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Gebärmutter-Krebs

T-Zell-Therapie lässt aufhorchen

Bei manchen Patienteninnen mit metastasiertem Zervixkarzinom kann mittels T-Zell-Therapie offenbar erreicht werden, dass der Tumor verschwindet. Das zeigen hoffnungsvolle Ergebnisse einer Pilotstudie.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Das metastasierte Zervix-Ca lässt sich mit den verfügbaren Chemotherapeutika nur schlecht kontrollieren.

Das metastasierte Zervix-Ca lässt sich mit den verfügbaren Chemotherapeutika nur schlecht kontrollieren.

© Springer Verlag GmbH

BETHESDA. Mit speziell adoptierten T-Zellen wird schon seit geraumer Zeit bei Tumorerkrankungen experimentiert, vor allem bei Patienten mit B-Zell-Tumoren ließen sich Erfolge erzielen, weniger jedoch bei Metastasen epithelialer Tumoren, berichten Forscher um Sanja Stevanovic vom National Cancer Institute in Bethesda.

Die Wissenschaftler haben nun jedoch ein Verfahren zur adoptiven T-Zell-Therapie (ACT) entwickelt, das auch bei solchen Tumoren funktionieren könnte (JCO 2015; online 30. März).

Sie erprobten es zunächst bei neun Patientinnen mit metastasiertem Zervixkarzinom, die zuvor bereits eine Platin-basierte Chemotherapie erhalten hatten.

Die Ärzte entnahmen den Frauen zunächst Tumorproben. Daraus isolierten sie Tumor-infiltrierende T-Zellen (TIL) und kultivierten diese.

Anschließend testeten sie die Zellen auf ihre Reaktivität gegen die HPV-Onkogene E6 und E7, die sich praktisch in allen Zervixkarzinom-Zellen befinden. Die reaktivsten Kulturen wurden ausgewählt, vermehrt und den Patientinnen zurückinfundiert.

Vor der T-Zell-Therapie erhielten die Patientinnen eine Lymphozyten-dezimierende Behandlung mit Cyclophosphamid und Fludarabin. Nach dem Zelltransfer bekamen sie den T-Zell-Wachstumsfaktor Interleukin-2 (Aldesleukin), um die infundierten T-Zellen in vivo zu vermehren.

Bereits 22 Monate ohne Rezidiv

Das Ergebnis: Immerhin drei der neun Frauen sprachen auf die Behandlung an, bei zwei verschwand der Tumor komplett: Auch noch 22 und 15 Monate nach der Therapie ließen sich bei ihnen keine Rezidive nachweisen.

Dies ist umso erstaunlicher, als die beiden Frauen schon zahlreiche Chemo- und Radiochemotherapien erduldet hatten. Die eine Patientin zeigte zahlreiche Metastasen in Lunge und Blutgefäßen, die andere hatte unter anderem an der Leberoberfläche Metastasen.

Sie entwickelte zudem Lungenembolien und benötigte deswegen eine Antikoagulation. Bei der dritten Frau wurde ein partieller Rückgang des Tumors festgestellt.

Insgesamt zeigten sich keine akuten toxischen Effekte der T-Zell-Behandlung, zu schaffen machte den Patientinnen eher die Lymphozytendepletion vor der Zelltherapie. Vier der Frauen klagten über Übelkeit und Erbrechen.

Wie die Forscher um Stevanovic anhand diverser Tests herausfanden, war die Reaktionsfähigkeit der infundierten Zellen gegen HPV-Onkogene bei den einzelnen Frauen sehr unterschiedlich.

Die drei Frauen mit einer Komplett- und Teilremission zeigten dabei die stärkste Reaktivität. Gelingt es also, die T-Zellen spezifisch auf den Tumor auszurichten, scheint die Therapie zu funktionieren, in den anderen Fällen nicht.

Darauf deuten auch Blutuntersuchungen einen Monat nach Therapiebeginn: Bei drei Patientinnen zeigten die T-Zellen nach wie vor eine gute Reaktivität gegen HPV-Onkogene - das waren diejenigen mit klinischer Response. Bei drei kam es zu einem mäßigen Anstieg der HPV-Reaktivität, und drei Frauen zeigten überhaupt keine Veränderungen verglichen mit dem Status vor Therapiebeginn.

Langzeitdaten nötig

Da es beim metastasiertem Zervixkarzinom bislang keine Chance auf Heilung gibt und sich die Tumoren mit den derzeit verfügbaren Chemotherapeutika nur schlecht kontrollieren lassen, sehen die Wissenschaftler um Stevanovic hier gute Chancen für einen Immuntherapie, zumal mit E6 und E7 ein gut definierter Angriffspunkt vorliegt.

Die beiden Onkogene werden konstitutiv in den Zellen exprimiert - die Tumoren können sich also nicht vor dem Immunsystem verstecken, wenn dieses erst einmal Appetit auf die beiden Proteine bekommen hat.

Die Kunst liegt offenbar darin, das Immunsystem auf die Onkogene auszurichten. Das ist nur bei einem kleinen Teil der Patienten in der Studie gut gelungen. Ließen sich hierbei Fortschritte erzielen, könnten Ärzte möglicherweise noch mehr betroffenen Frauen helfen.

Noch liegen allerdings weder Langzeitdaten noch größere Studien zur ACT bei Zervix-Ca vor. Es wird also noch etwas dauern, bis klar ist, ob sich das Verfahren für die klinische Praxis eignet.

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