Direkt zum Inhaltsbereich

US-Empfehlung: Prostatakrebsvorsorge mit PSA-Test - auf individueller Basis

US-Urologen plädieren für ein PSA-Screening ab 40 Jahren. Ein neuer Algorithmus enthält keinen PSA-Schwellenwert mehr für eine Biopsie.

Von Roland Fath Veröffentlicht:
Schema eines Teils des Urogenitaltrakts des Mannes.

Schema eines Teils des Urogenitaltrakts des Mannes.

© Foto: S.Kaulitzkiwww.fotolia.de

Die amerikanische urologische Fachgesellschaft (AUA) hat jetzt auf ihrer Jahrestagung ein klares Votum für regelmäßige PSA-Tests nach individueller Entscheidung gegeben: "Bereits ab dem 40. Lebensjahr sollte Männern nach vorheriger Aufklärung über die Vor- und Nachteile Messungen des Prostata-spezifischen Antigens angeboten werden."

Der neue Algorithmus der AUA zum PSA-Screening, der im Internet abgerufen werden kann, ist viel komplexer als der bisherige aus dem Jahr 2000, sagte Dr. Peter Carroll von der University of California bei einer Veranstaltung während der AUA-Jahrestagung in Chicago. Es werden Informationen zum Nutzen des PSA-Tests für die Diagnose von Prostata-Ca wie auch für das präoperative Staging und das Überwachen der Patienten nach der Behandlung gegeben.

"Liegt der PSA-Level eines 40-Jährigen oberhalb des Medians, ist dies ein deutlicher Hinweis für ein erhöhtes Prostata-Ca-Risiko", heißt es in dem AUA-Statement. Messungen des PSA-Wertes ermöglichten nicht nur die frühere Diagnose von Prostatakarzinomen in dann noch heilbaren Stadien, sondern auch effizientere Vorsorgemaßnahmen mit verlängerten Zeitintervallen. Betont wird, dass Männern, die eine Prostatakrebsvorsorge wünschen, sowohl PSA-Tests als auch digital-rektale Untersuchungen erhalten sollten. Es sollte aber stets eine individuelle Entscheidung sein, die Patienten - egal wie alt - in Absprache mit ihrem Hausarzt und ihrem Urologen treffen sollten.

Anders als bisher wird in dem neuen Algorithmus kein PSA-Schwellenwert festgelegt, ab dem eine Biopsie erfolgen sollte. Die Entscheidung soll von zusätzlichen Faktoren wie den Spiegeln von freiem und Gesamt-PSA, der PSA-Dichte und der PSA-Zunahme im zeitlichen Verlauf abhängig gemacht werden. Berücksichtigt werden außerdem das Alter, die Familienanamnese, die ethnische Zugehörigkeit - Afroamerikaner etwa haben ein deutlich erhöhtes Prostatakrebsrisiko -, das Ergebnis früherer Biopsien und Komorbiditäten.

Freies PSA, Gesamt-PSA und PSA-Dichte werden berücksichtigt.

Nicht alle Patienten, bei denen Prostatakrebs festgestellt wird, brauchen eine Therapie und nicht alle Karzinome sind lebensbedrohlich, betont die AUA. Mit den Betroffenen sollte gegebenenfalls besprochen werden, wann mit einer Therapie begonnen wird.

Bei symptomfreien Männern mit lokalem Prostatakarzinom kann nach Empfehlung der AUA auf routinemäßige Knochenscans verzichtet werden, wenn die PSA-Spiegel unter 20 ng/ml liegen. Eine Lymphknotendissektion ist bei Patienten mit klinisch lokalisiertem Prostatakarzinom unnötig, wenn der PSA-Spiegel unter 10 ng/ml liegt und der Gleason-Score höchstens 6 beträgt. Die Serum-PSA-Spiegel sind ein guter Indikator für das Ansprechen der Patienten auf eine lokale Therapie. Regelmäßige Messungen sind erforderlich, um frühzeitig Rezidive zu diagnostizieren. Für das neue Konsensuspapier der AUA wurden sowohl Literaturdaten als auch Expertenmeinungen berücksichtigt.

www.auanet.org

Lesen Sie dazu auch: "Prostatahyperplasie ist eine Volkskrankheit" Europäische Studie spricht für das PSA-Screening

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Aktive Überwachung

Prostatakrebs: Urintest kann Biopsien ersparen

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Abb. 1: Studie MajesTEC-3: progressionsfreies Überlebenc

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neue Therapieoption beim rezidivierten oder refraktären Multiplen Myelom (RRMM)

Teclistamab-Daratumumab erzielt bislang unerreichten PFS-Vorteil bei RRMM ab dem 1. Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Aufklärung zu Risikogruppen essenziell

Netzhautablösung: Warnzeichen rechtzeitig erkennen

Lesetipps
Blick in den Gerichtssaal des VG Gelsenkirchen bei Eröffnung der Verhandlung

© Christoph Reichwein / dpa / picture alliance

Entscheidung steht noch aus

Urteil zur Landarztquote: Mediziner erwägen Gang in nächste Instanz

Dreidimensionale medizinische Illustration des Varicella-Zoster-Virus, einem Virus das Windpocken, Hautblasen, Nesselsucht, Wunden und Gürtelrose verursacht.

© Corona Borealis / stock.adobe.com

Atypische Symptome

Kasuistik: Periphere Fazialisparese mit erstaunlicher Ursache