Plötzlicher Herztod

Ursachenforschung bisher auf dem Holzweg?

Ein plötzlicher Herztod bei jungen Menschen ist ein tragisches Ereignis. Meist, so der aktuelle Stand der Forschung, steckt eine hypertrophe Kardiomyopathie dahinter. Eine aktuelle Analyse zeigt aber, dass man sich geirrt haben könnte.

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Die Ursache für einen plötzlichen Herztod zu finden, bedarf häufig gründlicher Untersuchungen.

Die Ursache für einen plötzlichen Herztod zu finden, bedarf häufig gründlicher Untersuchungen.

© KPphoto / iStock.com

STANFORD. Eine hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) wird als eine der führenden Ursachen für den plötzlichen Herztod bei jungen Menschen angesehen. Doch in Studien weichen die Angaben zur Prävalenz einer HCM als Ursache des plötzlichen Herztodes deutlich voneinander ab.

Darum haben Wissenschaftler der Universität Stanford in einer Metaanalyse die Häufigkeit eines HCMassoziierten plötzlichen Herztodes mit der eines nicht strukturell bedingten Herztodes verglichen und dabei Überraschendes festgestellt: Häufig weisen junge Menschen, die an einem plötzlichen Herztod gestorben sind, keine strukturellen Veränderungen am Herzen auf (The American Journal of Medicine 2016; online 19. Januar).

Insgesamt 34 Studien mit 4600 unter 35-jährigen Personen, die an einem plötzlichen Herztod gestorben waren, haben die Wissenschaftler um Aditya Ullal für diese Analyse herangezogen, darunter 3449 Personen aus der Normalbevölkerung, 508 Sportler, 298 Angehörige des Militärs und eine Kohorte aus 350 Personen, die sowohl aus Sportlern als auch aus Nicht-Sportlern bestand.

HCM seltener als gedacht

Insgesamt waren 10,3 Prozent der Todesfälle auf eine HCM zurückzuführen; in 26,7 Prozent war post mortem keine strukturelle Herzerkrankung festzustellen. In der Subgruppe der "Nicht-Sportler" und bei Angehörigen des Militärs war ein strukturell unauffälliges Herz ein signifikant häufigerer Post-mortem-Befund als eine HCM: mit 30,7 versus 7,8 Prozent, beziehungsweise 41,3 versus 12,8 Prozent. Bei den Sportlern war dieser Unterschied nicht signifikant (13,6 versus 18,1 Prozent).

Trotz der generellen Auffassung, dass eine hypertrophe Kardiomyopathie die führende Ursache eines plötzlichen Herztodes bei jungen Menschen sei, scheine in dieser Altersgruppe ein strukturell normales Herz häufiger vorzuliegen als eine HCM, schlussfolgern die Autoren.

Zwar haben sie regionale Unterschiede in der HCM-Prävalenz feststellen können. Doch in keiner einzigen Subgruppe ließ sich eine HCM öfter als Ursache für den plötzlichen Herztod nachweisen, als der Befund eines strukturell normalen Herzens gestellt wurde.

Für die Forscher machen diese Ergebnisse deutlich, dass größere Anstrengungen unternommen werden sollten, um die genaue Ursache eines nicht strukturell bedingten plötzlichen Herztodes herauszufinden.

Genetische Abklärung könnte helfen

Die Autoren weisen darauf hin, bei jungen Menschen, deren Herz bei der Autopsie strukturell unauffällig erscheint, würden post mortem womöglich nicht immer ausreichend gründliche mikroskopische und histologische Untersuchungen erfolgen. So hat sich in einer Studie nach sorgfältiger toxikologischer, mikroskopischer und histologischer Untersuchung des Ventrikelmyokards und Erregungsleitungssystems in 79 Prozent der Fälle von strukturell scheinbar unauffälligen Herzen ein zunächst unerkanntes pathologisches Substrat ausfindig machen lassen, wie Myokarditis oder arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie.

Auch molekulargenetische Analysen könnten nach Ansicht der Studienautoren nötig werden, um arrhythmogene Ursachen eines plötzlichen Herztodes wie ein Long-QT- oder Brugada-Syndrom nachweisen zu können.

Des Weiteren geben Ullal und Kollegen zu bedenken, dass sich die Ergebnisse einzelner Register und Studien zur Häufigkeit der HCM teils nur schwer vergleichen lassen. Denn die Diagnosestellung einer HCM könne variieren und standardisierte Obduktionsprotokolle würden nicht immer zur Anwendung kommen. (vsc)

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