Direkt zum Inhaltsbereich

Vernakalant ermöglicht rasche Konversion von Vorhofflimmern

Mit Vernakalant ist nach langer Zeit wieder ein innovatives Antiarrhythmikum für die Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern zugelassen worden.

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:
Messung des Pulses bei einem Patienten - die klassische Methode der Herzschlagkontrolle.

Messung des Pulses bei einem Patienten - die klassische Methode der Herzschlagkontrolle.

© Blue-Fox / fotolia.de

STOCKHOLM. Die intravenöse Darreichungsform des Wirkstoffs Vernakalant (Warenzeichen: Brinavess®) hat jetzt, wie schon kurz berichtet, in der EU die Zulassung für die Behandlung von Patienten mit seit kurzem bestehendem Vorhofflimmern erhalten. Indiziert ist die Substanz zur raschen Wiederherstellung eines Sinusrhythmus bei Erwachsenen, die innerhalb der letzten sieben Tage Vorhofflimmern entwickelt haben. Sie kann auch zur Konversion bei Patienten mit postoperativem Vorhofflimmern nach einer Herzoperation eingesetzt werden.

Die Zulassung stützt sich auf Ergebnisse von vier klinischen Studien, darunter drei randomisierte placebokontrollierte Studien und ein direkter Vergleich mit Amiodaron. Beteiligt an diesen Studien waren Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern von relativ kurzer Dauer (wenige Stunden bis maximal sieben Tage), bei denen eine rasche Konversion wünschenswert erschien.

Maßstab für die antiarrhythmische Wirksamkeit von Vernakalant in den placebokontrollierten Studien bildete der Anteil der Patienten, bei denen innerhalb von 90 Minuten nach Therapiebeginn eine Konversion in den Sinusrhythmus stattgefunden hatte. Mit jeweils rund 50 Prozent war dieser Anteil in der Vernakalant-Gruppe signifikant höher als in der Placebo-Gruppe, in der das Vorhofflimmern bei nicht einmal 5 Prozent aller Patienten in dieser kurzen Zeit aufhörte.

In der AVRO-Studie ist Vernakalant im direkten Vergleich mit Amiodaron geprüft worden. Insgesamt 232 Patienten, darunter viele mit struktureller Herzerkrankung, sind randomisiert einer intravenösen Therapie mit Vernakalant oder Amiodaron zugeteilt worden. Ergebnisse hat der Londoner Arrhythmie-Experte Professor John Camm jüngst auf einer vom Unternehmen MSD initiierten Pressekonferenz beim Europäischen Kardiologenkongress in Stockholm vorgestellt.

Auch in dieser Studie war die Konversionsrate nach 90 Minuten das primäre Erfolgskriterium. Wie Camm berichtete, stellte sich mit Vernakalant bis zu diesem Zeitpunkt bei 51.7 Prozent aller Patienten wieder ein Sinusrhythmus ein. In der Amiodaron-Gruppe war die entsprechende Erfolgsquote mit nur 5,2 Prozent signifikant niedriger.

Derzeit befindet sich auch eine orale Formulierung von Vernakalant in der klinischen Entwicklung. Die Substanz unterscheidet sich in ihrer Wirkweise von anderen Antiarrhythmika. Außer Natrium-Kanälen blockiert sie insbesondere bestimmte Kalium-Kanäle, wobei der Wirkstoff eine gewisse Selektivität für atriale Ionenkanäle zu besitzen scheint. Einen Vorteil von Vernakalant in der künftigen antiarrhythmischen Therapie sieht Camm unter anderem darin, dass bei dieser medikamentösen Konversion von Vorhofflimmern auf die bei Elektrokardioversion notwendige Sedierung und Anästhesie verzichtet werden kann.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Risiko einschätzen und Lebensstil ändern

Diabetes und Vorhofflimmern: Das hilft gegen die gefährliche Kombi

Sonderbericht

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim

Gegen Über- und Unterversorgung

„Klug entscheiden“-Empfehlung zu Vorhofflimmern: Das steht drin

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
MAGICA-Subgruppenanalyse: Reduktion von ventrikulären Extrasystolen (VES) bei Patientinnen und Patienten mit KHK (mit und ohne Myokardinfarkt) und anderen Erkrankungen

© Springer Medizin Verlag GmbH

Kalium für die Herzgesundheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Trommsdorff GmbH & Co. KG, Alsdorf
Abb. 1: Häufigkeit von SCD oder reanimationspflichtigem Herzstillstand in Post-Myokardinfarkt-Patienten in der VALIANT-Studie

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [2]

Primärprävention des Plötzlichen Herztods

Effektiver Schutz kardialer Risikopatienten durch Defibrillatorweste

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Rauchjahre statt Packungsjahre

Lassen sich die Kriterien fürs Lungenkrebs-Screening vereinfachen?

Lesetipps
Manche Menschen mit Adipositas haben ein vergleichsweise günstiges kardiovaskuläres Risikoprofil: offenbar vor allem diejenigen mit weniger zentraler Fettansammlung. (Symbolbild mit Fotomodell)

© sam richter / stock.adobe.com

Mega-Analyse

BMI ade? Beim kardiovaskulären Risiko kommt es auf das Bauchfett an