HPV-Impfung

Verblüffender Effekt bei Genitalwarzen

Das flächendeckende australische Impfprogramm gegen humane Papillomviren (HPV) hat die Genitalwarzen Down-under drastisch dezimiert. Das Ausmaß hat selbst die beteiligten Forscher überrascht.

Von Robert BublakRobert Bublak Veröffentlicht:
Humane Papillomviren. Impfprogramme können sie in der Bevölkerung dezimieren.

Humane Papillomviren. Impfprogramme können sie in der Bevölkerung dezimieren.

© Michael Taylor/shutterstock

SYDNEY. Mitte 2007 ist in Australien ein nationales Impfprogramm aufgelegt worden, in dem 12- bis 13-jährige Mädchen kostenlos mit einer tetravalenten HPV-Vakzine (gegen die Typen 6, 11, 16 und 18) geimpft werden können.

In den Jahren 2007 bis 2009 gab es zudem ein Nachholprogramm für 13- bis 18-jährige Schülerinnen und für 18- bis 26-jährige Frauen. Ein Wissenschaftlerteam um Hammad Ali von der University of New South Wales, Sydney, hat nun untersucht, welche Auswirkungen das Programm auf das Auftreten von Genitalwarzen hat (BMJ 2013; 346: f2032).

Verglichen wurden dabei die Zeiträume von 2004 bis 2007 - also vor Einführung der Impfung - und 2007 bis 2011.

Die Ergebnisse verblüfften sogar die Forscher. Wurden 2007 noch bei 11,5 Prozent der Frauen unter 21 Jahren Kondylome diagnostiziert, waren es 2011 noch gerade einmal 0,85 Prozent - ein Rückgang um 92,6 Prozent.

Bei geimpften Frauen unter 21 wurde 2011 nicht eine einzige Warze gefunden. 21- bis 30-jährige Frauen wiesen Diagnoseraten für Feigwarzen von 11,3 Prozent (2007) bzw. 3,1 Prozent (2011) auf, was einer Reduktion um 72,5 Prozent entspricht.

Ältere Frauen hatten keinen Nutzen von der Impfung, was das Auftreten von Genitalwarzen betraf.

Obwohl nicht geimpft, profitierten auch die männlichen Australier vom HPV-Impfprogramm, jedenfalls die jüngeren und heterosexuellen unter ihnen. So lag der Anteil von Männern unter 21 mit Kondylomdiagnose im Jahr 2007 bei 12,2 Prozent.

Nur vier HPV-Subtypen in Australien?

2011 waren es nur noch 2,2 Prozent (minus 81,8 Prozent). In der Gruppe der 21- bis 30-Jährigen wurde im gleichen Zeitraum der Anteil der Genitalwarzenträger halbiert: von 18,2 auf 8,9 Prozent. Bei älteren Männern zeigte sich kein Effekt.

Der Schutz, den junge Männer aus der HPV-Impfung junger Frauen beziehen, wird auf Herdenimmunität zurückgeführt. Um diese Herdenimmunität weiter zu steigern, haben die Australier nun sogar ein Impfprogramm für 12- bis 13-jährige Jungen aufgelegt.

In Australien erhalten 83 Prozent der 12- bis 13-jährigen Mädchen wenigstens die erste Impfdosis, 80 Prozent auch die zweite, und 73 Prozent sogar noch die dritte Dosis.

In Deutschland liegt die Durchimpfungsrate der 12- bis 17-jährigen Mädchen hingegen laut Schätzungen von Experten unter 40 Prozent; nennenswerte Herdenimmunität ist bei Quoten unter 70 Prozent nicht zu erwarten.

Je nach Bundesland schwanken die Impfquoten zwischen etwas über 20 Prozent (Hessen) und gut 60 Prozent (Mecklenburg-Vorpommern).

"Unsere Resultate zeigen, dass Genitalwarzen bei geimpften jungen Frauen womöglich völlig verschwunden sind", mutmaßen Ali und seine Kollegen. Das sei überraschend, denn einige Frauen hätten ja nur eine oder zwei Impfdosen erhalten.

Denkbar sei, dass in Australien sämtliche Genitalwarzen von den vier HPV-Impftypen verursacht würden oder die Vakzine im Zuge einer Kreuzimmunität auch vor anderen Virustypen schütze.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Warzenfrei Down-under

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