Dicke Luft

Viel Feinstaub – mehr Schlaganfälle

Vor allem lungengängiger Staub scheint ischämische Schlaganfälle zu begünstigen. Wie hoch das Risiko ist, haben Forscher jetzt berechnet.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
In Megametropolen kann die Feinstaubbelastung über 1000 µg/m3 erreichen.

In Megametropolen kann die Feinstaubbelastung über 1000 µg/m3 erreichen.

© Jean-Paul Bounine / fotolia.com

FUKUOKA. Inzwischen sprechen viele Studien eine klare Sprache: An Tagen mit hoher Feinstaubbelastung ist das Schlaganfallrisiko deutlich erhöht. Um wie viel, wird jedoch ebenso diskutiert wie der Einfluss der Partikelgröße. So gilt vor allem der lungengängige Feinstaub mit einer Größe unter 2,5 Mikrometer (PM2,5) als riskant.

Der Grenzwert – allerdings für das Jahresmittel – darf in Deutschland nicht über 25 µg/m3 liegen. An einzelnen Tagen kann die Belastung in deutschen Großstädten durchaus Werte von 100 µg/m3 erreichen, in asiatischen Megametropolen auch über 1000 µg/m3. Nach Daten einer japanischen Untersuchung können solche Werte das Schlaganfallrisiko deutlich steigern.

Luftdaten mit Schlaganfallinzidenz verglichen

Forscher um Dr. Ryu Matsuo von der Universität in Fukuoka haben sich Wetter und Luftbelastung zum Zeitpunkt von knapp 7000 Schlaganfällen in Fukuoka genauer angeschaut (Stroke 2016; online 3. November 2016). Die Stadt hat etwa 1,5 Millionen Einwohner, im Mittel betrug der Feinstaubgesamtwert bei den Schlaganfällen knapp 30 µg/m3, der für PM2,5 lag bei 20 µg/m3.

Die Wissenschaftler berechneten nun in einer Fall-Crossover-Analyse das Schlaganfallrisiko bezogen auf die Gesamtfeinstaubbelastung und die von lungengängigem PM2,5. Zudem kalkulierten sie Verzögerungszeiten, also wie lange nach einem Spitzenwert das erhöhte Schlaganfallrisiko andauert.

Im Wesentlichen konnten sie dabei frühere Resultate bestätigen: So lässt sich bei erhöhten Feinstaubwerten innerhalb von einem Tag – aber nicht länger – auch ein erhöhtes Risiko für einen ischämischen Schlaganfall berechnen: Werden andere Luftschadstoffe wie Ozon, Stickoxide und Schwefeldioxid berücksichtigt, dann steigt pro 10 µg/m3 Gesamtfeinstaub das Schlaganfallrisiko um 2 Prozent sowie pro 10 µg/m3 PM2,5 um 3 Prozent.

Ein Großteil des Risikos lässt sich damit wohl auf den lungengängigen Feinstaub zurückführen.

Risiko um 300 Prozent erhöht?

An einem Tag mit sehr dicker Luft müsste es in deutschen Städten danach etwa 30 Prozent mehr Schlaganfälle geben, in chinesischen Metropolen sogar bis zu 300 Prozent mehr als bei reiner Luft. Allerdings darf bezweifelt werden, dass sich diese Werte einfach linear hochrechnen lassen.

In einer vergangenes Jahr publizierten Analyse von 94 Studien zu Luftschadstoffen kamen Wissenschaftler um Anoop Shah von der Universität in Edinburgh nur auf eine Risikoerhöhung von 1,1 Prozent pro 10 µg/m3 PM2,5. Nach dieser Analyse wäre der Effekt von lungengängigem Feinstaub also dreifach geringer einzuschätzen.

Auf der anderen Seite fanden US-Forscher vor vier Jahren in einer ähnlichen Studie wie in Fukuoka ein 17 Prozent erhöhtes Schlaganfallrisiko pro 10 µg/m3 PM2,5.

Die Diskussion wird also noch weitergehen.

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