Sekundärprävention

Warum KHK-Patienten ihre Medikamente weglassen

Mangelnde Therapietreue ist in der Sekundärprävention der koronaren Herzkrankheit ein großes Thema. Bei jedem dritten Patienten steckt nicht nur Vergesslichkeit dahinter.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht: 24.08.2019, 09:45 Uhr
Warum KHK-Patienten ihre Medikamente weglassen

Es gibt viele Gründe für mangelnde Therapieadhärenz. Neben Vergessen ist dies etwa die Angst, das Medikament könnte schaden.

© Creative-Family/Getty Images / iStock

LEEDS. Der Anteil der KHK-Patienten, die ihre Medikamente nicht bestimmungsgemäß einnehmen, wird in Studien mit 33–50 Prozent beziffert. Die Nichtadhärenz hat erhebliche Konsequenzen für die Patienten: Krankenhausaufnahmen aus kardialer Ursache nehmen um 10 - 40 Prozent zu, die Mortalität steigt um 50 - 80 Prozent.

Was behindert die Therapietreue?

Ärzte aus Großbritannien haben deswegen per Fragebogen nach den Gründen gesucht (Open Heart 2019; online 3. Juli). Demnach wird die Einnahme von sekundärpräventiven Medikamenten zwar meistens schlicht vergessen, häufig behindern aber auch die Angst vor Nebenwirkungen und praktische Schwierigkeiten die Therapietreue.

Von 500 KHK-Patienten, die im Mittel täglich sechs verschiedene Tabletten einnehmen mussten, hielten sich der Befragung zufolge 44 Prozent nicht durchgängig an die Therapievorschriften. In den meisten Fällen wurden nur einzelne Medikamente weggelassen, besonders oft waren das Statine und Acetylsalicylsäure (ASS).

Vielschichtige Gründe

Die Gründe dafür waren meistens vielschichtig. Als führende Ursache erwies sich das Vergessen der Einnahme, sie wurde von 85 Prozent der Patienten genannt. Immerhin ein Drittel der Befragten gab an, Bedenken zu haben, ein Medikament könne mehr schaden als nutzen. Fast jeder Siebte hatte sogar, weil es ihm schlechter ging, mindestens ein Medikament abgesetzt, ohne den Arzt darüber zu informieren.

Jeder fünfte Patient fühlte sich durch die Zeitpläne für die Medikamenteneinnahme eingeengt, fast jeder Zehnte äußerte sich „nicht überzeugt“ vom Nutzen. Generell waren bei den nicht therapieadhärenten Patienten der Glaube an die Notwendigkeit einer Therapie geringer und das Niveau von Bedenken höher als bei den Patienten, die die Therapievorgaben befolgten.

Auch praktische Barrieren

Einer empfehlungsgemäßen Therapie standen aber auch praktische Barrieren entgegen: Die Patienten berichteten etwa über Probleme mit dem Öffnen von Tablettenbehältern oder Blistern (20 Prozent), mit dem Lesen der Beschriftung (8 Prozent) oder mit dem Schlucken der Tabletten (9 Prozent).

Als unabhängige Risikofaktoren für mangelnde Adhärenz erwiesen sich: Jüngeres Alter, männliches Geschlecht, die Einnahme von ASS, Bedenken bezüglich der Medikamente und Probleme bei der Ausstellung von Folgerezepten.

Patienten befragen!

Die Studienautoren um Dr. Rani Khatib vom Leeds Teaching Hospitals NHS Trust sehen ihre Untersuchung unter anderem als einen Beleg dafür, dass KHK-Patienten, wenn sie in der geeigneten Weise befragt werden (zum Beispiel mit der verwendeten Morisky Medication Adherence Scale, MMAS-8), darüber Auskunft geben, dass und warum sie Medikamente nicht einnehmen.

Die Autoren fordern ihre Kollegen daher auf, „ihren KHK-Patienten Einstellungen und Erfahrungen mit ihren Medikamenten zu entlocken“, um so Ansatzpunkte für eine bessere Therapieadhärenz zu finden.

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