Bei Menschen unter 50

Viel fernsehen erhöht Darmkrebs-Risiko

Bewegen sich Menschen, die jünger als 50 sind, wenig, steigt offenbar ihr Risiko für Darmkrebs. Eine US-Studie offenbart: Frauen, die mehr als zwei Stunden pro Tag fernsehen, haben eine deutlich erhöhte Krebs-Wahrscheinlichkeit.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Aus der Risikoberechnung geht hervor, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Kolorektalkarzinom mit dem TV-Konsum stieg und altersadjustiert um fast 70 Prozent höher lag, wenn er bei mehr als 14 Stunden statt maximal sieben Stunden pro Woche lag.

Aus der Risikoberechnung geht hervor, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Kolorektalkarzinom mit dem TV-Konsum stieg und altersadjustiert um fast 70 Prozent höher lag, wenn er bei mehr als 14 Stunden statt maximal sieben Stunden pro Woche lag.

© Paolese / stock.adobe.com

Das Wichtigste in Kürze

  • Frage: Wie hängen ein bewegungsarmer Lebensstil und die Entstehung eines kolorektalen Karzinoms bereits in jungen Jahren zusammen?
  • Antwort: Aus Daten der Nurses' Health Study geht hervor, dass bei mehr als 14 Stunden TV-Konsum pro Woche die Wahrscheinlichkeit für ein Kolorektalkarzinom bereits im Alter unter 50 um fast 70 Prozent höher liegt als bei nur sieben Stunden pro Woche.

ST. LOUIS. Außer bei Typ-2-Diabetes und Adipositas wird Bewegungsmangel schon lange als Risikofaktor für die Entstehung des Kolorektalkarzinoms betrachtet. Ob dies auch für Karzinome gilt, die vor dem 50.  Lebensjahr auftreten, war bisher nicht untersucht worden.

Dr. Long H. Nguyen von der Washington University School of Medicine in St. Louis und ihre Kollegen haben deshalb Befunde der Nurses' Health Study II ausgewertet, an der fast 90.000 Krankenschwestern teilgenommen hatten. Bei Aufnahme in die Studie waren sie zwischen 25 und 45 Jahre alt gewesen.

Primärer Endpunkt war die Neuerkrankung an einem kolorektalen Karzinom. Bei den meisten Teilnehmerinnen war die Familienanamnese zu Darmkrebs negativ. Und bei den wenigsten Frauen war in der Dekade vor Aufnahme in die Studie eine Endoskopie erforderlich (JNCI Cancer Spectrum 2019; 2(4):pky073).

TV-Konsum als Marker für Bewegungsmangel

Informationen darüber, wie lange die Patientinnen in der Woche vor dem Fernsehgerät – als Surrogatparameter für Bewegungsmangel – saßen, wurden erstmals 1991 und dann in den Jahren 1997, 2001, 2005 und 2009 eingeholt.

Die Zeitspanne reichte von 0 bis 90 Stunden pro Woche. Aus früheren Untersuchungen ging hervor, dass TV-Konsum als Marker für Bewegungsmangel ein gut geeigneter Prädiktor für gesundheitliche Schäden ist.

Wie die Ärzte berichten, war über einen Zeitraum von 22 Jahren (1.262.540 Personenjahre) bei 118 Probandinnen erstmals ein kolorektales Karzinom diagnostiziert worden. Das mediane Follow-up lag bei 13,9 Jahren.

Das mediane Alter zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose betrug 45 Jahre. Frauen mit einem hohen TV-Konsum waren eher in der Postmenopause, Raucherinnen und Diabetikerinnen und weniger körperlich aktiv. Außerdem nutzten sie seltener Multivitamine.

Ab 14 Stunden TV-Konsum viel höhere Wahrscheinlichkeit für Krebs

Aus der Risikoberechnung geht hervor, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Kolorektalkarzinom mit dem TV-Konsum stieg und altersadjustiert um fast 70 Prozent höher lag, wenn er bei mehr als 14 Stunden statt maximal sieben Stunden pro Woche lag (relatives Risiko (RR): 1,69).

Der Zusammenhang war besonders stark beim Rektumkarzinom (RR: 2,44). Dabei waren die jeweiligen Assoziationen unabhängig davon, ob die Frauen ansonsten körperlich aktiv oder adipös waren.

Ähnlich erhöhte Erkrankungsrisiken wurden ermittelt, wenn nur Frauen mit negativer Familienanamnese betrachtet wurden (RR: 1,83 bei mehr als 14 Stunden TV-Konsum pro Woche). Das galt auch für Frauen ohne Endoskopie in den zehn Jahren zuvor (RR: 1,76).

Bewegungsmangel fördert Entwicklung einer Darmdysbiose

Als mögliche Erklärung für das erhöhte Krebsrisiko bei vermehrt sitzenden Tätigkeiten führen die Ärzte an, dass durch den Bewegungsmangel der Darm verstärkt Karzinogenen, etwa den sekundären Gallensäuren ausgesetzt sei, die im Dünndarm durch Darmbakterien aus den primären Gallensäuren Cholsäure und Chenodesoxycholsäure gebildet würden.

Außerdem komme es zu einer Schwächung der Glukosehomöostase und zu einem Mangel an Vitamin D, so die Ärzte. Schließlich werde durch Bewegungsmangel die Entwicklung einer Darmdysbiose gefördert, was im Zusammenhang mit der Entstehung von kolorektalen Karzinomen ebenfalls diskutiert werde.

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