DAS HEROIN-MODELLPROJEKT

Studie: Heroinbehandlung ist Methadonsubstitution überlegen

Veröffentlicht:

Das "Modellprojekt zur heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger" ist ein vom Bundesgesundheitsministerium, den Bundesländern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen sowie sieben deutschen Städten getragenes Projekt. Es wurde 2002 mit 1032 Heroinabhängigen gestartet und wissenschaftlich begleitet. Derzeit werden in den beteiligten Städten etwa noch 330 Patienten betreut, und zwar in Hamburg (75), Frankfurt am Main (59), Köln (knapp 100), München (17), Hannover (33), Bonn (36) und Karlsruhe (13).

In das Projekt aufgenommen wurden langjährig Abhängige, die mit anderen Therapieangeboten nicht erreicht werden konnten oder von der Methadonsubstitution nicht profitiert hatten. Unter ambulanter Aufsicht wird den Patienten kostenlos bis zu drei Mal täglich Diacetylmorphin verabreicht. Hinzu kommen regelmäßige Gesundheitskontrollen und eine psychosoziale Betreuung.

Die Kooperationspartner sind Auftraggeber einer multizentrischen, randomisierten und kontrollierten Therapiestudie, deren Federführung das Hamburger Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) unter der klinischen Leitung von Professor Christian Haasen hat. Die Studie erstreckte sich über 24 Behandlungsmonate und sollte die Wirksamkeit der heroingestützten Behandlung im Vergleich zur Methadonsubstitution überprüfen. In die Studie aufgenommen wurden alle Patienten des Modellprojekts. Der Abschlussbericht liegt seit Januar 2006 vor.

Das zentrale Ergebnis der Studie, so das ZIS, zeige eine signifikante Überlegenheit der Heroin- im Vergleich zur Methadonbehandlung. Sowohl im gesundheitlichen Bereich als auch hinsichtlich der Verringerung des illegalen Drogenkonsums erziele die Heroinbehandlung signifikant höhere Responseraten. Auch die soziale Situation der Betroffenen (Wohn- und Arbeitssituation, soziale Kontakte) habe sich unter Behandlung mit Diamorphin verbessert, führt das ZIS aus. Die positiven Ergebnisse münden in der Empfehlung, die Behandlung mit Diacetylmorphin in die Regelversorgung Schwerstabhängiger aufzunehmen.

Trotzdem ist die Fortführung des Modellprojekts gefährdet. Eine Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn ist bis zum 30. Juni befristet. Um die Abgabe von synthetischem Heroin an Schwerstabhängige über diesen Zeitpunkt hinaus zu gewährleisten, müsste Diamorphin als Medikament zugelassen werden. Einen entsprechenden Antrag hat das BfArM positiv beurteilt.

Eine Zulassung bedarf allerdings einer Änderung des Betäubungsmittelgesetzes, in dem Heroin dann als verkehrs- und verschreibungspflichtig deklariert würde. Entsprechend müssen die Betäubungsmittelverschreibungsverordnung und das Arzneimittelgesetz angepasst werden. Gegen eine Gesetzesänderung spricht sich bislang die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag aus. (Smi)

Weitere Infos finden Sie im Internet unter www.heroinstudie.de

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Heroin als Arznei - das ist sinnvoll!

Lesen Sie dazu auch: "Dann geht der Teufelskreis von vorne los!" Pro: Breite Koalition für Fortführung Contra: Union gegen Regelversorgung

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein Mann im Hintergrund nimmt einen Schluck von einem Drink. Im Vordergrund stehen vier Flaschen mit alkoholischen Getränken.

© Axel Bueckert / stock.adobe.com

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert