Direkt zum Inhaltsbereich

Stimulator hebt Stimmung und stoppt Schluckauf

BERLIN (gvg). Ein bisher vor allem bei Epilepsie-Kranken verwendetes Verfahren zur Neurostimulation lindert offenbar auch Depressionen. Erste Erfahrungen gibt es zudem bei chronischem Schluckauf.

Veröffentlicht:

Die Rede ist von der elektrischen Stimulation des Nervus vagus. Das Verfahren wird in Europa und den USA seit über zehn Jahren bei Patienten mit Therapie-resistenter Epilepsie angewandt. Bei dem Verfahren wird ein Taschenuhr-großer Stimulator unter die Haut im Brustbereich implantiert.

Elektroden führen unter der Haut zum Nacken und werden um den linken Vagusnerven gewickelt. Weltweit wurden bisher über 20 000 Patienten mit einem solchen Gerät ausgestattet, hat Professor Marcos Tatagiba von der Universität Tübingen berichtet.

Weil beobachtet wurde, daß die Vagusstimulation bei Epilepsie-Patienten die Stimmung aufhellt, wird sie zunehmend auch bei Depression und bipolaren Störungen verwendet und ist dafür in Europa jetzt auch zugelassen. In einer Studie mit insgesamt 59 Patienten zeigte das Verfahren bei depressiven Patienten eine gute Wirksamkeit (Journal of Clinical Psychiatry 66, 2005,1097), so Tatagiba auf einer Veranstaltung des Nationalen Ethikrates in Berlin.

Die Betroffenen in der Studie hatten alle eine schwere depressive Episode, die sich trotz medikamentöser Therapie nicht besserte. Sie erhielten die Vagusstimulation für insgesamt zwei Jahre.

Nach drei Monaten Stimulation waren 15 Prozent der Betroffenen in Remission. Nach einem Jahr traf das für immerhin 27 Prozent der Patienten zu, nach zwei Jahren noch für 22 Prozent. Als Remission wurde eine mindestens 50prozentige Reduktion auf der Hamilton-Depressions-Skala definiert.

Eine ganz neue Indikation für die Stimulation des Nervus vagus könnte chronischer Schluckauf sein. Die Therapie ist bei vier Patienten in den USA getestet worden, wie die New York Times jetzt berichtete. Bei einem Patienten verschwand das Problem. Bei einem weiteren besserte es sich zumindest. Die beiden anderen stammen aus New Orleans und haben sich seit der Flut durch den Hurrican Katrina nicht mehr bei den Ärzten gemeldet.

Der Neurochirurg Dr. Bryan Payne, der die Implantationen vornimmt, erinnert daran, daß auch einige klassische Anti-Schluckauf-Manöver wie kaltes Wasser trinken oder das Luftanhalten die Aktivität des Nervus vagus beeinflussen. Die Wirksamkeit ist also durchaus plausibel.

Mittel der ersten Wahl bei chronischem Schluckauf sei die Implantation eines Stimulators aber nicht, so Payne. Denn es gibt Risiken: Viele Patienten, die einen Vagus-Stimulator bekommen, werden heiser. Auch Herzrhythmusstörungen und Luftnot wurden beschrieben.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Empfehlungen für die Therapie

So holen Sie Ihre Patienten aus der Post-Stroke-Depression

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: Ofatumumab-Konzentrationen in der Muttermilchh

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Flexiblere Familienplanung durch kürzere Kontrazeptionszeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Mikrobiomforschung

Atemwegs-Dysbiose befeuert Lungenerkrankungen

Weniger Spätkomplikationen

Frühe HbA1c-Kontrolle zahlt sich aus

Lesetipps
Eine Frau sitzt am Tisch und misst ihren Blutzucker am linken Zeigefinger.

© Felippe Lopes / Generated with AI / Stock.adobe.com

Potenzielle Über- und Untertherapie

Medikation des Typ-2-Diabetes wird im Alter zu selten angepasst