisse Nervosität oder Aufregung hervorzurufen. Jedenfalls sind die Blutdruckwerte nicht selten erhöht, wenn der Arzt misst. Kaum messen die Patienten zu Hause selbst, sind die Werte normal. Das ist als "Weißkittelphänomen" gut bekannt.

Überschreiten die Werte sogar die Schwelle zum Bluthochdruck, liegt eine "Weißkittelhypertonie" vor. Man schätzt, dass ein Drittel der Hypertoniker gar keinen "richtigen" Bluthochdruck haben, sondern eben eine solche "Weißkittelhypertonie". Mithilfe einer ambulanten Langzeitblutdruckmessung lässt sich dieses Phänomen entlarven.

Vielleicht kann man ihm aber schon vorher auf die Spur kommen - indem nämlich nicht der Arzt, sondern jemand anderes misst.

Dass der "Weißkitteleffekt" tatsächlich geringer ausfällt, wenn eine Krankenschwester den Blutdruck misst, haben nun Dr. Christopher Clark und Kollegen von der Medical School der Universität Exeter in Großbritannien in einer Übersichtsarbeit offengelegt (BJGP 2014; 64(621): e223-e232).

Konsequenzen für die Praxis?

Insgesamt 15 Studien wurden dafür analysiert. Bei allen wurde der Blutdruck der Teilnehmer (insgesamt 1019) beim selben Klinikbesuch jeweils von einem Arzt und einer Krankenschwester gemessen. Wenn ein Arzt die Manschette um den Arm legte, war der Blutdruck der Personen im Schnitt um 7/4 mmHg signifikant höher im Vergleich zur Messung, welche die Krankenschwester durchführt hatte.

Ein Ergebnis, was durchaus Konsequenzen für die klinische Praxis haben könne, meinen die Autoren. Vielleicht sollte besser jemand anderes als ein Arzt den Blutdruck messen, wenn es darum geht, eine Hypertonie zu diagnostizieren und die Entscheidung über eine antihypertensive Therapie ansteht. Nach Ansicht der Studienautoren unterstützen ihre Ergebnisse diese These.

Vielleicht sind es eben diese 7/4 mmHg, die die Werte einer Person über die Schwelle zur Hypertonie hieven und jemanden zum "Hypertoniker" machen.

Es stehe außer Frage, dass Ärzte den Blutdruck ihrer Patienten weiterhin bei Routine-Untersuchungen überprüfen und beurteilen sollten, betonen die Autoren. Auch könne das Weißkittelphänomen nicht völlig ausgeschlossen werden, wenn eine Krankenschwester den Blutdruck misst.

Doch vielleicht wäre es sinnvoller, den Blutdruck in der Klinik noch von jemand anderem als einem Arzt messen zu lassen, ehe man eine ambulante Langzeit-Blutdruckmessung einleitet. So ließen sich vielleicht Überdiagnosen und unangebrachte Therapien noch besser vermeiden. (vsc)

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