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Krebstherapie

Unerwünschte Wirkungen vorhersagbar

Mit einer neuen Methode können Nebenwirkungen auf Zellebene erklärt und vorhergesagt werden.

Veröffentlicht:

MÜNCHEN. Eine neue Methode zur Prognose von Nebenwirkungen basiert auf dem charakteristischen Schmelzverhalten von Proteinen.

Um Zielproteine von Medikamenten zu identifizieren, wurden Leukämiezellen auf 40 bis 70 Grad erhitzt, erläutert eine Mitteilung des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung und der Technischen Universität München.

Hinzugefügte Krebsmedikamente binden an die Proteine und verändern sie. Diese Veränderungen schlagen sich auch im Schmelzverhalten nieder, was man messen kann.

Meist binden die Medikamente auch an Proteine, die in gesunden Zellen vorkommen und rufen so Nebenwirkungen hervor.

Mit der Protein-Massenspektrometrie haben Forscher die so erzeugten Veränderungen im Schmelzverhalten der Proteine in lebenden Zellen bestimmt (Science 3. Oktober 2014; 346 (6205): 1255784). Die Effekte eines Medikaments lassen sich so genau erfassen.

In einer Studie haben die Wissenschaftler einige Zytostatika mit dem Verfahren untersucht, darunter Vemurafenib, ein Medikament gegen das maligne Melanom. Es blockiert das Krebsprotein B-Raf, verursacht jedoch oft auch eine schmerzhafte Lichtempfindlichkeit.

Mit der neuen Methode wurde ein unerwartetes Zielprotein dieses Wirkstoffs entdeckt: das Enzym Ferrochelatase zur Herstellung von Häm.

Durch Zugabe von Vemurafenib zu gesunden Zellen wird die Funktion der Ferrochelatase unterbunden, was sich im Schmelzverhalten des Enzyms messen lässt.

Dieser Funktionsverlust ist bereits von der kutanen Porphyrie bekannt, einer genetisch bedingten Stoffwechselstörung, die mit in einer starken und schmerzhaften Lichtempfindlichkeit der Haut einhergeht.

Diese Erkenntnis habe einen direkten klinischen Nutzen, heißt es in der Mitteilung. Ziel der Forscher ist nun, Wirkstoffe herzustellen, die nicht mehr an Ferrochelatase binden. (eb)

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