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Unterernährung kommt bei Älteren schleichend und oft unbemerkt

MÜNCHEN (sto). 50 Prozent der Krankenhaus-Patienten über 70 Jahre sind nach dem Ergebnis einer deutschen Studie mangelernährt. Fehlernährung schwächt jedoch die Abwehrkräfte und erhöht die Infektionsgefahr, so Professor Walter Seiler vom Kantonspital Basel. Zudem sei wegen der geschwächten Muskulatur die Sturzgefahr erhöht.

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Die meisten mangelernährten Patienten sind nicht ausreichend mit Eiweiß, Zink und Eisen versorgt. Viele hätten auch zu wenig Vitamin D und zu wenig Spurenelemente und Mineralstoffe, berichtete Seiler bei einer Diskussionsveranstaltung des Gesundheitsforums der "Süddeutschen Zeitung" in München.

Ursache der Unterernährung sei oft Vereinsamung. "Die Eßportionen werden kleiner, wenn der Partner gestorben ist", berichtete Seiler. Oftmals weichen ältere Menschen auch auf eine nicht aufwendige einfache Ernährung aus, die über kurz oder lang zu Mangelerscheinungen führt. "Und Demente spüren oft keinen Hunger und vergessen ganz einfach zu essen", sagte der Geriater.

Unterernährung tritt nicht schlag-artig wie ein Herzinfarkt auf, sondern kommt schleichend und oft unbemerkt. Angehörige seien deshalb oft sehr erstaunt, wenn sie mit einem solchen Befund konfrontiert würden, sagte Seiler.

Der Basler Geriater empfiehlt, ältere Patienten ganz gezielt nach ihren Eßgewohnheiten und nach dem Appetit zu fragen und bei Unterernährung die Ernährungsparameter bestimmen zu lassen. Werden Defizite erkannt, muß gezielt dagegen vorgegangen werden, etwa durch Ernährungsberatung oder auch mit Nährstoffsupplementen.

Bei mangelernährten Patienten sind die Komplikationsraten nach einer Operation um etwa das dreifache erhöht, berichtete der Münchner Chirurg Professor Karl-Walter Jauch vom Universitätsklinikum Großha-dern. Und: Nach Studienergebnissen haben mangelernährte Patienten im Jahr nach einem Klinikaufenthalt eine wesentlich höhere Sterblichkeit als Normalgewichtige.

Viele ältere Patienten müßten heute durch eine spezielle Ernährung auf eine Operation vorbereitet werden. Energiereiche Getränke mit vielen Kohlenhydraten könnten noch bis zu zwei Stunden vor einer Operation eingenommen werden. Studiendaten zufolge führten sie zu weniger Schmerzen nach dem Eingriff, berichtete Jauch.

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