Patientenschulung

UMG-Mediziner erhalten Dr. Lothar Beyer-Preis

Um Patienten sicherer im Umgang mit Blutgerinnungshemmern zu machen, sollte man sie in der Einnahme ihrer Medikamente besser schulen. Dazu hat eine Arbeitsgruppe an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ein Konzept entwickelt, für das sie mit dem Dr. Lothar Beyer-Preis 2013, ausgezeichnet wurden.

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GÖTTINGEN. Eine Arbeitsgruppe aus Klinischen Pharmakologen und Allgemeinmedizinern an der UMG hat ein Konzept entwickelt, mit dem sich das Wissen der Patienten um die Einnahme ihrer Medikamente langfristig verbessern lässt und sie so vor Komplikationen mit ihren Grunderkrankungen schützen kann.

In Hausarztpraxen wurden die Patienten durch eine medizinische Fachangestellte, unterstützt durch ein Video und eine Broschüre, genau über die Einnahme von Blutgerinnungshemmern informiert, teilt die Universitätsmedizin Göttingen mit.

Für die Studie wurde die Arbeitsgruppe mit dem deutschen Forschungspreis der Allgemeinmedizin, dem Dr. Lothar Beyer-Preis 2013, ausgezeichnet. Der Forschungspreis wurde den Wissenschaftlern auf dem 47. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) verliehen. Er ist mit 7.500 Euro dotiert.

Um "blutverdünnende" Medikamente richtig zu dosieren, spielen die Ernährung, die Lebensgewohnheiten oder die Einnahme zusätzlicher Arzneimittel eine wichtige Rolle. Nehmen die Patienten eine zu hohe Dosis ihres Medikaments, kommt es zu starken Blutungen.

Bei einer zu niedrigen Menge des Blutgerinnungshemmers treten Probleme mit den Grunderkrankungen wie Thrombosen auf oder es kommt zum Schlaganfall. Oft fehlt es den Patienten am nötigen Wissen im Umgang mit Blutgerinnungshemmern.

Die Studie "Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit und Patientenkompetenz bei antikoagulierten Patienten in der Hausarztpraxis" hat genau dort angesetzt.

Wissen wurde mit einem Fragebogen erfasst

Sie ist in Zusammenarbeit von Priv.-Doz. Stefan Viktor Vormfelde aus dem Institut für Klinische Pharmakologie und Professor Jean-François Chenot, Leiter der Abteilung Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Greifswald, entstanden.

Die langfristige medizinische Betreuung der meisten Patienten, die "blutverdünnende" Mittel nehmen, findet in der Hausarztpraxis statt. Deshalb kam die Studie in 22 hausärztlichen Praxen aus dem Raum Südniedersachsen und Nordhessen zum Einsatz.

Es wurden insgesamt 367 Patienten mit oraler Antikoagulation untersucht. Es gab zwei Patientengruppen in der Studie. Die eine Gruppe erhielt durch eine medizinische Fachangestellte und mit Hilfe eines Videos, einer Broschüre und eines Abschlusstests eine persönliche Schulung zu sicherheitsrelevanten Aspekten bei der Einnahme von Blutgerinnungshemmern.

Die andere Gruppe bekam nur die Broschüre. Das sicherheitsrelevante Wissen wurde mit einem Fragebogen zu Beginn und zum Ende der Studie nach sechs Monaten erfasst.

Zusätzlich wurde die Zeit im therapeutischen INR-Bereich sechs Monate vor und nach der Studie sowie mögliche auftretende Komplikationen registriert. Der INR (International Normalized Ratio)-Wert gibt Aufschluss darüber, wie schnell das Blut im Körper gerinnt.

"Wir konnten mit unserer Studie zeigen, dass sich das Wissen der Patienten erheblich gebessert hat. Wichtiger noch, das Wissen war nicht nutzlos. Die Patienten blieben häufiger im angestrebten Bereich der Blutverdünnung", wird Vormfelde in der Mitteilung zitiert.

Vormfelde: "Das bedeutet, dass sich die Gefahr für Blutungen sowie für Thrombosen oder Schlaganfälle verringert hat. Im persönlichen Gespräch und mit Hilfe des Videos verstehen die Patienten die Zusammenhänge zwischen Einnahme und Wirkung viel besser. Dieses Wissen macht die Patienten sicherer im Umgang mit Blutgerinnungshemmern und die Behandlung gleichzeitig effektiver." (eb)

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