Therapie lindert Pruritus bei Schwangerschafts-Cholestase

FREIBURG (mut). Bei Frauen mit einer Schwangerschafts-Cholestase hat sich die Therapie mit Ursodeoxycholsäure bewährt. Damit läßt sich das Risiko für eine Frühgeburt senken und der Pruritus lindern. Offenbar wirkt das Medikament dadurch, daß vermehrt Progesteron-Metabolite aus Leberzellen geschleust werden.

Veröffentlicht:

Etwa jede 500. bis 1000. Schwangere in Mitteleuropa bekommt - meist im dritten Trimenon - eine intrahepatische Schwangerschafts-Cholestase. In anderen Regionen der Erde ist der Anteil sogar noch weit höher: In Skandinavien trifft es etwa jede 50. und in Lateinamerika sogar jede siebte Schwangere.

Diese Frauen haben dann ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten und für lästigen Pruritus. Zudem kann ein milder Ikterus auftreten. Im Serum liegen erhöhte Konzentrationen von Gallensäuren vor. Typisch sind auch die erhöhten Konzentrationen von Pregnandiol-Disulfid, einem Progesteron-Metaboliten. Darauf hat Professor Hanns-Ulrich Marschall vom Karolinska-Hospital in Stockholm hingewiesen.

Als Therapie habe sich Ursodeoxycholsäure bewährt. Erstaunlich sei jedoch, so Marschall, daß man mit Ursodeoxycholsäure (etwa Ursofalk®) zwar den Juckreiz bei einer Schwangerschafts-Cholestase, nicht aber bei anderen cholestatischen Erkrankungen lindern kann. In einer kleinen Untersuchung hat er mit seiner Arbeitsgruppe nun eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen gefunden. Die Daten wurden auf einem Symposium der Falk Foundation in Freiburg vorgestellt.

In der Studie erhielten 22 Schwangere entweder Placebo, Dexamethason (12 mg pro Tag) oder Ursodeoxycholsäure (1 g pro Tag) für drei Wochen. Mit keiner Therapie kam es dabei zu einer nennenswerten Änderung der Gallensäure-Werte im Serum. Mit Placebo oder Dexamethason blieb auch der Wert für Pregnandiol-Disulfid, einem Progesteron-Metaboliten, weitgehend konstant.

Mit Ursodeoxycholsäure ließ sich jedoch die Konzentration des Progesteron-Metaboliten nach einer Woche um 33 Prozent, nach zwei Wochen um 44 Prozent und nach drei Wochen um 53 Prozent reduzieren, sagte Marschall. Der Juckreiz schien dabei mit dem Serumwert von Pregnandiol-Disulfid zu korrelieren: Nach drei Wochen Therapie war der Pruritus, gemessen mit einer visuellen Analogskala (maximal 100 Punkte bei schwerstem Juckreiz), von knapp 80 Punkten auf unter 25 Punkte gefallen.

Ursodeoxycholsäure kann offenbar ein Protein aktivieren, daß Gallensäure aus Leberzellen in die Gallengänge pumpt. Über diese Pumpe werden möglicherweise auch vermehrt Progesteron-Metaboliten ausgeschieden. Dies, so Marschall, wäre eine plausible Erklärung für den beobachteten Effekt.

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Akne-Therapie in der Schwangerschaft

Studie: Kein relevantes Fehlbildungsrisiko unter topischen Retinoiden

Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Was zur Prophylaxe wirklich nützt

© bymuratdeniz / Getty Images / iStock

Rezidivierende Harnwegsinfekte

Was zur Prophylaxe wirklich nützt

Kooperation | In Kooperation mit: Dermapharm AG
Fast jede Frau macht die Erfahrung einer Blasenentzündung. Häufigster Erreger ist E. coli.

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

Prophylaxe von Harnwegsinfekten

Langzeit-Antibiose nicht mehr First Line

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Dermapharm AG
Plädoyer für die Immunprophylaxe bei Harnwegsinfekten

Experten-Workshop

Plädoyer für die Immunprophylaxe bei Harnwegsinfekten

Kooperation | In Kooperation mit: Dermapharm AG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

ADHS im Erwachsenenalter

Wechseljahre und ADHS: Einfluss hormoneller Veränderungen auf Symptomatik und Diagnose

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG, Iserlohn
Den Herausforderungen mit Hopfenextrakt begegnen

© Pixelrohkost / stock.adobe.com

Arztinformation – Hilfe für Patientinnen in den Wechseljahren

Den Herausforderungen mit Hopfenextrakt begegnen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Procter & Gamble Health Germany GmbH, Schwalbach am Taunus
Abb. 1: Wichtige Signalwege und Angriffspunkte für eine zielgerichtete Therapie beim Mammakarzinom

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [3]

Molekularpathologische Diagnostik

Welche Tests sind wichtig beim Mammakarzinom?

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung

Was tun, wenn Unterzucker nicht bemerkt wird?

Lesetipps
Eine Figur steht in einem Irrgarten.

© imaginando / stock.adobe.com

Kasuistik

Patient mit juckendem Ausschlag: Irrwege bis zur richtigen Diagnose

Nur noch Kerzen erleuchten die Fenster eines Wohnhauses in Berlin. Nach dem Brand einer Kabelbrücke sind im Südwesten tausende Haushalte und Betriebe ohne Strom.

© Carsten Koall/dpa

Update

Praxen im Südwesten betroffen

Wieder Stromausfall in Berlin: Kollege Sommer berichtet von seinen Erfahrungen