"Mehr genetische Diversität als erwartet"

Ursprung der Lepra könnte in Europa liegen

Forscher haben eine große Gen-Diversität von Lepra-Erregern im mittelalterlichen Europa entdeckt.

Veröffentlicht:

TÜBINGEN/ZÜRICH. Anders als bisher angenommen waren im Mittelalter in Europa nicht nur zwei, sondern deutlich mehr Lepra-Bakterienstämme verbreitet. Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte und der Universitäten Tübingen und Zürich herausgefunden (PLOS Pathogens 2018, online 10. Mai).

Dafür haben die Wissenschaftler zehn historische Genome des Lepra verursachenden Bakteriums Mycobacterium leprae rekonstruiert, die aus Proben aus dem Zeitraum von 400 bis 1400 Jahren n. Chr. stammen, teilt die Universität Tübingen mit. Den Forschern gäben diese Ergebnisse neue Hinweise auf Geschichte und Ursprung der Krankheit.

Für die Studie hätten die Forscher Proben von etwa 90 Individuen aus ganz Europa aus der Zeit von circa 400 bis 1400 n. Chr. untersucht, die die für Lepra charakteristischen Knochenverformungen besaßen. Insgesamt umfassten die Genome alle bekannten Stämme der Lepra-Erreger, auch solche, die heute in Asien, Afrika oder Nord- und Südamerika auftreten, heißt es in der Mitteilung.

Schon in der Antike verbreitet?

"Wir haben viel mehr genetische Diversität bei den Lepra-Erregern im alten Europa gefunden als erwartet", wird der Hauptautor der Studie, Professor Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, in der Mitteilung zitiert.

"Alle bekannten Lepra-Stämme traten bereits im mittelalterlichen Europa auf, was nahelegt, dass Lepra schon in der Antike in Asien und Europa weit verbreitet gewesen sein muss und dass die Krankheit ihren Ursprung im westlichen Eurasien haben könnte."

Das älteste rekonstruierte Genom von M. leprae aus England gehöre zum gleichen Lepra-Stamm, der in heute lebenden Eichhörnchen entdeckt wurde. "Das stützt die Hypothese, dass Eichhörnchen und der Handel mit ihren Fellen Faktoren bei der Ausbreitung der Lepra unter Menschen des Mittelalters in Europa darstellten", so Krause in der Mitteilung. (eb)

Mehr zum Thema

Fortbildung

Einladung zum 12. Infektio Update

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

EFI-Jahresgutachten 2024 übergeben

KI: Harter Wettbewerb auch in der Medizin

Lesetipps
Arzt zeigt Patienten eine App auf dem Handy.

© DragonImages / Getty Images / iStock

EPatient Survey

E-Health: Die Patienten stimmen mit den Füßen ab