Meningoenzephalitis

Tote durch Infektion mit Amöben

Bereits drei Tote durch eine Infektion mit der Amöbe Naegleria fowleri wurden 2019 in Indien und Pakistan registriert.

Von Dr. Sandra Witteck Professor Tomas Jelinek Veröffentlicht: 12.06.2019, 18:02 Uhr

DÜSSELDORF. Im Bundesstaat Kerala im Süden Indiens ist im Mai ein 10-jähriges Mädchen an einer primären Amöben-Meningoenzephalitis (PAM) gestorben. In Pakistan wurden in diesem Jahr bereits drei derartige Infektionen registriert, zwei davon verliefen tödlich.

Der Erreger dieser seltenen, aber meist tödlich verlaufenden Erkrankung ist die frei lebende Amöbe Naegleria fowleri. Sie ist in warmem Süßwasser (i.A. über 30°C) besonders in den Tropen und Subtropen zu finden, etwa in Flüssen oder Seen, zudem in feuchten Böden. Aber auch in kälteren Klimazonen kann sie in künstlich erwärmtem, ungechlortem Süßwasser vorkommen, zum Beispiel in Swimmingpools.

Eine Infektion erfolgt über die Aufnahme von Amöben-haltigem Wasser durch die Nase, woraufhin die Amöben entlang des Riechnervs ins Gehirn gelangen. Das Verschlucken von kontaminiertem Wasser ist ungefährlich.

Die Inkubationszeit einer PAM beträgt im Durchschnitt 3 bis 7 Tage, dann treten plötzlich Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auf. Es entwickelt sich eine Meningoenzephalitis einhergehend mit Nackensteifigkeit, Krampfanfällen und Wahrnehmungsstörungen. Die Krankheit schreitet rasch voran und führt meist innerhalb einer Woche zum Tod. Es sind vorwiegend Kinder und junge Erwachsene betroffen.

Eine bewährte Therapie ist nicht etabliert und es sind nur wenige Fälle einer erfolgreichen Behandlung bekannt.

Laut Robert Koch-Institut kommen folgende Therapieoptionen infrage:

  • eine hoch dosierte systemische und intrathekale Gabe von Amphotericin B,
  • Kombinationen mit Miconazol, Rifampicin und Miltefosin (p.o.),
  • Kombinationen mit Dexamethason, Fluconazol und Chloramphenicol (systemisch und intrathekal). Vorbeugend sollte auf das Baden und Tauchen in warmem, ungechlortem Süßwasser verzichtet werden.

Die Autoren arbeiten für das CRM Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf.

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Kommentare
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Chloramphenicol intrathekal zu geben ist sinnlos: Chloramphenihttps://intranet.kgu.de/presse-recht/synapse-mitarbeiter-newsletter.htmlcol ist erst nach Leberpassage wirksam. Ausserdem passiert Chloramphenicol bzw, sein Metabolit so gut die Blut-Hirn-Schranke, daß auch von daher eine intrathekale Gabe keinen Sinn macht. Gleiches gilt für Dexamethason. Mit Amphothericin B intrathekal hatten wir bei neonataler Candida-Meningitis gute Ergebnisse.
Prof. Dr.med. Volker von Loewenich, Frankfurt a.M.


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