EMA-Bewertung

Wann Vorsicht bei Fluorchinolonen geboten ist

Bereits vor einem Jahr hat das BfArM ein europäisches Risikobewertungsverfahren für Fluorchinolone angestoßen. Vor kurzem hat die EMA nun mit Empfehlungen zur Anwendungseinschränkung reagiert.

Veröffentlicht:

BERLIN. Der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat empfohlen, den Gebrauch von Antibiotika, die Wirkstoffe aus der Gruppe der Fluorchinolone oder Chinolone enthalten, einzuschränken. Grund ist eine Neubewertung von die Lebensqualität einschränkenden und möglicherweise langanhaltenden Nebenwirkungen, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mitgeteilt (BfArM) hat. In den meisten Fällen betrafen diese die Muskeln, Sehnen, Knochen und das Nervensystem. In die Bewertung seien auch die Sichtweise von Patienten, Vertretern der Gesundheitsberufe und der Wissenschaft eingeflossen, die bei der öffentlichen Anhörung der EMA zu den Fluorchinolonen und Chinolonen im Juni 2018 präsentiert wurde.

Diese Wirkstoffe sind in Deutschland zugelassen:

  1. Ciprofloxacin
  2. Levofloxacin
  3. Moxifloxacin
  4. Norfloxacin
  5. Ofloxacin

Der PRAC empfiehlt laut BfArM, dass Fluorchinolone nicht angewendet werden sollten

  • bei Infektionen, die auch ohne Behandlung abklingen oder die nicht schwer sind (z. B. Entzündungen des Halses).
  • zur Vorbeugung der Reisediarrhöe oder wiederkehrender Infektionen der unteren Harnwege (sofern sie nicht über die Blase hinausgehen).
  • zur Behandlung von Patienten, bei denen vormals schwere Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Fluorchinolonen oder Chinolonen aufgetreten sind.
  • um leichte bis mittelschwere Infektionen (inklusive unkomplizierte Zystitis, akute Exazerbation der chronischen Bronchitis, und chronische obstruktive Lungenerkrankung (COPD), akute bakterielle Rhinosinusitis und akute Mittelohrentzündung) zu behandeln, es sei denn, andere Antibiotika, die üblicherweise zur Behandlung dieser Infektionen empfohlen werden, können nicht angewendet werden.

Mit Vorsicht angewendet werden sollten diese Antibiotika speziell bei älteren Patienten, bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen, Patienten, die eine Organtransplantation hatten oder Patienten, die mit systemisch anzuwendenden Kortikosteroiden behandelt werden. Diese Patientengruppen wiesen ein höheres Risiko für durch fluorchinolon- oder chinolonhaltige Antibiotika verursachte Schäden an den Sehnen auf.

Ergänzen verwies die BÄK auch in einem Rote-Hand-Brief vor einem erhöhten Risiko für Aortenaneurysmen durch Fluorchinolone.

Die Fach- und Gebrauchsinformationen der einzelnen Fluorchinolone würden nun überarbeitet, um die Anwendungseinschränkungen wiederzugeben, so das BfArM. (run)

Lesen Sie dazu auch: Europäischer Antibiotika-Tag: Appell zur rationalen Antibiotika-Gabe bei Erkältung

Mehr zum Thema

Impfquote in Deutschland verbessert

Welt-HPV-Tag: Impfen senkt das Risiko für Krebsvorstufen

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Krankenversichertenkarte auf Geld

© Setareh / stock.adobe.com

Neuer Gehaltstarif

Das bedeutet die MFA-Tariferhöhung für Praxen

Nasenabstrich: Seit der COVID-19-Pandemie kennen das viele Menschen. Ob Schnelltests auch bei anderen Infektionen zum Einsatz kommen sollten, ist Gegenstand einer Diskussion.

© Frank Hoermann/SVEN SIMON/picture alliance

Diskussion

Schnelltests für Atemwegsinfektionen: Unfug – oder Schritt nach vorn?