Tuberkulose

Tb-Inzidenz bei Kindern krass unterschätzt?

Doppelt so hoch wie bislang gedacht: Nach einer neuen Schätzung von US-Forschern erkranken jedes Jahr eine Million Kinder an Tuberkulose.

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BOSTON. Nach neuen Berechnungen könnte es weltweit deutlich mehr pädiatrische Tuberkulosefälle geben, als bislang angenommen. Anhand wissenschaftlich publizierter Infektionsrisiken ergebe sich eine weltweite Neuerkrankungsrate von knapp einer Million Tb-Fälle pro Jahr bei Kindern unter 15 Jahren, berichten US-Forscher vom Brigham Women‘s Hospital und der Harvard-Universität in Boston (The Lancet 2014; online 24. März).

Nach ihren Berechnungen ist die pädiatrische Tb-Inzidenz doppelt so hoch, wie bislang von der Weltgesundheitsorganisation WHO geschätzt. Sie gibt die jährliche Neuerkrankungszahl mit rund 500.000 Fällen an, rund 74.000 davon mit letalem Ausgang.

Die Bostoner Forscher hatten zahlreiche Literatur nach Setting-spezifischen Risiken für Tuberkulosen durchforstet. In 31 Stunden fanden sie entsprechende Angaben, die sie in zwei lineare Regressionsmodelle überführen konnten - eines für Tuberkulosen bei Kindern generell und eines für Infektionen mit multiresistenten M. tuberculosis (MDR-Tb).

Nach dieser Simulation müssten im Jahr 2010 weltweit 999.792 Kinder neu an Tuberkulose erkrankt sein und davon 31.948 mit einer MDR-Tb. Letztere würde damit einen Anteil von rund 3,2 Prozent ausmachen.

Wenngleich die neue Schätzung keine Evidenz für die tatsächliche weltweite Tb-Inzidenz bei Kindern liefert, gibt sie den Forschern doch zu denken. "Unsere Ergebnisse demonstrieren, dass wir bessere Methoden benötigen, um Daten über Tuberkulose bei Kindern zu sammeln", sagte Dr. Helen Jenkins, Hauptstatistikerin des Studienteams. Ein guter Ansatzpunkt seien zunächst bessere Diagnosemethoden. (nös)

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