Zweifel an Studiendaten

Charité-Forscher ziehen Omikron-Studie zurück

Ein Team um Professor Jan Felix Drexler von der Charité hat eine Studie über die Entstehung der SARS-CoV-2-Variante Omikron zurückgezogen. Der Grund: Verunreinigungen in Untersuchungsproben.

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Ein Forscherteam der Charité hat eine im Fachblatt „Science“ publizierte Studie über die Entstehung der SARS-CoV-2-Variante Omikron wegen Widersprüchen zurückgezogen.

Ein Forscherteam der Charité hat eine im Fachblatt „Science“ publizierte Studie über die Entstehung der SARS-CoV-2-Variante Omikron wegen Widersprüchen zurückgezogen.

© Joerg Carstensen / dpa / picture alliance

Berlin. Die Charité – Universitätsmedizin Berlin hatte kürzlich über neue Erkenntnisse zur Entstehung der SARS-CoV-2-Variante Omikron informiert. Die Studiendaten von Forschern um Professor Jan Felix Drexler vom Institut für Virologie der Charité hatten wir auf der Website der Ärzte Zeitung vorgestellt. Das Team um den Virologen hat die im Fachblatt „Science“ publizierte Studie wegen Widersprüchen nun zurückgezogen.

Nach neuesten Erkenntnissen seien Teile der in der Studie gemachten Aussagen wegen Verunreinigungen in Untersuchungsproben nicht mehr ohne begründete Zweifel belegbar. Die Forschenden kämen nun ihrer Verantwortung für die gute wissenschaftliche Praxis nach, berichtet die Charité in einer Mitteilung.

Analysierte Genomsequenzen in Frage gestellt

In der Publikation „Gradual emergence followed by exponential spread of the SARS-CoV-2 Omicron variant in Africa“ wurde das Aufkommen der Omikron-Variante von SARS-CoV-2 in Westafrika, einige Monate vor der späteren Entdeckung in Südafrika, nachgewiesen. Kurz nach der Veröffentlichung wurde durch andere Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die Plausibilität der analysierten Genomsequenzen in Frage gestellt, so die Charité-Mitteilung. In einer daraufhin durchgeführten Nachanalyse von Restproben seien Verunreinigungen festgestellt worden, deren Ursprung und Auswirkungen auf einen Teil der durchgeführten Analysen nicht mehr zu klären seien.

„Die weiter bestehende Aussage der Publikation, dass Viren mit Omikron-Sequenzmerkmalen bereits vor dem offiziellen Nachweis in Südafrika existierten, beruht auf übereinstimmenden PCR-Nachweisen aus Laboren aus verschiedenen afrikanischen Ländern“, so die Charité. Allerdings sei die detaillierte Rekonstruktion der einzelnen Evolutionsstufen des Virus durch die aufgetretenen Verunreinigungen in Zweifel gezogen oder zumindest nicht mehr eindeutig darstellbar.

Tausende Rückstellproben müssten nachanalysiert werden

Die vorliegenden Verunreinigungen machten auch eine zeitnahe Korrektur unmöglich, denn hierzu müssten mehrere Tausend Rückstellproben aus ganz Afrika nachanalysiert werden. Aus diesem Grund sei die gesamte Publikation jetzt im Einvernehmen mit allen Koautoren und Koautorinnen zurückgezogen worden. Die mit dem Projekt befasste Arbeitsgruppe habe die Aufarbeitung und Überprüfung aufgenommen. Andere Arbeitsgruppen und Projekte in der Charité oder im Autorenkonsortium seien nicht betroffen. (eb/eis)

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Kommentare
Dr. Horst Grünwoldt 21.12.202213:26 Uhr

Die Charite-Virologen haben eine schon in "Science" veröffentlichte Studie wegen eines verunreinigten Probenmaterials zurückgezogen. Das entspricht der Redlichkeit von seriösen Forschern!
Dabei geht es um die wissenschaftliche Frage, woher/wie die SarsCoV2- Variante Omikron in Südafrika oder irgendwo sonst aufgetaucht (d.h. entstanden) ist?

Da Viren aller Art vom Ursprung her keine stabilen Umweltkeime sind, sondern stets nur intrazellulär entstehen können - so auch die Corona-Varianten - berührt ihr Ursprung doch immer wieder Fragen der Protein-Synthese. Und die ist im zellulär-histologischen Bereich doch die "Urmutter" des animalischen physischen Lebens, Und so auch beim globalen Homo sapiens mit seiner zellulargenetisch engeren Verwandtschaft als dem nur zwei prozentigen Unterschied zum Schimpansen.

In einem Lebensraum durch gemeinsame (in einer Population) erlittene externe Noxen auf unseren "nackten" Atemwegsschleimhäuten, und epidemisch ausgelöste, gestörte oder "entgleiste" Protein-Synthese in unserem Nasen-Rachen- oder Luftröhren- Endothelien, wird letztlich immer wieder zuerst als gewebliches Entzündungsgeschehen klinisch sichtbar. Und das äußert sich oftmals im Husten, Niesen und anderen Atemwegs-Beschwerden. Dabei werden natürlich jedes Mal im Rahmen der zellulären Lyse/ Zellregeneration rel. einfache neu-strukturierte, protein- und RNA/DNA- behaftete, leblose Nano-Partikel abgesondert, die die Molekularbiologen "Virus" (lat. Gift?) und deren "Varianten" nennen. Und die sind keine kleinen Tierchen, welche "ausbrechen" oder "überspringen" können!
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock

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