Sitagliptin bald auch mit Insulin kombiniert?

Auch Typ 2-Diabetikern, die bereits Insulin erhalten, bringt die Therapie mit Sitagliptin einen zusätzlichen Nutzen.

Von Simone Reisdorf Veröffentlicht:
Insulin wird bei vielen Diabetikern nötig.

Insulin wird bei vielen Diabetikern nötig.

© Foto: Andrzej Tokarski@fotolia.de

Den Nutzen von dieser Art von Kombitherapie hat eine Studie mit 564 Patienten belegt, die mit Basal- oder Mischinsulin und zu 70 Prozent auch mit Metformin behandelt wurden. Die Studienteilnehmer bekamen nun 24 Wochen lang zusätzlich 100 mg Sitagliptin einmal täglich oder Placebo.

Die zusätzliche Sitagliptin-Therapie besserte alle glukosebezogenen Parameter: den HbA1c-Wert, (um 0,6 versus 0 Prozent, primärer Studienendpunkt), den Nüchternblutzucker (um 15 mg/dl und 0,8 mmol/l im Vergleich zu Placebo) und die postprandiale Blutglukose (um 36 mg/dl oder 2,0 mmol/l im Vergleich zu Placebo). Zudem erreichten mehr Patienten mit Sitagliptin (12,8 Prozent) als mit Placebo (5,1 Prozent) einen HbA1c unter 7,0.

Die Studienmedikation wurde im Allgemeinen gut vertragen, allerdings war die Rate der Hypoglykämien mit Sitagliptin erhöht (15 versus 8 Prozent). Schwere Hypoglykämien kamen nur bei zwei mit Sitagliptin und einem mit Placebo behandelten Patienten vor. In keiner der beiden Gruppen nahmen die Patienten signifikant an Gewicht zu.

Studienleiterin Tina Vilsb¢ll aus Kopenhagen in Dänemark war bei der Vorstellung der Studie optimistisch: "Die kombinierte Therapie mit Insulin und Sitagliptin wurde bei FDA und EMEA zur Zulassung eingereicht."

Für Patienten, die zu Hypoglykämien neigen, sei es auch denkbar, bei Zugabe von Sitagliptin die Insulin-Dosis zu senken, meinte sie auf Nachfrage. Dann könne vermutlich bei gleich guter Blutzuckerkontrolle die Hypoglykämierate gesenkt werden.

Warum Sitagliptin bei spätem Typ 2-Diabetes noch hilft

"Ein Rest von Betazellfunktion ist auch bei länger erkrankten Typ 2-Diabetikern im Allgemeinen noch vorhanden." Dies berichtete Professor Barry J. Goldstein, Vizepräsident der Klinischen Forschung Diabetes & Adipositas bei Merck/USA (hier: MSD) in einem Meet-the-Expert. "Und dieser Rest genügt den inkretin-basierten Antidiabetika wie Sitagliptin, um eine klinisch wirksame Insulinausschüttung zu erreichen." Andererseits, so Goldstein, werde eine Unterdrückung des Insulin-Gegenspielers Glukagon durch Sitagliptin vermutet. Denn die Ausschüttung beider Hormone, Insulin und Glukagon, ist von dem Darmhormon GLP-1 abhängig, dessen Abbau Sitagliptin verzögert.

Lesen Sie dazu auch: Zulassungserweiterung bei Sitagliptin in Sicht

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