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Viele Hepatitis-B-Viren? Therapie-Start!

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BOCHUM (awa). Die aktualisierte Leitlinie zur Therapie von Patienten mit Hepatitis B enthält zwei wesentliche Neuerungen: Bei chronischer Infektion mit Hepatitis-B-Viren (HBV) ist eine Therapie bei mehr als 10 000 HBV-DNA-Kopien/ ml indiziert. Und bei Resistenz wird eine frühzeitige Kombi-Therapie mit zwei antiviralen Substanzen empfohlen.

Modell eines Hepatitis-B-Virus (HBV). Ziel dieser umhüllten DNA-Viren sind die Zellen in der Leber.

Modell eines Hepatitis-B-Virus (HBV). Ziel dieser umhüllten DNA-Viren sind die Zellen in der Leber.

© Foto: 3K Agentur

Für den Therapiebeginn bei chronischer HBV-Infektion ohne Leberzirrhose ist nach den neuen Leitlinien die Virusmenge wichtiger als die Entzündungsaktivität der Leber (gemessen anhand der Transaminasen) und der Fibrosestatus. Sind mehr als 10 000 HBV-DNA Kopien / ml im Serum vorhanden, sollte eine antivirale Therapie erwogen werden, und zwar unabhängig davon, ob der Patient HBeAg-positiv oder -negativ ist.

Dieser Schwellenwert sei gewählt worden, weil ein späterer Therapiebeginn bei höherer Virusmenge das Risiko für Leberzirrhose und hepatozelluläres Karzinom erhöht - und dies unabhängig von der Höhe der Transaminasen. Das sagte Privatdozent Heiner Wedemeyer von der Medizinischen Hochschule Hannover beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten in Bochum. Bei Patienten mit chronischer HBV-Infektion plus Leberzirrhose empfiehlt die Leitlinie eine antivirale Therapie bei jeder Virus-Replikation.

Bei der Medikamentenwahl sollte zunächst geprüft werden, ob eine 6- bis 12-monatige Therapie mit Interferon alfa möglich ist, so Wedemeyer. Diese wird empfohlen, wenn die Virusmenge unter 1 Million Kopien / ml liegt, Genotyp A vorliegt und die Transaminasen mindestens zweifach erhöht sind. Falls das nicht zutrifft, kann bei einer HBV-Infektion ohne Zirrhose jedes Nukleosidanalogon (Lamivudin, Entecavir oder Telbivudin) oder das Nukleotidanalogon Adefovir verwendet werden. Besteht bereits eine Zirrhose, sei es besser, ein Nukleos(t)id mit hoher Resistenzbarriere oder sofort eine Kombination zweier Nuleos(t)ide zu wählen.

Wegen der potenziellen Resistenzentwicklung unter der Therapie mit Nukleos(t)idanaloga und bei unzureichender Compliance müsse spätestens nach sechs Monaten das biochemische und virologische Ansprechen überprüft werden, betonte Privatdozent Thomas Berg von der Charité Berlin. Die Therapie muss angepasst werden:

  • bei primärer Resistenz (keine Reduktion der Virusmenge unter 103 Kopien / ml nach sechs Monaten oder um mehr als eine log-Stufe innerhalb von zwölf Monaten) und
  • bei sekundärer Resistenz (nach primärem Ansprechen Anstieg um eine log-Stufe über den Nadir, also über die kleinste erreichte Virusmenge).

Bei Resistenz wird eine "Add-on"-Therapie empfohlen und nicht mehr wie früher ein Substanzwechsel: Das Nukleotidanalogon wird mit einem Nukleosidanalogon mit nicht überlappendem Resistenzprofil kombiniert und umgekehrt. Bei HBeAg-positiven Patienten kann 6 bis 12 Monate nach HBeAg-Serokonversion ein Auslassversuch gemacht werden. Bei HBeAg-negativen Patienten ist in der Regel eine antivirale Dauertherapie nötig.

Die neue Leitlinie gibt‘s im Bereich "Download-Center" zum Herunterladen bei www.kompetenznetz-hepatitis.de

STICHWORT

Wann Diagnostik auf Hepatitis-B-Viren?

Die aktuelle S3-Leitlinie zur "Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis B" empfiehlt, eine Diagnostik auf Hepatitis-B-Viren zu machen bei:

  • Personen mit erhöhten Leberwerten und bei Patienten mit Leberzirrhose und hepatozellulärem Karzinom
  • Patienten mit Migrationshintergrund aus Regionen mit erhöhter Hepatitis-B-Prävalenz
  • Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern
  • Aktiven und ehemaligen Benutzern von intravenösen Drogen
  • Angehörigen und Partnern von Patienten mit HBV-Infektion
  • Medizinischem Personal
  • Dialysepatienten
  • Schwangeren (nach der 32. Schwangerschaftswoche)
  • Patienten vor oder während immunsuppressiver Therapie (eb)
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