Hintergrund

Therapienetz gegen Essstörungen

Die Zahl der Menschen, die an Essstörungen leiden, steigt stetig. Betroffen sind nicht mehr nur Mädchen, sondern auch ältere Frauen und Männer. Ein integriertes Versorgungsangebot will maßgeschneiderte Therapien anbieten.

Von Jürgen Stoschek Veröffentlicht:
Bulimie: Nach dem Essen ist vor dem Klo.

Bulimie: Nach dem Essen ist vor dem Klo.

© imagebroker / imago

Patienten mit Essstörungen stellen für niedergelassene Ärzte eine Herausforderung dar. In München bietet jetzt ein integriertes Versorgungsmodell seine Dienste auch überregional an.

Je nach Krankheitsbild und Alter der Patienten sind unterschiedliche Kostenträger zuständig und auch die Vermittlung von Therapieplätzen gestaltet sich zuweilen schwierig, so die Erfahrung von Franz Wimmer, geschäftsführender Vorstand des Therapienetz Essstörung.

Das Therapienetz, das seinen Sitz im Zentrum Münchens am Stachus hat, wolle den Betroffenen bei der Entscheidung für eine Therapie individuelle Unterstützung anbieten und das Selbstmanagement der Patienten fördern, erläutert Wimmer.

Für jeden Betroffenen werde deshalb ein individueller Behandlungsvorschlag mit aufeinander abgestimmten Therapiebausteinen durch Fachärzte und ein multiprofessionelles Team, dem Kinder- und Jugendlichenpsychiater, Sozialpädagogen und Diätassistenten angehören, aufgestellt.

Wohngruppe am Stachus

Durch Verträge mit mehreren Kliniken sei außerdem sichergestellt, dass falls erforderlich innerhalb von drei Wochen eine stationäre Behandlung begonnen werden kann.

Für Patienten, bei denen kein Klinikaufenthalt notwendig ist, die aber nicht in ihrer häuslichen Umgebung bleiben wollen oder können, bietet das Therapienetz in seinen Räumen am Stachus eine Wohngruppe mit therapeutischer Begleitung und pädagogischen Inhalten.

"Die Jugendlichen können dort wohnen und zur Schule gehen, müssen ihre Ausbildung also nicht wegen der Therapie unterbrechen", erläutert Wimmer.

Das Therapienetz sei an der Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten sehr interessiert. "Jeder Hausarzt, jeder Pädiater kann uns anrufen und uns Patienten schicken. Es ist keine Überweisung erforderlich", erläutert Wimmer.

"Wir nehmen dem Arzt die Arbeit ab, er muss sich nicht um die Einweisung oder Kostenübernahmen kümmern". Das Casemanagement werde von den Kassen bezahlt. Mit der AOK Bayern, den meisten Betriebskrankenkassen in Bayern und der Techniker Krankenkasse bestehen bereits Verträge.

Weitere Kassen bald an Bord

Ab Januar kommen mehrere große Ersatzkassen dazu, berichtet Wimmer. Diese Form der integrierten Versorgung sei deutschlandweit einzigartig.

Betroffen von Essstörungen seien vorrangig immer noch Mädchen und junge Frauen, aber auch Männer leiden zunehmend unter Essstörungen, berichtet Wimmer. Die Ursachen seien vielfältig: geringes Selbstwertgefühl, Identitätsprobleme, Perfektionismus, familiäre Probleme und auch das gesellschaftliche Schönheitsideal gehöre dazu.

Immer häufiger kommen aber auch Frauen im mittleren Alter, die sich in einer Lebenskrise befinden, mit Essstörungen in die Beratung, berichtet Geschäftsführer Peter Lommer.

Verhaltensmuster, die in jungen Jahren überwunden wurden, kämen bei diesen Patienten wieder zum Vorschein. "Unsere älteste Patientin ist 69", sagt Lommer.

Es gebe sehr viele verschiedene Formen von Essstörungen und nicht alle lassen sich in den klassischen Krankheitsbildern Anorexie, Bulimie und Esssucht wieder finden, erläutert Wimmer.

Moderner Dienstleister

Zudem treten Essstörungen häufig nicht alleine auf, sondern in Kombination mit anderen psychischen Erkrankungen. Betroffene haben deshalb häufig schon mehrere und längere Klinikaufenthalte hinter sich. Was davor und danach geschieht, sei häufig nicht aufeinander abgestimmt, berichtet Wimmer.

Vor diesem Hintergrund wurde vor fünf Jahren bei einer Fachtagung, an der Psychotherapeuten, niedergelassene Ärzte, Fachkliniken, Erziehungsberatungsstellen und andere Experten teilgenommen hatten, die Idee einer integrierten Versorgung für Patienten mit Essstörungen geboren, berichtet Wimmer.

Das Therapienetz Essstörung, das daraufhin entstand, habe die Aufgabe, zu beraten, zu vermitteln und zu begleiten.

"Wir verstehen uns als ein modernes Dienstleistungsunternehmen, das innovative und differenzierte Beratungs- und Therapiekonzepte mit einem multifaktoriellen Ansatz anbietet", sagt Wimmer.

www.therapienetz-essstoerung.de

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Johanniskraut: Eine vorteilhafte Option bei einer Depression

© Tania Soares | EyeEm

Corona und Depression

Johanniskraut: Eine vorteilhafte Option bei einer Depression

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Johanniskraut kann mehr als bisher angenommen

© koto-feja, LordRunar | iStock

So wirkt Johanniskraut

Johanniskraut kann mehr als bisher angenommen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Faktencheck: Johanniskrautextrakt vs. Citalopram

© ChristianChan | iStock

Depressionen behandeln

Faktencheck: Johanniskrautextrakt vs. Citalopram

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Geplante Einführung des E-Rezept sorgt für Ärger.

© Mohssen Assanimoghaddam / dpa

„Vollkatastrophe“

Hausärzte regen sich über E-Rezept auf

Dr. Florian Fuhrmann, Geschäftsführer der KBV-Tochter kv.digital, glaubt, dass Ärzte auch nach dem 30. Juni noch das Ersatzverfahren nutzen können.

© Porträt: UWE RAU/kv.digital | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag“-Podcast

Gibt es einen harten Schnitt für die eAU im Juli, Dr. Fuhrmann?