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Hypermutierte Karzinome

Suche nach Biomarkern

Um die Therapie von Patienten mit kolorektalem Karzinom zu verbessern, investieren Forscher derzeit viel in die Entwicklung einer prädiktiven molekularen Diagnostik.

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BERLIN. Die Schwierigkeiten, mit denen Onkologen bei der Entwicklung von Therapiestrategien zu kämpfen haben, beruhen vor allem darauf, dass Kolorektalkarzinome nicht selten sehr viele Mutationen haben. Solche hypermutierten Karzinome kommen bei immerhin 16 Prozent der Patienten vor, wie Professor Tim Maughan von der Universität von Oxford beim 32. Deutschen Krebskongress in Berlin berichtet hat. Das beruhe unter anderem auf fehlerhaften DNA-Reparaturvorgängen in den Zellen und Mutationen im Enzym Polymerase E-Exonuklease.

Nach seinen Erfahrungen lassen sich mithilfe der bisherigen Biomarker wie RAS-Mutationen und MSI-H (Mikrosatelliteninstabilität) die Therapieergebnisse nur mäßig verbessern. "Wir wollen jetzt gezielt eine prädiktive molekulare Diagnostik für diese Patientengruppe entwickeln", so Maughan. Das geschieht mithilfe des Projekts S-CORT (stratification in colorectal cancer), an dem viele Institute in Großbritannien mitarbeiten.

In dem Projekt werden Tests entwickelt und validiert, mit denen sich ein Therapieergebnis leichter als bisher vorhersagen lässt. Teil ist auch FOCUS-4, eine Therapieplattform, auf der Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom, die anhand molekularer Marker klar charakterisiert sind, mit neuen Medikamenten gezielt behandelt werden. Im S-CORT-Projekt könnten zukünftig die Daten von 10.000 Patienten genutzt werden.

Maughan betonte, dass nicht nur gensequenziert werden soll, sondern auch die epigenetischen Veränderungen untersucht werden müssten, nicht zuletzt die Wechselwirkung der Tumorzellen mit dem Mikroenvironment über Zytokine.

In Deutschland wird ebenfalls versucht, den Therapieerfolg bei Darmkrebs zu verbessern. Dazu soll die europäische SPECTAcolor-Studie beitragen. Wie Professor Gunnar Folprecht von der Universität Dresden, Koordinator der Studie, erläuterte, handelt es sich nicht um eine Therapiestudie, sondern um ein reines Screening. Bisher seien bereits mehr als 800 Patienten, die wegen eines fortgeschrittenen Kolorektalkarzinoms unterschiedlich behandelt werden, gescreent worden. Ein Update erfolge alle sechs Monate. Dadurch entsteht in Dresden eine umfangreiche Biobank. Außer der Analyse etwa der Biomarker BRAF, NRAS, KRAS und PI3K werden auch mehr als 360 Gene jedes einzelnen Patienten sequenziert. (ple)

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