HINTERGRUND

Sinusitis - nach einer viralen Rhinitis trifft es Kinder mit Asthma und Allergien besonders oft

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

Hält bei Kindern eine virale Rhinitis länger als zehn Tage an oder nehmen die Symptome nach fünf bis sieben Tagen zu, sollte an eine bakterielle Sekundärinfektion der Nasennebenhöhlen gedacht werden. Bis zu zehn Prozent der oberen Luftwegsinfekte sind von einer Sinusitis begleitet. Da Kinder durchschnittlich sechs- bis achtmal pro Jahr erkältet sind, muss man in der Praxis also regelmäßig auch mit Sinusitiden rechnen.

Vor allem bei Kindern mit Atemwegsallergien oder mit Asthma bronchiale - und zwar bei 25 bis 70 Prozent dieser Patienten - liege gleichzeitig eine Sinusitis vor, so der Kinder- und Jugendarzt Professor Theodor Zimmermann aus Erlangen. Bei Kindern mit Mukoviszidose sei das sogar nahezu immer der Fall (Pädiatrische Nachrichten 12/06 - 01/07, 9).

Kinder räuspern sich ständig, weil Sekret in den Rachen läuft

Kleinkinder haben meist eher unspezifische Symptome, so die Erfahrung des Pädiaters. Die Kinder sind gereizt, das Halten des Kopfes in den Händen oder ein Stoßen gegen den Kopf sind Zeichen für Kopfschmerzen. Die Nase ist häufig mit eitrigem Sekret verlegt, und der Atem riecht schlecht. Das durch den Rachen laufende Nasensekret löst Husten oder ein ständiges Räuspern aus, die Stimme ist belegt.

Bei der akuten Sinusitis sind die betroffenen Sinus druckschmerzhaft. Die chronische Sinusitis verläuft dagegen eher ohne Schmerzen. Betroffen sein können bereits bei Kleinkindern die Kieferhöhlen (Sinus maxillares) sowie die Siebbeinzellen (Sinus ethmoidales).

Stirnhöhlen-Entzündung erst ab dem zehnten Lebensjahr

Entzündungen der Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidalis) treten nach Zimmermanns Angaben nicht vor dem sechsten Lebensjahr auf, Entzündungen der Stirnhöhlen erst ab dem zehnten Lebensjahr.

Von einer Röntgendiagnostik rät er vor allem bei kleinen Kindern ab. Denn Verschattungen der Kieferhöhlen sind bei Kindern unter sechs Jahren oft auch bei viral bedingten Infekten der oberen Luftwege festzustellen. Deshalb sei ein Röntgenbild bei Kindern in diesem Alter nur bei ausgeprägten Symptomen sinnvoll. Bei chronisch rezidivierender Sinusitis etwa, also bei Symptomen, die immer wieder auftreten oder länger als 30 Tage anhalten, kann eine Computertomografie angezeigt sein. Die CT sollte dabei möglichst im infektfreien Intervall vorgenommen werden. Eine weitere Untersuchung ist das Ausleuchten der Kieferhöhle vom Mundraum aus im Seitenvergleich (Diaphanoskopie) - die betroffene Seite ist weniger lichtdurchlässig. Weitere diagnostische Optionen sind Sonografie und Sinuskopie.

Hellrote Schleimhaut - ein Zeichen für eine akute Infektion

Natürlich gibt es auch nichtinfektiöse Ursachen einer Sinusitis, etwa eine allergische Reaktion an den oberen Atemwegen, Fremdkörper oder eine deformierte Nasenmuschel. Betrachtet man die Schleimhäute, ist die hellrote, ödematöse Schleimhaut eher ein Zeichen für eine akute Infektion, die blasse und granulierte Schleimhaut eher für eine Allergie.

Wie wird behandelt? Die Spontanheilungsraten bei akuten Sinusitiden werden mit 80 Prozent angegeben. Vorhersehbar sei eine Spontanheilung allerdings nicht, erinnert Zimmermann. Er empfiehlt daher die Behandlung mit Amoxicillin 50 mg/kg pro Tag in drei Einzeldosen.

Mit Amoxicillin-Resistenzen muss immer gerechnet werden

Da einige der häufigsten Erreger wie Haemophilus influenzae und Moraxella catarrhalis Beta-Laktamase bilden können, muss mit Amoxicillin-Resistenzen gerechnet werden. Wurde also bereits mit Amoxicillin behandelt, bietet sich Amoxicillin/Clavulansäure (50 mg/12,5 mg/kg pro Tag in drei Einzeldosen) an. Alternativen sind Trimethoprim/Sulfamethoxazol (8 mg/40 mg/kg pro Tag), Clarithromycin (15 mg/kg pro Tag) oder Cefaclor (40 mg/kg pro Tag). Die Antibiotikatherapie sollte über 10 bis 14 Tage fortgesetzt werden.

Bei chronischer Sinusitis sind nach Zimmermanns Angaben Nasentropfen zur Schleimhautabschwellung, körperwarme hyperosmolare Natriumchlorid-Lösung zur Spülung der Nase sowie nichtsteroidale Antirheumatika hilfreich. Sind die Schleimhautreaktionen allergisch bedingt, kann das Ödem mit lokal appliziertem Dinatriumcromoglycat oder topischen Steroiden vermindert werden. Bei kleinen Kindern seien Nasentropfen besser geeignet als Nasensprays.



STICHWORT

Sinusitis-Erreger

In drei von vier Fällen sind bei einer bakteriellen Sinusitis Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae und/oder Moraxella catarrhalis die Erreger. Anaerobier seien bei etwa zehn Prozent der akuten Sinusitiden nachweisbar, so der Professor Theodor Zimmermann aus Erlangen. Bei chronischer Sinusitis muss mit Staphylococcus aureus, Veillonella, Peptostreptococcus und Corynebakterien gerechnet werden. Bei sehr schweren Krankheitsverläufen kommen auch H. influenzae, Anaerobier und vergrünende Streptokokken vor. (ner)

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