Laborbefund

Unklare Leukozytose meist harmlos

Wie viel Diagnostik ist bei Leukozytose nötig, um maligne Erkrankungen nicht zu übersehen?

Veröffentlicht:

Nicht selten findet sich im Routinelabor unerwartet eine Leukozytose. "Auch wenn sich in Einzelfällen dahinter eine Leukämie verbergen kann, so ist die Sache doch meist harmlos", so Professor Stephan Schmitz, niedergelassener Hämatologe und Onkologe in Köln, beim DGIM-Kongress in Mannheim. Deshalb müsse im Einzelfall auch in Abhängigkeit von der Anamnese bzw. dem Beschwerdebild darüber entschieden werde, wie viel Diagnostik erforderlich ist.

Typisch ist die leichte Leukozytose bei Rauchern. Dann ist das Differenzialblutbild unauffällig, so dass auch keine weiteren Untersuchungen notwendig sind. Auch eine Therapie mit Glukokortikoiden geht mit einer Leukozytose einher und dies bedarf keiner weiteren Abklärung.

Grundsätzlich müssen bei einer Leukozytose benigne, sprich entzündliche Erkrankungen und maligne Erkrankungen, sprich Leukämien diskutiert werden. Entzündungen können reaktiv, infektiös oder immunologische induziert sein. Bei Verdacht auf einen Entzündungsprozess sollten dann Entzündungsmarker wie CRP bzw. immunologische Parameter wie RF, ANA, ENA bestimmt werden.

Wenn ein junger schwer krank wirkender Patient mit Fieber vorstellig wird und das Labor eine Leukozytose ergibt, wird man zunächst eine akute Leukämie vermuten. "Doch denken Sie in solchen Situationen auch immer an eine EBV-Infektion", so Schmitz.

Die Mononukleose verlaufe nicht selten hochdramatisch mit Fieber, Myalgien, Splenomegalie und Lymphknotenvergrößerungen. Die Gesamtleukozytenzahl ist meist nur gering bis mäßig erhöht und im Differenzialblutbild zeigt sich eine relative Lymphozytose und Monozytose. Das CRP ist ebenfalls nicht oder nur leicht erhöht, die LDH aber obligat. Diagnoseweisend ist der Nachweis von "lymphatischen Reizformen" im Ausstrich. Die Diagnose wird gesichert durch den serologischen Nachweis der Infektion. (sti)

Mehr zum Thema

Zulassung für CAR-T-Zelltherapie erweitert

Mehr Optionen mit Axi-Cel bei follikulärem Lymphom

Das könnte Sie auch interessieren
Probeentnahme für einen Corona-Test: In den USA sind im ersten Jahr der Coronaimpfung knapp 14 Prozent der komplett geimpften Krebskranken an COVID erkrankt, aber nur 5 Prozent der geimpften Patienten ohne Krebs. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Pekic / Getty Images / iStock

Viele Durchbruchsinfektionen

COVID-19 bleibt auch für geimpfte Krebspatienten gefährlich

Notfall Thrombose – initial niedermolekulares Heparin

© LEO Pharma GmbH

DGA 2021

Notfall Thrombose – initial niedermolekulares Heparin

Anzeige | LEO Pharma GmbH
Schwangerschaftsassoziierte Thrombose: Warum NMH?

© LEO Pharma GmbH

DGA 2021

Schwangerschaftsassoziierte Thrombose: Warum NMH?

Anzeige | LEO Pharma GmbH
VTE-Inzidenz bei Krebs in den letzten 20 Jahren verdreifacht

© LEO Pharma GmbH

Publikation

VTE-Inzidenz bei Krebs in den letzten 20 Jahren verdreifacht

Anzeige | LEO Pharma GmbH
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Ein Krankenpfleger schiebt ein Krankenbett durch eine Station. Das Bundesgesundheitsministerium hat Pläne für Ermittlung und Festlegung des Pflegepersonalbedarfs in einem Krankenhaus vorgestellt.

© Daniel Bockwoldt / picture alliance / dpa

Update

Neuer Gesetzentwurf

Personalschlüssel für Klinik-Pflege soll ab 2024 gelten