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Therapiewunsch von Krebspatienten ist nicht immer endgültig

Bei einer spontanen Ablehnung einer Chemotherapie durch Krebskranke sollten Ärzte nochmal nachhaken.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:

BERLIN. Für den Beginn einer Chemotherapie ist der Patientenwunsch das entscheidende Kriterium. Nur: Was der Patient wünscht, hängt auch davon ab, wer fragt.

Vor allem bei palliativen Therapien sei die Frage nach dem Patientenwunsch ganz zentral, betonte Privatdozent Wolfgang Schütte vom Krankenhaus Martha-Maria in Halle-Dölau. "Beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom zum Beispiel bieten wir Zweit- und Drittlinientherapien an und erläutern, warum das aus unserer Sicht vorteilhaft ist. Am Ende entscheidet aber der Patient, ob er die Therapie möchte."

Schütte warnte allerdings davor, eine spontane Ablehnung einer Chemotherapie nicht zu hinterfragen. Er berichtete von einem NSCLC-Patienten, der seinem Hausarzt gesagt hatte, er wolle keine Zweittherapie, dem Onkologen aber das Gegenteil. Die Ärzte machten einen gemeinsamen Termin mit dem Patienten aus. Und es stellte sich heraus, dass die Therapie eindeutig gewünscht wurde.

"Wenn die Patienten mit dem Hausarzt oder auch mit Angehörigen reden, dann sagen sie eher nein, weil sie wissen, dass das keine Konsequenzen hat", so Schütte. Im Gespräch mit dem Onkologen sei die Situation anders: Die Patienten wissen, dass sie die Therapie nicht bekommen, wenn sie "nein" sagen und überlegen daher genauer.

Schütte betonte, dass die Zweittherapie speziell beim NSCLC nicht nur positiven Einfluss auf die Lebenszeit hat, sondern auch die Lebenssituation verbessere. "Patienten, die mit dem Therapiestandard Docetaxel in der Zweittherapie behandelt werden, nehmen weniger Schmerz stillende Opiate ein als Patienten mit Best Supportive Care (BSC)." Der Unterschied ist hoch signifikant: In der TAX 317B-Studie wurde bei 35 Prozent der Patienten in der BSC-Gruppe im Studienverlauf neu mit einem Opioid begonnen. Bei Therapie mit Docetaxel (Taxotere®) waren es nur fünf Prozent.

Die Patienten nehmen auch weniger an Gewicht ab. In derselben Studie verlor ein Viertel der Patienten in der BSC-Gruppe mehr als 10 Prozent Gewicht, im Vergleich zu nur 2 Prozent in der Gruppe mit Docetaxel-Therapie in der Zweittherapie. "Standard sollte heute die wöchentliche Applikation von Docetaxel sein, weil das gegenüber der Applikation alle drei Wochen die Verträglichkeit verbessert", so Schütte bei einem von Sanofi-Aventis unterstützten Symposium zu zehn Jahre Docetaxel.

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