Dekubitus-Behandlung

Viel im Trüben fischen

US-amerikanische Ärzte haben nach evidenzbasierten Maßnahmen zur Dekubitustherapie gesucht - und nur relativ wenig zutage gefördert.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Dekubitus in der Kreuzbeinregion. Für den Effekt von Luftbetten gibt es konsistente Daten aus fünf Studien.

Dekubitus in der Kreuzbeinregion. Für den Effekt von Luftbetten gibt es konsistente Daten aus fünf Studien.

© Dr. Hans Schulz, Bergkamen

PORTLAND. Die Strategien zur Behandlung von Dekubitalulzera umfassen ein breites Spektrum: von Spezialbetten über Wundverbände und Begleittherapien wie Elektrostimulation bis zum chirurgischen Wundverschluss.

Die wissenschaftliche Datenbasis für diese Therapien ist jedoch recht bescheiden, wie Mediziner der Universität von Portland (Oregon) kritisieren.

"Für Luftbetten, Proteinsupplementation, beheizbare Sekundärverbände und Elektrostimulation besteht eine mäßig gute Evidenz, dass sie die Abheilung von Druckulzera bei Erwachsenen verbessern", schreiben M. E. Beth Smith und Kollegen (Ann Intern Med. 2013; 159: 39-50). Für alle anderen Therapien sei die Datenlage noch schwächer.

Studienqualität als schlecht beurteilt

Die Ärzte haben alle einschlägigen randomisierten Studien und vergleichenden Beobachtungsstudien sowie alle chirurgischen Studien mit mehr als 50 Teilnehmern aus den Jahren 1985 bis 2012 in einem systematischen Review ausgewertet.

Insgesamt konnten sie dafür auf 174 Studien zurückgreifen, allerdings war nur in 92 die vollständige Wundheilung als Endpunkt definiert. Die Studienqualität wird von Smith und Kollegen generell als schlecht beurteilt, sie bemängeln kleine Probandenzahlen und zu kurze Beobachtungszeiten.

Für Luftbetten gibt es konsistente Daten aus fünf Studien, wonach sie stärker zu Reduktion von Wundgröße und Ulkusstadium beitragen als normale Krankenhausbetten. Eine schwache Evidenz besteht zudem für den Nutzen von Betten mit wechselndem Druck.

Ausreichende Daten für Proteinzufuhr

Bei der Nahrungsergänzung liegen ausreichende Daten vor allem für die Proteinzufuhr vor. Trotz unterschiedlicher Formulierungen war sie in den meisten Studien mit einer Verkleinerung der Dekubitusfläche assoziiert. Dagegen ließ Vitamin C keinen Nutzen erkennen. Zu Zink war keine Aussage möglich.

Mit Hydrokolloidverbänden, dafür gibt es aus zehn Studien allerdings nur geringe Evidenz, nimmt die Wundgröße stärker ab als mit einem Mullverband.

Im Hinblick auf die vollständige Wundheilung waren Hydrokolloid- und Schaumverbände vergleichbar. Beheizte Sekundärverbände beschleunigten die Wundheilung.

Widersprüchlich und unzureichend waren die Daten zur topischen Applikation von Enzymen, die ein Débridement bewirken sollen, und von Phenytoin. Kollagen scheint der Wundheilung nicht dienlich zu sein.

Nur für Platelet-Derived Growth Factor (PDGF) fand sich eine schwache Evidenz, dass die Abheilung schwerer Dekubitalulzera gefördert wird.

Welches operative Verfahren zur Deckung eines Dekubitus am besten geeignet ist, ließ sich wegen der mangelhaften Studienlage nicht entscheiden.

Als Begleittherapien wurden elektrische Stimulation, elektromagnetische Therapie, therapeutischer Ultraschall, Unterdruck-Wundbehandlung, Hydro-, Licht- und Lasertherapien getestet.

Als evidenzbasiert stufen Smith et al. nur Elektrostimulation (mittelgradige Evidenz) und Lichttherapien (geringe Evidenz) ein.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Innovative Therapieansätze

Mit Fischhaut gegen den diabetischen Fuß

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 1: Schematische Wirkprinzipien verschiedener immuntherapeutischer Ansätze beim Multiplen Myelom

© Johnson & Johnson

Therapie des Multiplen Myeloms

Ebnet die Präzisionsmedizin den Weg zur funktionellen Heilung dieser Neoplasie?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, Neuss
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vergleich der Leitlinien

Restless Legs Syndrom: Gabapentinoide oder Dopamin-Agonisten zuerst?

Lesetipps
Eine ältere Frau inhaliert ein Medikament aus einem Pulverinhalator.

© thodonal / stock.adobe.com

Asthma, COPD und Co.

Acht Fehler bei der Inhalationstherapie – und wie es richtig geht