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Leitlinie

Wann ist Husten verdächtig auf Keuchhusten?

Welche klinischen Zeichen zur Abgrenzung von Pertussis gegen Husten anderen Ursprungs herangezogen werden sollten, hat ein internationales Expertenteam in einer Leitlinie zusammengefasst.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Bordetella pertussis: Eine Impfung ist kein Ausschlussgrund für eine Keuchhusten-Diagnose.

Bordetella pertussis: Eine Impfung ist kein Ausschlussgrund für eine Keuchhusten-Diagnose.

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Welche klinischen Symptome sprechen für Pertussis als Hustenursache?

Antwort: Bei Erwachsenen sprechen Fieber und fehlende Hustenattacken gegen, inspiratorischer Stridor und Erbrechen nach den Hustenanfällen für einen Keuchhusten.

Bedeutung: Die Klinik kann bei der Entscheidung über eine schnelle Antibiotikagabe helfen.

OXFORD. Nur wenn Keuchhustenpatienten bereits in den ersten ein bis zwei Wochen antibiotisch behandelt werden, lassen sich damit die Hustenattacken reduzieren. Eine rasche Antibiotikatherapie ist dennoch immer angezeigt, um die Ausbreitung von Bordetella pertussis schnellstmöglich zu unterbrechen. Die Entscheidung für ein Antibiotikum wird daher ja oft anhand der Klinik schon vor dem Eintreffen der Laborergebnisse gefällt.

Ein internationales Team von Lungenspezialisten um Abigail Moore von der Universität Oxford hat deswegen in einer Leitlinie zusammengefasst, welche Symptome bei hustenden Erwachsenen und Kindern den Verdacht auf einen Keuchhusten lenken sollten (Chest 2019; 155:147-154). Die Leitlinie basiert auf einer systematischen Übersicht und Metaanalyse (Chest 2017; 152:353–367) und einer Abstimmung der Empfehlungen mittels Delphi-Prozess.

Empfehlungen für Erwachsene

Per Metaanalyse wurden bei Erwachsenen die diagnostische Qualität von vier klinischen Symptomen ermittelt: Hustenattacken sowie das Fehlen von Fieber entdeckten Pertussis mit hoher Sensitivität (93 und 82 Prozent), wiesen jedoch eine geringe Spezifität auf (21 und 19 Prozent). Als Hustenattacken gelten längere Hustenphasen, bei denen der Patient nicht Luft holen kann.

Umgekehrt erwiesen sich sowohl inspiratorisches Pfeifen als auch Erbrechen nach den Hustenanfällen als Pertussisindikatoren mit niedriger Sensitivität (33 und 30 Prozent), aber hoher Spezifität (78 und 80 Prozent).

Daraus leiten Moore und ihre Kollegen folgende Empfehlungen ab:

  • Bei Erwachsenen mit akutem (< 3 Wochen) oder subakutem Husten (3–8 Wochen) sollten Ärzte zum Ein- oder Ausschluss von Pertussis vier Schlüsselmerkmale bewerten: Hustenattacken, Erbrechen nach Hustenanfällen, inspiratorischer Stridor und Fehlen von Fieber (Empfehlungsgrad 2C).
  • Wenn der Patient Fieber hat oder der Husten nicht anfallsartig auftritt, ist eine Infektion mit Bordetella pertussis unwahrscheinlich (Empfehlungsgrad 2C).
  • Bei inspiratorischem Pfeifen oder bei Erbrechen nach dem Hustenanfall sollte die Diagnose Pertussis als wahrscheinlich angesehen werden (Empfehlungsgrad 2C).

Empfehlungen für Kinder

Aufgrund der Metaanalyse konnte in der Altersgruppe 0–18 Jahre nur für ein Symptom der diagnostische Wert beurteilt werden: Erbrechen nach der Hustenattacke weist demnach nur eine mäßige Sensitivität wie Spezifität auf (60 und 66 Prozent).

Die Empfehlungen der Experten für Kinder lauten:

  • Bei akutem Husten (< 4 Wochen) sollten drei typische Merkmale beurteilt werden: Hustenanfälle, Erbrechen nach dem Husten und inspiratorischer Stridor (Konsensus ohne Empfehlungsgrad).
  • Bei Erbrechen nach der Hustenattacke sollte an Pertussis als mögliche Hustenursache gedacht werden (Empfehlungsgrad 2C).
  • Bei Hustenanfällen oder inspiratorischem Pfeifen sollte an Pertussis als mögliche Ursache gedacht werden (Konsensus ohne Empfehlungsgrad).

Oft keine klassischen Symptome

Auf den Informationsseiten des RKI wird betont, dass Pertussis besonders bei Erwachsenen, aber auch bei älteren Kindern und Jugendlichen häufig nicht mit der klassischen Symptomatik auftritt und daher das Labor für die Diagnosestellung entscheidend ist. Empfohlen wird eine Labordiagnostik für Keuchhusten außer bei Vorliegen von klassischen Symptomen auch bei Kontakt zu einem bestätigten Pertussis-Fall und bei länger persistierendem Husten (> 14 Tage).

Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass eine vorliegende Impfung kein Ausschlussgrund ist.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Keuchhusten ohne Keuchen

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