Darmkrebs-Vorsorge

Tandem-Koloskopien von Vorteil

Wie effektiv ist die Vorsorge-Koloskopie? Können neue Techniken die Detektionsraten steigern? Antworten auf diese Fragen liefern Studien, die bei der DGVS-Jahrestagung präsentiert wurden.

Veröffentlicht: 19.11.2013, 16:22 Uhr

NÜRNBERG. Die Koloskopie ist und bleibt der Standard bei der Prävention des kolorektalen Karzinoms. Allerdings sei die Rate an übersehenen Adenomen erschreckend hoch, vor allem im rechtsseitigen Kolon, erklärte Professor Ralf Kiesslich von der Medizinischen Klinik am St. Marienkrankenhaus Frankfurt.

Einer Studie an 1000 Patienten zufolge bleibt mit einer Standard-Koloskopie fast jedes zehnte Adenom unentdeckt.

Auch in Deutschland erscheinen die Adenom-Detektionsraten verbesserungswürdig, wie Kiesslich aus den Ergebnissen einer in mehr als 2100 Praxen durchgeführten Studie folgerte. "Die durchschnittliche Adenom-Detektionsrate von 19,4 Prozent ist gut, aber wahrscheinlich noch nicht gut genug", sagte er.

Um eine hohe diagnostische Sicherheit zu erzielen, sollte die persönliche Adenom-Detektionsrate mindestens 20 Prozent betragen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit eines Intervallkarzinoms, das zwischen zwei Screeninguntersuchungen auftritt, äußerst gering.

Je niedriger die persönliche Detektionsrate, desto höher das Risiko. Neueren Studien zufolge wäre sogar eine Adenom-Detektionsrate von 32 Prozent ideal.

Um die diagnostische Sicherheit der Koloskopie zu steigern, sollten Tandem-Koloskopien und Rückspiegel-Koloskopien durchgeführt werden, empfahl Kiesslich. Der Nutzen dieser Methoden wurde in Studien eindeutig belegt.

Eine weitere Möglichkeit zur Verbesserung der Effektivität der Koloskopie ist z.B. die intraprozedurale Reinigung insuffizient vorbereiteter Dickdarmabschnitte mithilfe einer CO2-Düse oder einer Kolondusche.

Diese neuen Systeme reinigen effektiver als herkömmliche Methoden und sie führen zu einer Verbesserung der Adenom-Detektionsrate. Eine effektive Darmvorbereitung bleibt den Patienten aber weiterhin nicht erspart.

In Zukunft könnte auch das Fuse-Koloskop eine Verbesserung bringen. Es birgt drei distale Optiksysteme in sich und ermöglicht ein 300-Grad-Gesichtsfeld. Damit arbeite man zwar langsamer, aber effektiver, berichtete Kiesslich.

In ersten Studien wurden damit weitaus weniger Adenome übersehen als mit der Standard-Koloskopie. "Wenn sich diese Daten bestätigen, könnte das Fuse-Koloskop ein neuer Standard werden", so Kiesslich.

Wenig bringt dagegen die häufig eingesetzte Kappen-Endoskopie. Eine Metaanalyse über 16 randomisierte Studien ergab, dass der Aufsatz einer Kappe auf das Koloskop nur einen marginalen und wenig überzeugenden Nutzen hat. Und die HD-Technik ist zwar schön anzuschauen, führt aber nur zu einer geringfügigen Steigerung der Detektionsrate. (jn)

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