Deutschlands erster Fall

So kam das Coronavirus nach Bayern

Deutschland hat den ersten Coronavirus-Patienten. Er stammt aus dem bayerischen Landkreis Starnberg – und infizierte sich, ohne dass er in China war.

Von Birgit Fenzel Veröffentlicht:
Dr. Andreas Zapf, Präsident des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), spricht über den Fall des infizierten Mannes aus dem Landkreis Starnberg.

Dr. Andreas Zapf, Präsident des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), spricht über den Fall des infizierten Mannes aus dem Landkreis Starnberg.

© Sachelle Babbar / picture alliance / ZUMAPRESS.com

München. Erstmals gibt es in Deutschland einen Coronavirus-Patienten: Angesteckt hat sich der 33-jährige Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto aus dem Landkreis Starnberg bei einer Schulung, zu der eine Kollegin aus Shanghai nach Bayern gekommen war.

Die Frau stamme zwar nicht aus Wuhan, allerdings seien ihre Eltern aus der chinesischen Provinz.

„Die Symptome traten bei der Frau erst auf ihrem Rückflug auf – das ist neu,“ sagte Dr. Andreas Zapf, Präsident des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), wo es seit Jahren eine Spezialeinheit für solche Fälle – die „Task Force Infektiologie“ – gibt.

Alarmpläne lagen schon in der Schublade

„Wir nehmen die Lage sehr ernst, sind aber gut vorbereitet“, betonte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). „Zusätzlich haben wir bereits in der vergangenen Woche einen speziellen Arbeitsstab im Ministerium gebildet, der sich erst letzte Woche traf, um die Maßnahmen zu überprüfen und zu aktualisieren.“

Auch sei man mit dem Robert Koch-Institut (RKI) und dem Bund bereits intensiv im Austausch. Es gebe Alarmpläne, die jetzt angewendet worden seien. Diese regeln zum Beispiel den Ablauf der Meldewege im Krankheitsverdachtsfall und die Ermittlung von Kontaktpersonen.

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Insofern habe man am Montagabend auch nicht lange auf Ergebnisse warten müssen. Innerhalb von vier Stunden habe das Testergebnis aus dem Labor des Bundeswehrinstituts in München vorgelegen, so Zapf. „Jetzt sei es wichtig, weitere Kontaktpersonen zu finden, die Menschen zu sensibilisieren, aber keine unnötigen Ängste zu schüren“, sagte er.

Hauptaufgabe seiner Behörde ist es nun, alle Menschen zu finden, die engeren Kontakt mit dem Patienten oder seiner chinesischen Kollegin hatten. Zudem hat das LGL eine Telefon-Hotline für besorgte Bürger eingerichtet. Unter der Nummer 09131/6808-5101 können sie ihre Fragen stellen.

Unternehmen informierte Gesundheitsamt

Die Information über die Erkrankung der Frau habe die Starnberger Firma Webasto am Montag erreicht, die sofort das Gesundheitsamt und ihre Mitarbeiter informiert habe, worauf sich der 33-jährige Familienvater aus dem Landkreis Landsberg meldete.

Er habe sich am Wochenende krank gefühlt, sei jedoch am Montag wieder zur Arbeit erschienen, weil es ihm besser gegangen sei. Als ein Labortest am Montagabend die Ansteckung bestätigte, sei der Mann in die Schwabinger Klinik in stationäre Behandlung gekommen, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Derzeit würden 40 Personen in der Firma und im Umfeld des Patienten überprüft. Diese Zahl könne aber noch steigen. Den Familienmitgliedern des Mannes sei zudem geraten worden, daheim zu bleiben.

Für den Patienten selbst besteht nach Aussage seines behandelnden Arztes keine Lebensgefahr. „Er ist fieberfrei, hat auch derzeit keine Atemwegssymptomatik mehr“, so Professor Clemens Wendtner, Chefarzt im Klinikum Schwabing in München, der den Patienten auf der normalen Isolierstation in einem Zimmer mit Schleuse untergebracht hat.

„Die Sonderisolierstation ist in diesem Fall nicht nötig“, so der Schwabinger Chefarzt. „Schließlich handelt es sich nicht um Ebola.“

Wegen der möglichen Ansteckungsgefahr sei allerdings noch nicht klar, wann er wieder entlassen werden könne.

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