Laborbefund

Unklare Leukozytose meist harmlos

Wie viel Diagnostik ist bei Leukozytose nötig, um maligne Erkrankungen nicht zu übersehen?

Veröffentlicht: 30.04.2017, 15:28 Uhr

Nicht selten findet sich im Routinelabor unerwartet eine Leukozytose. "Auch wenn sich in Einzelfällen dahinter eine Leukämie verbergen kann, so ist die Sache doch meist harmlos", so Professor Stephan Schmitz, niedergelassener Hämatologe und Onkologe in Köln, beim DGIM-Kongress in Mannheim. Deshalb müsse im Einzelfall auch in Abhängigkeit von der Anamnese bzw. dem Beschwerdebild darüber entschieden werde, wie viel Diagnostik erforderlich ist.

Typisch ist die leichte Leukozytose bei Rauchern. Dann ist das Differenzialblutbild unauffällig, so dass auch keine weiteren Untersuchungen notwendig sind. Auch eine Therapie mit Glukokortikoiden geht mit einer Leukozytose einher und dies bedarf keiner weiteren Abklärung.

Grundsätzlich müssen bei einer Leukozytose benigne, sprich entzündliche Erkrankungen und maligne Erkrankungen, sprich Leukämien diskutiert werden. Entzündungen können reaktiv, infektiös oder immunologische induziert sein. Bei Verdacht auf einen Entzündungsprozess sollten dann Entzündungsmarker wie CRP bzw. immunologische Parameter wie RF, ANA, ENA bestimmt werden.

Wenn ein junger schwer krank wirkender Patient mit Fieber vorstellig wird und das Labor eine Leukozytose ergibt, wird man zunächst eine akute Leukämie vermuten. "Doch denken Sie in solchen Situationen auch immer an eine EBV-Infektion", so Schmitz.

Die Mononukleose verlaufe nicht selten hochdramatisch mit Fieber, Myalgien, Splenomegalie und Lymphknotenvergrößerungen. Die Gesamtleukozytenzahl ist meist nur gering bis mäßig erhöht und im Differenzialblutbild zeigt sich eine relative Lymphozytose und Monozytose. Das CRP ist ebenfalls nicht oder nur leicht erhöht, die LDH aber obligat. Diagnoseweisend ist der Nachweis von "lymphatischen Reizformen" im Ausstrich. Die Diagnose wird gesichert durch den serologischen Nachweis der Infektion. (sti)

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