Kommentar

Viele vermeidbare Todesfälle

Bei Epilepsie begünstigt schon einmaliges Auslassen einer Arznei den plötzlichen Epilepsietod. Patienten sollten das wissen.

Von Thomas Müller Veröffentlicht: 21.08.2019, 05:06 Uhr

Der plötzliche Epilepsietod (sudden unexpected death in epilepsy, SUDEP) gibt Rätsel auf: Meist sterben Patienten nachts nach tonisch-klonischem Anfall, vermutlich durch autonome Funktionsstörungen mit Atemstillstand und terminaler Asystolie einige Minuten postiktal. In Deutschland gibt es etwa 800 SUDEP-Fälle pro Jahr.

Inzwischen mehren sich jedoch die Hinweise, dass die meisten der Todesfälle vermeidbar wären, würden Epilepsiekranke regelmäßig ihre Medikamente nehmen und bekannten Anfallstriggern aus dem Weg gehen. So ergab eine US-Analyse, dass nur ein Drittel vor dem Tod vorschriftsmäßig Antikonvulsiva eingenommen hatte.

Dabei sind es nicht nur chronisch inadhärente Patienten, die ein erhöhtes SUDEP-Risiko in Kauf nehmen, sondern auch solche, die den Medikationsplan meist einhalten und eben einmal nicht daran denken. Genau daraus ergibt sich die für das Patientengespräch entscheidende Botschaft: Schon das einmalige Auslassen der Medikation kann tödlich enden – vor allem, wenn Schlafmangel, Alkohol oder Drogen hinzukommen.

Zwar bleibt SUDEP ein seltenes Phänomen, bei schlechter Adhärenz oder Therapieresistenz kann das Lebenszeitrisiko aber auf über 50 Prozent steigen. Das sollte Patienten zu denken geben.

Lesen Sie dazu auch: Epilepsie: Plötzlicher Tod oft nach Auslassen von Medikamenten

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