Antidepressiva

Wann macht der Wechsel Sinn?

Wenn Antidepressiva nicht so wirken wie gewünscht, muss ein neues Medikament her. Aber wann sollte gewechselt werden? Eine neue Studie liefert jetzt Antworten.

Von Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht: 28.11.2014, 05:02 Uhr
Wann macht der Wechsel Sinn?

Wirkt das Antidepressivum? Nach Ergebnissen einer aktuellen Studie lässt sich das schnell beurteilen.

© Peter Maszlen / fotolia.com

BERLIN. Die EMC-Studie war eine vom Bundesforschungsministerium geförderte, randomisierte Studie an acht Zentren in Deutschland. Der Hintergrund: Retrospektive Daten aus diversen Studien deuten darauf hin, dass schon nach zwei Wochen mit hoher Sicherheit abgeschätzt werden kann, ob ein SSRI bei Depression anschlägt oder nicht.

Üblich sei bisher eine vier- bis achtwöchige Behandlung vor einem "Switch", sagte Privatdozent André Tadic von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Mainz.

Diesem de facto-Standard liege eine letztlich nie bewiesene Hypothese zugrunde, wonach "echte" antidepressive Effekte von Antidepressiva erst nach frühestens drei bis vier Wochen einträten.

Symptome innerhalb von zwei Wochen verbessert

Die EMC-Studie hat den frühen Therapiewechsel bei (vermuteter) Ineffektivität jetzt randomisiert untersucht. Tadic präsentierte erste Ergebnisse bei der DGPPN-Jahrestagung in Berlin. In der Studie wurden 879 Patienten mit Depression zunächst mit dem SSRI Escitalopram behandelt.

Die Patienten, bei denen sich die - anhand der HAM-D-17-Depressionsskala quantifizierten - Symptome nach zwei Wochen nicht um mindestens 20 Prozent gebessert hatten, wurden randomisiert zu entweder einem Therapiewechsel auf Venlafaxin oder aber weiterhin zu Escitalopram.

Nach weiteren zwei Wochen wurde in der Escitalopram-Gruppe dann bei Ineffektivität ebenfalls auf Venlafaxin gewechselt. In der Venlafaxin-Gruppe konnte zu diesem Zeitpunkt gegebenenfalls noch Lithium dazu kombiniert werden.

Vorteile für raschen Wechsel

Im Ergebnis zeigten sich Vorteile für den raschen Therapiewechsel, und zwar sowohl was die Remissionsrate (HAM-D-17 kleiner/gleich 7), die Ansprechrate als auch die Zeit bis zur Remission angeht.

Allerdings wurde beim primären Endpunkt (Remissionsrate nach acht Wochen) die statistische Signifikanz verfehlt (24 vs. 16 Prozent, p=0,21).

"Die Patienten erreichen bei raschem Therapiewechsel aber signifikant schneller eine Remission, und das bei sehr vergleichbarer Sicherheit und Verträglichkeit", so Tadic. In Summe liefere die EMC-Studie trotz des verfehlten primären Endpunkts eine solide Basis, um einen frühen Therapiewechsel bei depressiven Patienten mit ineffektiver Therapie zumindest in Erwägung zu ziehen.

Lesen Sie dazu auch: DGPPN-Kongress: Depressionen lassen sich online behandeln

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