Meningoenzephalitis

Tote durch Infektion mit Amöben

Bereits drei Tote durch eine Infektion mit der Amöbe Naegleria fowleri wurden 2019 in Indien und Pakistan registriert.

Von Dr. Sandra Witteck Professor Tomas Jelinek Veröffentlicht:

DÜSSELDORF. Im Bundesstaat Kerala im Süden Indiens ist im Mai ein 10-jähriges Mädchen an einer primären Amöben-Meningoenzephalitis (PAM) gestorben. In Pakistan wurden in diesem Jahr bereits drei derartige Infektionen registriert, zwei davon verliefen tödlich.

Der Erreger dieser seltenen, aber meist tödlich verlaufenden Erkrankung ist die frei lebende Amöbe Naegleria fowleri. Sie ist in warmem Süßwasser (i.A. über 30°C) besonders in den Tropen und Subtropen zu finden, etwa in Flüssen oder Seen, zudem in feuchten Böden. Aber auch in kälteren Klimazonen kann sie in künstlich erwärmtem, ungechlortem Süßwasser vorkommen, zum Beispiel in Swimmingpools.

Eine Infektion erfolgt über die Aufnahme von Amöben-haltigem Wasser durch die Nase, woraufhin die Amöben entlang des Riechnervs ins Gehirn gelangen. Das Verschlucken von kontaminiertem Wasser ist ungefährlich.

Die Inkubationszeit einer PAM beträgt im Durchschnitt 3 bis 7 Tage, dann treten plötzlich Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auf. Es entwickelt sich eine Meningoenzephalitis einhergehend mit Nackensteifigkeit, Krampfanfällen und Wahrnehmungsstörungen. Die Krankheit schreitet rasch voran und führt meist innerhalb einer Woche zum Tod. Es sind vorwiegend Kinder und junge Erwachsene betroffen.

Eine bewährte Therapie ist nicht etabliert und es sind nur wenige Fälle einer erfolgreichen Behandlung bekannt.

Laut Robert Koch-Institut kommen folgende Therapieoptionen infrage:

  • eine hoch dosierte systemische und intrathekale Gabe von Amphotericin B,
  • Kombinationen mit Miconazol, Rifampicin und Miltefosin (p.o.),
  • Kombinationen mit Dexamethason, Fluconazol und Chloramphenicol (systemisch und intrathekal). Vorbeugend sollte auf das Baden und Tauchen in warmem, ungechlortem Süßwasser verzichtet werden.

Die Autoren arbeiten für das CRM Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf.

Mehr zum Thema

Zum Welttuberkulosetag

Neue S3-Leitlinie: Mehr Struktur fürs Tuberkulose-Screening

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Prof. Dr. Volker Loewenich 13.06.201917:54 Uhr

Amoeben-Meningitis

Chloramphenicol intrathekal zu geben ist sinnlos: Chloramphenihttps://intranet.kgu.de/presse-recht/synapse-mitarbeiter-newsletter.htmlcol ist erst nach Leberpassage wirksam. Ausserdem passiert Chloramphenicol bzw, sein Metabolit so gut die Blut-Hirn-Schranke, daß auch von daher eine intrathekale Gabe keinen Sinn macht. Gleiches gilt für Dexamethason. Mit Amphothericin B intrathekal hatten wir bei neonataler Candida-Meningitis gute Ergebnisse.
Prof. Dr.med. Volker von Loewenich, Frankfurt a.M.

* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.

Chronisch kranke Kinder

Mangelernährung frühzeitig erkennen und konsequent angehen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Danone Deutschland GmbH, Frankfurt/Main
Abb. 1: Pharmakokinetik von Rezafungin bei einer Dosierung von 400mg, gefolgt von 200mg einmal wöchentlich

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [10]

Invasive Candida-Infektionen

Modernes Echinocandin – optimierte Eigenschaften und klinische Vorteile

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
5 Blutproben in Röhrchen

© Pixel-Shot / Stock.adobe.com

Chronische Erkrankungen

Diese fünf Biomarker weisen auf Multimorbidität hin