Magen-Darmkrankheiten

Sind die kleinen Gallenwege entzündet, muss die Therapie schnell beginnen

Sind die kleinen Gallenwege entzündet, ist UDCA das Therapeutikum der Wahl. Es gibt Ansätze für weitere Optionen.

Von Michael Hubert Veröffentlicht: 04.05.2011, 05:00 Uhr
Sind die kleinen Gallenwege entzündet, muss die Therapie schnell beginnen

Histologischer Schnitt bei primär biliärer Zirrhose.

© Falk Foundation

WIESBADEN. In die Gruppe der cholestatischen Leber-Erkrankungen gehört die primär-biliäre Zirrhose (PBC). Die PBC zeichnet sich durch eine chronisch-destruierende, nicht eitrige Entzündung der kleinen intrahepatischen Gallenwege aus.

Die Prävalenz liegt bei 24 bis 49 pro 100.000. Klinische Zeichen einer PBC sind Abgeschlagenheit, Pruritus oder Ikterus. "Frühe Marker sind erhöhte Werte von alkalischer Phosphatase und γ-GT sowie erhöhte IgM-Titer", sagte Professor Frank Lammert aus Homburg/Saar.

Er beklagte, dass solche Patienten zu selten auf antimitochondriale Antikörper (AMA) untersucht würden. "Ein AMA-Titer von 1:40 oder mehr sichert die Diagnose PBC eindeutig", so der Hepatologe bei einer Veranstaltung der Falk Foundation.

Therapiestandard ist weiterhin die Ursodeoxycholsäure (UDCA, etwa Ursofalk®). Werden PBC-Patienten im Frühstadium der Erkrankung damit behandelt und sprechen sie auf die Therapie an, entspreche die Lebenserwartung jener von Menschen ohne PBC.

Die Wirkung der UDCA beruhe dabei auf pleiotropen Effekten. UDCA habe etwa detoxifizierende und anti-apoptotische Effekte und reduziere die Gallensäureretention der Hepatozyten.

"Sprechen die Patienten hingegen schlecht an, ist die Lebenserwartung um ein Drittel verkürzt", sagte Lammert. Optionen seien dann Steroide, Mycophenolat-Mofetil (MMF), Methotrexat und Colchicin. Dabei haben sich Kombinationstherapien bewährt, etwa aus UDCA und Budesonid. Beide Wirkstoffe stimulierten den Bikarbonat-Austauscher AE2, wodurch der Bikarbonat-Schirm rekonstituiert werde. Dieser Schirm sei wichtig, um toxische Gallensäuren zu entgiften.

"Etwa fünf Prozent der PBC-Patienten haben auch eine Autoimmun-Hepatitis", sagte Lammert. Bei diesen Patienten habe sich eine Dreier-Kombi aus UDCA, Prednison und UDCA bewährt.

In klinischen Studien werde derzeit die Obeticholsäure (OCA) bei PBC-Patienten getestet, so Lammert. OCA ist ein potenter Agonist des zentralen nukleären Gallensäurenrezeptor FXR (Farnesoid-X-Rezeptor). In Phase-II-Studien konnten mit OCA bei Patienten mit PBC Ansprechraten von 40 bis 70 Prozent erzielt werden.

Ursache des Pruritus bei PBC seien erhöhte Lysophosphatidsäure-Werte, so Lammert. Werde dieses Autotoxin gehemmt oder sein Rezeptor blockiert, könnte das ebenfalls ein neuer Therapieansatz sein.

Mehr zum Thema

Praxis Update

Lipase erhöht, kein Symptom – Was tun?

Prävention

Gastroenterologen raten zu Darmkrebsvorsorge

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Raucher: „Entwöhnung kommt oft viel zu spät“

Exklusiv Nikotinsucht

Raucher: „Entwöhnung kommt oft viel zu spät“

COVID-19 und Krebs: völlig neue Fragestellungen

Virtueller ASCO

COVID-19 und Krebs: völlig neue Fragestellungen

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden