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Stillen macht Mütter aggressiv

Ob im Tierreich oder bei uns Menschen: Das Stillen fördert offenbar Aggressionen, indem es die autonome Stressreaktion dämpft. So bleibt der systolische Blutdruck stillender Mütter bei aggressiven Handlungen signifikant niedriger als bei Frauen ohne Kinder.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
So ein süßes Baby will gestillt und verteidigt werden.

So ein süßes Baby will gestillt und verteidigt werden.

© Anja Roesnick / fotolia.com

LOS ANGELES. Wer zwischen eine Bärenmutter und ihre Jungen gerät, schwebt in Lebensgefahr, denn die Bärin verteidigt ihren Nachwuchs mit Zähnen und Klauen. Ähnliches lässt sich - in gottlob abgeschwächter Form - auch bei Menschenmüttern beobachten, die gerade ihre Kinder stillen.

"Laktationsaggression" - auch bei Menschen

Ein Team britischer und US-amerikanischer Psychologen hat nun nachgewiesen, dass ein im ganzen Reich der Säugetiere, von den Grizzlys bis zu den Mäusen, zu beobachtendes Phänomen - die "Laktationsaggression" - auch vor Müttern auf zwei Beinen nicht Halt macht (Psychological Science 2011; 22 (10): 1288-1295).

Offenbar hat das Stillen einen puffernden Effekt auf die Stressantwort, was die Betreffenden in Konfliktsituationen zugleich cooler und mutiger werden lässt.

Für ihre Studie baten die Forscher 18 stillende, 17 Muttermilchersatz fütternde und 19 kinderlose Frauen zum Aggressionstest. Die Frauen traten dabei in einem Reaktionswettkampf an verbundenen Computerterminals gegen eine vermeintliche Mitprobandin an, die sich in der Vorbesprechung aufreizend rüder Manieren befleißigte und die zwischenmenschliche Atmosphäre nach Kräften vergiftete.

Die Siegerin jeder Spielrunde durfte ihre Kontrahentin per Knopfdruck mit Lärmgeräuschen in vor der Runde festzulegender Dauer und Lautstärke traktieren, wobei jeweils die angeblich von der gegnerischen Kombattantin gewählte akustische Schlagkraft bekannt gegeben wurde.

Stillende Mütter zeigten sich aggressiver

Tatsächlich interagierten die Testfrauen aber mit einem standardisierten Computerprogramm, die im Vorlauf aggressiv posierenden Gegnerinnen waren eigens präparierte Forschungsassistentinnen gewesen.

Als Maß der Aggressivität galten das durchschnittliche Volumen und die Dauer der Klangattacken, zudem wurde der Blutdruck der Probandinnen gemessen. Stillende Mütter zeigten sich in diesem Umfeld doppelt so aggressiv wie Mamas, die ihren Kindern das Fläschchen gaben, oder Frauen ohne Kinder.

Zugleich blieb ihr systolischer Blutdruck signifikant niedriger. Offenbar erleichtert das Stillen aggressives Verhalten, indem es die autonome Stressreaktion dämpft.

Grundlegende Erkenntnisse über Aggression

Der Nutzen, den sich die Forscher von ihren Forschungen erwarten, geht über die Einsicht hinaus, vor Tagescafés mit Kinderwagenparkplatz besser die Straßenseite zu wechseln.

Vielmehr sollen daraus grundlegende Erkenntnisse über Aggression in Problemsituationen erwachsen - und über die Möglichkeiten, ihnen defensiv zu begegnen, schreiben die Wissenschaftler um Dr. Jennifer Hahn-Holbrook von der University of California in Los Angeles.

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