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Thromboserisiko mit neuem Score abschätzbar

Einer Studie zufolge sind nicht alle Krebspatienten gleichermaßen thrombosegefährdet. Ein neues Scoring-System identifiziert Hochrisikopatienten.

Von Katharina Arnheim Veröffentlicht:
Illustration eines Blutgerinnsels.

Illustration eines Blutgerinnsels.

© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

ORLANDO. Krebspatienten haben ein fünffach so hohes Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) wie Patienten ohne Tumoren und eine doppelt so hohe Rezidivrate. Daran hat Dr. Martha L. Louzada von der Universität von Western Ontario in Ottawa auf der ASH-Jahrestagung in Orlando erinnert.

Leitliniengemäß erhalten erstere nach einer VTE-Episode eine mindestens sechsmonatige Prophylaxe mit einem niedermolekularen Heparin (NMH), da NMH bei diesen Patienten den Vitamin-K-Antagonisten (VKA) gegenüber als überlegen eingestuft werden.

Eine retrospektive Kohortenstudie bei 543 Tumorpatienten mit VTE hat diese Annahme jetzt aber nicht bestätigen können. Bei 10,1 Prozent der Patienten traten innerhalb von sechs Monaten Rezidive auf.

Unter NMH- und VKA-Prophylaxe war die Rate mit 10,5 Prozent und 9,5 Prozent sehr ähnlich. Zudem ergab eine Multivarianzanalyse, dass das Rezidivrisiko je nach Geschlecht, primärer Tumorlokalisation, Stadium und VTE-Anamnese unterschiedlich war.

"Besonders stark rezidivgefährdet sind Frauen, Lungenkrebspatienten und Patienten mit VTE in der Vorgeschichte", informierte Louzada. Patienten mit Brustkrebs und Tumoren im Stadium I hatten dagegen ein niedriges Thromboserisiko.

Auf Basis ihrer Daten entwickelte die Arbeitsgruppe um Louzada einen klinischen 6-Punkte-Score zur Vorhersage des Rezidivrisiko.

Patienten mit einem Score von -3 bis 0 hatten ein niedriges Risiko von nur 4,5 Prozent und stellten knapp die Hälfte der untersuchten Kohorte. Dagegen besaßen Patienten mit einem Score von 1 und mehr mit über 19 Prozent ein sehr hohes Risiko für VTE-Rezidive.

Der neue Score konnte bereits in einer größeren Nachfolgestudie mit mehr als 800 Patienten validiert werden. "Die Entwicklung des Scores ist ein erster Schritt, um die Antikoagulation in diesem heterogenen Patienten-Kollektiv besser auf das individuelle Risiko zuzuschneiden", resümierte Louzada.

Jetzt ist eine prospektive Multicenterstudie geplant, in der unterschiedliche Therapiestrategien je nach Risiko der Patienten geprüft werden sollen.

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