Prävention

So lassen sich neuerliche Schlaganfälle verhindern

Antihypertensiva, Lipidsenker, Plättchenhemmer - das gehört zum Standardrepertoire, wenn es darum geht, Schlaganfall-Patienten einen neuerlichen Infarkt zu ersparen. Doch jetzt gibt es neue Empfehlungen. Auf der Neurowoche ist ein Sechs-Punkte-Präventionsplan vorgestellt worden.

Von Friederike Klein Veröffentlicht:
Zur Rezidivprophylaxe nach Schlaganfall sind Statine ratsam.

Zur Rezidivprophylaxe nach Schlaganfall sind Statine ratsam.

© psdesign1 / fotolia.com

MÜNCHEN. Mit ASS, Antihypertensiva, Statin, körperlicher Aktivität und gesunder Kost ließen sich nach Studiendaten 80 Prozent aller Schlaganfall-Rezidive nach einem ersten Ereignis verhindern (Lancet Neurol. 2014; 13: 178).

Bei der Neurowoche in München machte Professor Gerhard Hamann, Leiter der Klinik für Neurologie in Günzburg, daraus sechs Punkte, die ein "Muss" in der Sekundärprävention darstellen und teilweise erst kürzlich Änderungen erfahren haben:

1. Blutdruck senken

Nach einem Schlaganfall sollte der Blutdruck erst allmählich gesenkt werden. Die Wahl der Antihypertensiva sollte die Komorbiditäten berücksichtigen. Die Kombination von ACE-Hemmer oder AT1-Blocker mit Kalziumkanalblocker oder Diuretikum kann günstig sein, weil Letztere auch die Herzratenvariabilität günstig beeinflussen.

"Betablocker wurden abgewertet zum Reservemedikament", ergänzte Hamann mit Blick auf neue Hypertonieleitlinien, die auch die Zielwerte der Blutdrucksenkung gelockert haben: Es gilt ein Zielblutdruck von 150/90 mmHg in einem Alter von über 60 Jahren, bei jüngeren Patienten 140/90 mmHg (JAMA 2014; 311(5): 507).

2. Statin

Jeder Patient mit einem Schlaganfall sollte ein Statin erhalten, erläuterte Hamann weiter. Nach den aktuellen US-Leitlinien (Circulation 2014; 129 (25 Suppl 2): S1-45) kann die Therapie bei über 75 Jahre alten Patienten oder solchen mit Statin-Interaktionen mit 40 mg Simvastatin erfolgen.

Alle anderen sollten eine Hochdosistherapie mit 80 mg Atorvastatin erhalten. Eine Kontrolle des LDL-Siegels ist unnötig: "Es gibt keinen Zielwert mehr", sagte Hammann und nannte die Veränderungen im Bereich der Lipidkontrolle als "revolutionär.

3. Thrombozytenhemmer

Jeder Patient mit einem Schlaganfall, der keine Indikation für eine Antikoagulation hat, sollte einen Thrombozytenhemmer erhalten. "Bei intrakraniellen Stenosen ist der Neurologe mit einer intensiven medizinischen Therapie so effektiv wie der Stent", ergänzte Homann: In der SAMMPRIS-Studie holte die mit Stent versorgte Patientengruppe den mit dem Eingriff verbundene Ereignisrate gegenüber der konservativ therapierten Gruppe nie wieder auf (NEJM 2011; 365: 993).

"Diese Studie hat unser Weltbild verändert", so Homann. Bei Hochrisikogruppen wie Patienten mit intrakraniellem Stent werde eine aggressive medizinische Therapie mit dualer Plättchenhemmung und 80 mg Atorvastatin empfohlen, ergänzte er.

4. Antikoagulation bei VHF

Alle Schlaganfallpatienten mit Vorhofflimmern (VHF) sollten antikoaguliert und nicht mit Plättchenhemmern behandelt werden. Die Wahl des Antikoagulans richtet sich unter anderem nach den Komorbiditäten und den klinischen Charakteristika des Patienten.

Eine neue Metaanalyse unter Einschluss des noch nicht zugelassenen neuen oralen Antikoagulans (NOAC) Edoxaban zeigte, dass bei VHF praktisch alle Patienten von NOACs profitieren bei deutlich reduzierter intrakranieller Blutungsrate im Vergleich zu Vitamin-K-Antagonisten (Lancet 2014; 383: 955).

5. Karotisoperation

Über 70-prozentige symptomatische Karotisstenosen sollten bei über 70-Jährigen operiert werden, erläuterte Hamman weiter, bei unter 70-Jährigen kann operiert oder gestentet werden.

Vorteile scheinen Stents bei Frauen, bei Patienten mit kontralateralen Verschlüssen und solchen mit Restenosen zu haben. Asymptomatische Stenosen sollten nur bei Progression operiert werden.

6. Lebensstilinterventionen

Anzustreben sind Raucherentwöhnung - gegebenenfalls mit medizinischer Unterstützung -, nur wenig Alkohol und eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Magermilchprodukten und Vollkorn sowie wenig gesättigten Fetten und Salz.

Empfohlen wird außerdem regelmäßige körperliche Aktivität an vier bis sieben Tagen in der Woche und auch für Patienten mit deutlichen Einschränkungen. "Da brauchen Sie häufig einen Physiotherapeuten oder Sportmediziner", sagte Hamann und verwies auf spezielle Programme und Geräte nach Schlaganfall.

"Auch wenn der Patient jeden Tag mit seinem Bettfahrrad fährt, ist das zudem ein deutlicher Gewinn an Lebensqualität", betonte er.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Menschen im Park machen Qigong-Übungen

© zinkevych / Stock.adobe.com

Nutzen durch randomisierte Studie belegt

Qigong-Übungen senken erhöhten Blutdruck

Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?