Zika

Viren finden sich im Gehirn toter Babys mit Mikrozephalie

US-Forscher haben Gewebeproben toter Säuglinge mit Mikrozephalie untersucht. Die Befunde erhärten den Verdacht, dass Zika-Viren die Ursache von Fehlbildungen sind. Viele Fragen bleiben offen.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Unterm Elektronenmikroskop: Zika-Viren (rot) im Gewebe.

Unterm Elektronenmikroskop: Zika-Viren (rot) im Gewebe.

© CDC / Cynthia Goldsmith

ATLANTA. Werden Fehlbildungen wie Mikrozephalien bei Säuglingen in Brasilien wirklich durch Zika-Virus-Infektionen bei den Müttern verursacht? Dies wurde in den letzten Tagen mangels verlässlicher Zahlen zur Epidemiologie von Mikrozephalien in dem Land bezweifelt.

Mehr als 4700 solcher Fehlbildungen waren in dem Land zwischen Mitte 2015 und Januar 2016 registriert worden. Die Häufung fand gleichzeitig zu einem großen Zika-Virus-Ausbruch statt, der sich inzwischen auf 26 Länder in Lateinamerika ausgedehnt hat. Die WHO hat wegen der Fehlbildungen den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.

Das brasilianische Gesundheitsministerium hat eine Task-Force gebildet, die den Zusammenhang zwischen den Infektionen und den Fehlbildungen untersuchen soll.

Darin eingebunden sind auch die US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Die oberste Seuchenbehörde der USA hat jetzt starke Hinweise für einen kausalen Zusammenhang zwischen Zika-Viren und Fehlbildungen gefunden und publiziert.

CDC-Chef Dr. Tom Frieden hat die Befunde vor Politikern in Washington als "bisher stärkste Evidenz" des möglichen fruchtschädigenden Effekts von Zika-Viren bezeichnet, berichtet "BBC News". Ein Beweis für die Teratogenität sind die Daten allerdings nicht.

Untersuchung bereits im Dezember

CDC-Forscher um Dr. Roosecelis Brasil Martines hatten die Gewebeproben aus Brasilien bereits im Dezember untersucht. Die Proben stammten von zwei gestorbenen Säuglingen mit Mikrozephalie einschließlich Plazentagewebe sowie von zwei Föten von Fehlgeburten aus der 11. und 13. Schwangerschaftswoche (MMWR 2016; 65; 1-2).

Alle Mütter hatten im ersten Schwangerschaftstrimester klinische Zeichen einer Zika-Infektion gehabt, einschließlich des typischen Ausschlags und Fieber. Die Frauen waren allerdings während der Geburt oder der Fehlgeburt nicht akut erkrankt.

Die CDC-Forscher haben die Formalin-fixierten Proben mit einem PCR-Verfahren (RT-PCR) auf Virus-RNA untersucht. In allen vier Fällen wurden Zika-Viren gefunden; eine Feintypisierung ergab, dass die Erreger mit den in Brasilien zirkulierenden Virusstämmen übereinstimmten.

Bei den gestorbenen Neugeborenen fanden sich die Viren ausschließlich im Gehirn. Bei einem toten Kind fanden sich die Virus-Antigene dabei in mononukleären Zellen, Vorstufen von Gliazellen und Neuronen.

Auch histopathologische Veränderungen fanden sich bei den toten Babys nur im Gehirn: Verkalkungen des Parenchyms, Knoten in der Mikroglia, degenerierte Zellen und Nekrosen.

Alternative Ursachen im Blick

Tests möglicher alternativer Ursachen für die Fehlbildungen wie Toxoplasmose, Röteln, Cytomegalie, Herpes simplex und HIV waren bei den Müttern negativ gewesen. Auch Tests auf eine mögliche alternative Infektion mit Dengue-Viren waren negativ.

Bei einem Fötus wurden die Virusspuren zudem in den Chorionzotten gefunden. Auch hier ergaben sich histopathologische Veränderungen wie heterogene Chorionzotten mit Verkalkungen, Fibrosen, Fibrin-Ablagerungen, Entzündungen der Plazentazotten (Villitis).

Zika-Viren wurden also im Gewebe der Kinder nachgewiesen, betonen die Forscher. Hirnzellen sowie frühes Plazenta-Gewebe seien offenbar die bevorzugten Stellen für die Virus-Diagnostik post-mortem.

Um die Pathogenese der Infektion besser verstehen zu können, müsse jetzt der Effekt der Erkrankung der Mütter in verschiedenen Stadien der Schwangerschaft untersucht werden, so die Forscher.

Die Zika-Forschung wird in den USA forciert, weil ein Übergreifen des Ausbruchs auf Puerto Rico und andere US-Regionen befürchtet wird.

Trotz großer Anstrengungen werde es Jahre dauern, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht, so die Behörde. Die CDC wollen nun gefährdete US-Staaten bei der Bekämpfung der Überträgermücken unterstützen.

Die WHO hat Schutzmaßnahmen für Frauen in Zika-Regionen zusammengestellt: www.who.int/features/qa/zika-pregnancy/en

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