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Verhaltenstherapie dämpft Hitzewallungen

Nach Brustkrebstherapie kommen oft Schwitzattacken. Linderung bringen Atem- und Entspannungsübungen.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Nach einer Brustkrebstherapie sind heftige Hitzewallungen ein häufiges Problem.

Nach einer Brustkrebstherapie sind heftige Hitzewallungen ein häufiges Problem.

© iStockphoto

LONDON. Menopausale Beschwerden können für Frauen nach einer Brustkrebstherapie zu einem quälenden Problem werden. Zum einen verstärkt die adjuvante Chemotherapie oft die Beschwerden, weil die Östrogenproduktion unterdrückt wird, zum anderen ist eine Hormonersatztherapie nach einer Brustkrebsbehandlung meist kontraindiziert, weil sie das Rezidivrisiko erhöht.

Dies führt dazu, dass etwa zwei Drittel bis vier Fünftel der Frauen nach einer Brustkrebstherapie ausgeprägte Probleme mit Menopausebeschwerden wie Hitzewallungen und nächtlichem Schwitzen haben, berichtet ein Team um Dr. Eleanor Mann vom Institut für Psychiatrie des King's College in London (Lancet Oncol 2012; 13: 309-318).

Medikamente in Studien wenig wirksam

Medikamente wie Clonidin, Gabapentin und SSRI hatten sich in Studien entweder als wenig wirksam erwiesen oder waren mit deutlichen Nebenwirkungen behaftet. Bei SSRI gibt es zudem Hinweise, dass sie die Wirksamkeit der Krebs-Chemotherapie beeinträchtigen können, schreiben die britischen Forscher.

In einer Interventionsstudie bei knapp 100 Frauen prüften sie nun, ob sich die Beschwerden auch nichtmedikamentös über eine Verhaltenstherapie lindern lassen. Die Patientinnen in der Studie litten alle unter mindestens zehn problematischen Hitzewallungen oder nächtlichen Schwitzattacken pro Woche, hatten eine Brustkrebstherapie hinter sich und keine Hinweise auf weitere Tumoren oder Metastasen.

Die Hälfte erhielt nun sechs Wochen lang eine kognitive Verhaltenstherapie, und zwar jeweils eine Sitzung pro Woche über 90 Minuten. Darin erfuhren die Frauen, welche Faktoren die Menopausebeschwerden verstärken können, etwa Stress, übertriebene Sorgen aufgrund der Symptome oder ungünstige Schlafgewohnheiten.

Verstärker wie Stress sollten vermieden werden

Die Psychologen arbeiteten mit ihnen Strategien aus, um solche Verstärker zu vermeiden. Zudem wurden sie trainiert, bei Hitzewallungen spezielle Atem- und Entspannungsübungen zu machen, die Linderung verschaffen. Schließlich erhielten sie eine CD mit Anleitungen für das Training zu Hause.

Die andere Hälfte bekam nur eine Standardnachsorge, bei der sie auch kurz informiert wurden, welche Möglichkeiten es gibt, Hitzewallungen zu lindern. Allen Patientinnen in der Studie wurde zudem eine telefonische Betreuung angeboten.

Nach neun und 26 Wochen befragten die Studienärzte die Frauen nach Häufigkeit und Stärke der Hitzebeschwerden. Die Ergebnisse stellten sie auf einer zehnstufigen Skala dar, bei der ein Unterschied von zwei Punkten als klinisch relevant gilt.

Zu Beginn der Studie lagen die Werte bei 6,5 (Gruppe mit Verhaltenstherapie) und 6,1 Punkten (Kontrollgruppe). Nach den sechs Therapiewochen war der Wert mit Verhaltenstherapie deutlich stärker zurückgegangen als in der Kontrollgruppe (um 3,1 versus 1,1 Punkte).

Verhaltenstherapie der Standardnachsorge überlegen

Insgesamt gingen die mit der Skala erfassten Beschwerden mit Verhaltenstherapie um 46 Prozent zurück, mit Standardnachsorge nur um 19 Prozent. Die Unterschiede waren auch nach 26 Wochen, also mehrere Monate nach Therapieende, noch ähnlich groß: So waren die Menopausebeschwerden mit Verhaltenstherapie um 52 Prozent, ohne nur um 25 Prozent zurückgegangen.

Eine klinisch signifikante Reduktion der Beschwerden um zwei Punkte gelang mit Verhaltenstherapie nach neun Wochen (65 versus 38 Prozent) und nach 26 Wochen (78 versus 33 Prozent) ebenfalls deutlich häufiger.

Zudem besserten sich mit Verhaltenstherapie auch Schlaf, Stimmung und Lebensqualität auf entsprechenden Skalen deutlich stärker als in der Kontrollgruppe. Fazit der Forscher: Eine kognitive Verhaltenstherapie kann Frauen nach einer Brustkrebsbehandlung helfen, Menopausesymptome zu lindern.

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