HINTERGRUND

WHO empfiehlt zur HIV-Prävention die Beschneidung

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:

Noch vor zwei Jahren gab es nur erste Hinweise darauf, dass eine Beschneidung von Männern die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Infektion verringert. Die ersten Studienergebnisse waren sehr umstritten. Doch inzwischen liegen drei kontrollierte, randomisierte Studien in Afrika vor, nach denen sich durch Entfernung beider Vorhautblätter bei heterosexuellen Männern das HIV-Infektionsrisiko um bis zu 60 Prozent verringern lässt.

Wegen der guten Ergebnisse wurden sogar zwei der Studien vorzeitig beendet. Den Erfolg der Studien bezeichnet der US-Infektiologe und Aids-Experte Professor Anthony Fauci aus Bethesda als Durchbruch in der Präventionsforschung.

Empfehlung für Männer in Ländern mit hoher HIV-Rate

Die Ergebnisse dieser Studien mit insgesamt fast 12 000 Männern in Südafrika, Kenia und Uganda haben die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Aids-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS) inzwischen dazu veranlasst, die Beschneidung von Männern in Ländern mit einer hohen HIV-Rate zu empfehlen - in Südafrika etwa sind mehr als fünf Millionen der fast 48 Millionen Einwohner HIV-infiziert.

Allerdings müssten die Männer sorgfältig darüber aufgeklärt werden, dass der Eingriff zwar das Infektionsrisiko senke, aber eine Ansteckung mit dem Aids-Erreger nicht generell verhindere. Auch um zu verhindern, dass Männer eine Beschneidung als Ausrede dafür nutzen, kein Kondom zu verwenden, muss auch beschnittenen Männern klar gemacht werden, dass andere Präventionsmaßnahmen wie Kondombenutzung und Safe Sex weiterhin genutzt werden sollten.

Zirkumzision reduziert auch Risiko für Genitalulzera

Für eine solche Aufklärung hat sich einer der Studienleiter, Professor Robert Bailey aus Chicago vor kurzem bei der Tagung der Internationalen Aids-Gesellschaft in Sydney ausgesprochen.

Modellrechnungen zufolge könnten sich nach Angaben der WHO etwa in den Regionen südlich der Sahara durch Beschneidung der nicht infizierten Männer 5,7 Millionen HIV-Neuinfektionen und drei Millionen Todesfälle im Laufe von 20 Jahren verhindern lassen. Die Empfehlungen seien ein wichtiger Schritt in der HIV-Prävention, so der WHO-Direktor für HIV/Aids, Kevin De Cock.

Wie erklärt man sich den schützenden Effekt der Beschneidung? Der Schutzeffekt beruht wahrscheinlich darauf, dass die Vorhaut im Gegensatz zur Glans penis reichlich mit Zellen ausgestattet ist, die gezielt von HIV attackiert werden, also Langerhans-Zellen der Haut, CD4-positive Lymphozyten und Makrophagen. Zudem wird durch die Beschneidung das Risiko für Genitalulzera verringert, die wiederum eine Infektion mit HIV erleichtern. Weltweit sind nach WHO-Schätzungen bereits etwa 665 Millionen Männer beschnitten, fast 30 Prozent aller erwachsenen Männer. Die WHO-Empfehlung zur Beschneidung als zusätzliche Möglichkeit der HIV-Prävention gilt allerdings nur für nicht infizierte Männer.

Die Organisation betont zudem, dass die Beschneidung vor allem in jenen Ländern vorgenommen werden sollte, in denen die HIV-Infektionsrate hoch ist, wo bisher nur wenige Männer beschnitten sind und die Zahl der Menschen mit einem hohen HIV-Infektionsrisiko hoch ist. Ob eine Beschneidung auch dazu beiträgt, bei HIV-Infizierten das Risiko der Übertragung auf nicht infizierte Sexualpartner zu verringern, muss in Studien noch geklärt werden.

Unklar ist zudem, ob eine Beschneidung auch einen schützenden Effekt bei Männern hat, die Analverkehr praktizieren. Nach Angaben von Bailey gibt es Hinweise aus einer prospektiven Studie, dass Beschnittene, die das praktizieren, einen 30-prozentigen Schutz vor einer HIV-Infektion haben. HIV-infizierte Männer haben im Vergleich zu HIV-infizierten Frauen und Kindern die höchsten Viruskonzentrationen.

Weitere Infos zu HIV und Aids etwa unter hiv.net und www.unaids.org



STICHWORT

Virus-Übertragung

In Deutschland liegen für 85 Prozent der im vergangenen Jahr neu diagnostizierten HIV-Infektionen Angaben zum Infektionsweg vor. Die sexuelle Übertragung bei Männern, die Sex mit Männern haben, ist mit einem Anteil von 61 Prozent am häufigsten. Mit 17 Prozent ist die heterosexuelle Übertragung am zweithäufigsten. Nicht berücksichtigt sind HIV-Infizierte, die aus Ländern mit hoher HIV-Prävalenz, etwa aus Ländern im Süden Afrikas stammen. Der Anteil dieser Menschen liegt mit 14 Prozent an dritter Stelle. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass sich die meisten Menschen aus Ländern mit hoher HIV-Prävalenz in ihren Herkunftsländern infiziert haben. Im Süden Afrikas sind mit etwa 13 Millionen Menschen fast 60 Prozent der HIV-Infizierten Frauen. Etwa zwei Millionen Kinder sind infiziert. (ple)

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