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Prognose

Vorsicht beim Absetzen von Arzneien gegen Anfälle!

Etwa zwei Drittel aller Epilepsiekranken kommen mit ihrer Medikation klar. Bei ihnen sollten die Arzneien nicht leichtfertig abgesetzt werden – mehr als der Hälfte drohen sonst Rückfälle.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Eine aktuelle Studie belegt: Gut die Hälfte der Epiepsie-Patienten bleibt unter ihrer Medikation anfallsfrei.

Eine aktuelle Studie belegt: Gut die Hälfte der Epiepsie-Patienten bleibt unter ihrer Medikation anfallsfrei.

© adimas / Fotolia

MAINZ. Den meisten Epilepsiekranken gelingt es, bereits mit niedrigen oder moderaten Dosierungen von Antikonvulsiva anfallsfrei zu bleiben. Umgekehrt schafft es ein Drittel nicht, die Anfälle gut medikamentös zu kontrollieren, und an diesem Anteil hat sich trotz der Einführung vieler neuer Antiepileptika in den vergangenen 30 Jahren praktisch nichts geändert.

Deutlich wird dies in einer retrospektiven Untersuchung aus Schottland mit rund 1800 neu diagnostizierten Patienten. So wurden in den Jahren 1982 bis 1987 genau 61% der Patienten mit einer Antiepileptika-Monotherapie und 3% mit einer Kombitherapie anfallsfrei, 36% hatten weiterhin Anfälle. Dieser Anteil blieb bis zum Jahr 2012 weitgehend konstant, erläuterte Professor Hajo Hamer vom Epilepsiezentrum in Erlangen.

Über die gesamten 30 Jahre blieben 55% der neu diagnostizierten Patienten mit einem Medikament anfallsfrei, 9% benötigten mehrere. Stets hatten aber 36% trotz Medikation weiterhin Anfälle.

Allerdings: "Selbst wenn sich durch die neuen Antikonvulsiva die Anfallsfreiheit nicht verbessert hat, stellen sie dennoch eine Bereicherung der Therapie dar", sagte der Neurologe auf der Fortbildungsveranstaltung Neuro Update in Mainz. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die bessere Verträglichkeit sowie das geringere Risiko für Interaktionen. "Das genügt aber nicht, wir brauchen auch besser wirksame Substanzen", ergänzte der Epilepsieexperte.

Hohe Rezidivrate nach dem Absetzen

Umso wichtiger ist es seiner Ansicht nach, den einmal erreichten Therapieerfolg nicht leichtfertig zu verspielen. Eine südkoreanische Arbeit legt nahe, dass bei mehr als der Hälfte der Patienten erneut Anfälle auftreten, wenn sie die Medikamente absetzen. Die knapp 400 Patienten der Studie waren seit mindestens vier Jahren ohne Anfälle und zeigten im EEG keine epilepsietypischen Signale.

Die Medikation wurde daraufhin langsam über mehrere Monate hinweg ausgeschlichen. Innerhalb von drei Jahren kam es bei 65% zu erneuten Anfällen, bei einem Drittel davon bereits in der Absetzphase. Besonders hoch war das Rezidivrisiko bei Patienten, die lange gebraucht hatten, bis sie endlich anfallsfrei waren sowie bei einem Beginn der Epilepsie vor dem 20. Lebensjahr und bei fokalen Epilepsien.

Am häufigsten kam es im ersten Jahr nach dem Ausschleichen der Medikation zu Anfällen, berichtete Hamer. "Ist erst einmal Anfallsfreiheit erreicht, sollte diese nicht durch ein verfrühtes Absetzen der Medikamente aufs Spiel gesetzt werden."

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