Direkt zum Inhaltsbereich

Schottische Analyse

Typ-1-Diabetiker leben länger

Menschen mit einem Typ-1-Diabetes leben heute länger als noch vor einigen Jahren. Möglich machen es Fortschritte im Management der Erkrankung. Doch es gibt noch viel Raum für Verbesserungen.

Von Veronika Schlimpert Veröffentlicht:
Rüstig und aktiv bis ins hohe Alter trotz Typ-1-Diabetes: Vor 20 Jahren war dies nur bei wenigen Patienten der Fall.

Rüstig und aktiv bis ins hohe Alter trotz Typ-1-Diabetes: Vor 20 Jahren war dies nur bei wenigen Patienten der Fall.

© stefanolunardi/shutterstock

BARCELONA. Die Lebenserwartung für Typ-1-Diabetiker ist besser als bisher angenommen. Doch noch immer ist sie geringer als die der Normalbevölkerung. Dieser Unterschied soll und kann aber noch viel geringer werden, forderte Professor Helen Colhoun von der University of Dundee bei der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Barcelona.

Bisher existieren allerdings kaum aktuelle Daten zur Lebenserwartung von Typ-1-Diabetikern. Auf Basis früherer Studien ging man davon aus, dass Typ-1-Diabetiker im Schnitt etwa 20 Jahre kürzer leben als die Normalbevölkerung.

Um diese Annahme zu überprüfen, analysierte die Diabetologin die Daten eines schottischen Diabetes-Registers, in dem fast alle schottischen Typ-1-Diabetiker (99 Prozent) registriert sind.

Die Forscher fokussierten dabei auf die Daten all jener Typ-1-Diabetiker, die im Zeitraum von 2008 bis 2010 mindestens 20 Jahre oder älter waren.

In diesem Zeitraum wurden 24.971 Typ-1-Diabetiker identifiziert, es traten 1079 Todesfälle auf. Die Lebenserwartung wurde geschätzt und mit der der übrigen schottischen Bevölkerung verglichen.

Typ-1-Diabetiker verlieren immer noch 11 bis 14 Jahre

Dabei kam heraus, dass 20- bis 24-jährige Männer oder Frauen mit Typ-1-Diabetes heute im Mittel mit 45,4 oder 46,6 weiteren Lebensjahren rechnen können, 56,5 oder 60,9 verbleibende Lebensjahre sind es bei der übrigen Bevölkerung. Ein Unterschied von 11,1 bzw. 14,3 Jahren also zu Ungunsten der Typ-1-Diabetiker.

Die guten Nachrichten für Typ-1-Diabetiker: Die Lebenserwartung hat sich offenbar im Vergleich zu früher verbessert. Sie ist aber andererseits noch immer deutlich schlechter als in der Normalbevölkerung.

"Diese Daten machen durchaus Hoffnung", sagte Colhoun. Die Prognose-Verbesserung führt sie auf Fortschritte im Diabetesmanagement in den letzten 20 bis 40 Jahren zurück. Eine verbesserte Blutzuckereinstellung hat dabei eine hohe Priorität.

"Unser Ziel muss es aber sein, Typ-1-Diabetiker so zu behandeln, dass sie eine normale Lebenserwartung haben", bekräftigte Colhoun. Bei gut einem Drittel dieser Patienten sei die glykämische Kontrolle mangelhaft.

Etwa 5 Prozent aller Todesfälle gehen bei den Typ-1-Diabetikern noch immer auf das Konto akuter Stoffwechselkomplikationen. Für Colhoun ist eine bessere Blutzuckerkontrolle damit das erste, was es anzupacken gilt.

Außerdem sollte die psychologische Unterstützung nicht außer Acht gelassen, mehr Insulinpumpen genutzt, kardiovaskuläre Risikofaktoren gesenkt und die Rate an Rauchern unter den Diabetikern reduziert werden.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Prävalenz-Vergleich der Kreise

Auffällig hoher Anteil an multimorbiden Menschen in Ostdeutschland

Diabetes mellitus

Zusatznutzten für Teplizumab nicht quantifizierbar

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Therapie je nach Risiko

Akute Lungenembolie: Was die optimale Therapie ausmacht

Prävalenz-Vergleich der Kreise

Auffällig hoher Anteil an multimorbiden Menschen in Ostdeutschland

Lesetipps
Akte im Hängeregister mit der Aufschrift Gewerbesteuer.

© Torsten Sukrow / SULUPRESS.DE / picture alliance

Freiberuflichkeit

Viele Angestellte machen aus einer Arztpraxis noch lange kein Gewerbe