Tropische Krankheiten bald auch in Europa?

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WIESBADEN (ner). Kommen wegen des Klimawandels Tropenkrankheiten auch nach Deutschland? Sie sind längst schon da, sagte der Mikrobiologe Dr. Werner Bär aus Cottbus beim Internisten-Kongress in Wiesbaden.

Eigentlich sei der Begriff "tropische Krankheiten" nicht korrekt, erläuterte Bär. Denn Tropenkrankheiten wie die Malaria sind in Deutschland schon früher endemisch vorgekommen, etwa nach dem ersten Weltkrieg oder in den 1940er Jahren am Tegeler See oder in Hamburg. Es gibt Berichte über Leishmaniosen in Bayern, Südtirol oder in Südfrankreich bei Menschen, die nie in Endemiegebieten waren. In New York traten gehäuft Fälle von West-Nil-Fieber auf.

Wegen des Klimawandels müsse vermehrt mit solchen Infektionen in Deutschland gerechnet werden. So hat die weltweite Verbreitung des Dengue-Fieber-Erregers (Flaviviren) die der Malaria so gut wie eingeholt, begünstigt durch Klimawandel und Faktoren wie den Handel mit Autoreifen. Darin bilden sich bei Regen Pfützen - bei großer Hitze ideale Brutbedingungen für die Erreger.

Keime werden nicht nur durch touristische und berufliche Reisen eingeschleppt. Unter bestimmten Bedingungen können sie auch in unseren Breiten übertragen werden, etwa über heimische Anopheles-Mücken. Wenn die Temperaturen steigen, können sich die Mücken auch hier vermehren und stechen, so dass möglicherweise viele Menschen erkranken. Als Überträger für tropische Erreger kommen außerdem Zecken infrage. Deren Lebensbedingungen haben sich durch das veränderte Klima hierzulande ebenfalls deutlich verbessert.

Eine Verbreitung tropischer Krankheiten in Deutschland wird weiterhin durch eine hohe Empfindlichkeit für die Erreger begünstigt, wie eine nicht vorhandene Immunität etwa gegen Malaria. Fördernd wirken zudem Bedingungen wie hohe Temperaturen und Niederschlagsmengen. Denn Hitzeperioden können die Inkubationszeit der Erreger deutlich verkürzen. Hinzu kommt die oft nachlässige Prophylaxe bei Reisen ins Ausland, wodurch immer wieder Krankheiten eingeschleppt werden. Auch Kriege, Flüchtlingsströme, Lager mit schlechter Hygiene und schlechter medizinischer Versorgung können die Verbreitung in Europa begünstigen.

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