Sekundärprävention

Warum KHK-Patienten ihre Medikamente weglassen

Mangelnde Therapietreue ist in der Sekundärprävention der koronaren Herzkrankheit ein großes Thema. Bei jedem dritten Patienten steckt nicht nur Vergesslichkeit dahinter.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Es gibt viele Gründe für mangelnde Therapieadhärenz. Neben Vergessen ist dies etwa die Angst, das Medikament könnte schaden.

Es gibt viele Gründe für mangelnde Therapieadhärenz. Neben Vergessen ist dies etwa die Angst, das Medikament könnte schaden.

© Creative-Family/Getty Images / iStock

LEEDS. Der Anteil der KHK-Patienten, die ihre Medikamente nicht bestimmungsgemäß einnehmen, wird in Studien mit 33–50 Prozent beziffert. Die Nichtadhärenz hat erhebliche Konsequenzen für die Patienten: Krankenhausaufnahmen aus kardialer Ursache nehmen um 10 - 40 Prozent zu, die Mortalität steigt um 50 - 80 Prozent.

Was behindert die Therapietreue?

Ärzte aus Großbritannien haben deswegen per Fragebogen nach den Gründen gesucht (Open Heart 2019; online 3. Juli). Demnach wird die Einnahme von sekundärpräventiven Medikamenten zwar meistens schlicht vergessen, häufig behindern aber auch die Angst vor Nebenwirkungen und praktische Schwierigkeiten die Therapietreue.

Von 500 KHK-Patienten, die im Mittel täglich sechs verschiedene Tabletten einnehmen mussten, hielten sich der Befragung zufolge 44 Prozent nicht durchgängig an die Therapievorschriften. In den meisten Fällen wurden nur einzelne Medikamente weggelassen, besonders oft waren das Statine und Acetylsalicylsäure (ASS).

Vielschichtige Gründe

Die Gründe dafür waren meistens vielschichtig. Als führende Ursache erwies sich das Vergessen der Einnahme, sie wurde von 85 Prozent der Patienten genannt. Immerhin ein Drittel der Befragten gab an, Bedenken zu haben, ein Medikament könne mehr schaden als nutzen. Fast jeder Siebte hatte sogar, weil es ihm schlechter ging, mindestens ein Medikament abgesetzt, ohne den Arzt darüber zu informieren.

Jeder fünfte Patient fühlte sich durch die Zeitpläne für die Medikamenteneinnahme eingeengt, fast jeder Zehnte äußerte sich „nicht überzeugt“ vom Nutzen. Generell waren bei den nicht therapieadhärenten Patienten der Glaube an die Notwendigkeit einer Therapie geringer und das Niveau von Bedenken höher als bei den Patienten, die die Therapievorgaben befolgten.

Auch praktische Barrieren

Einer empfehlungsgemäßen Therapie standen aber auch praktische Barrieren entgegen: Die Patienten berichteten etwa über Probleme mit dem Öffnen von Tablettenbehältern oder Blistern (20 Prozent), mit dem Lesen der Beschriftung (8 Prozent) oder mit dem Schlucken der Tabletten (9 Prozent).

Als unabhängige Risikofaktoren für mangelnde Adhärenz erwiesen sich: Jüngeres Alter, männliches Geschlecht, die Einnahme von ASS, Bedenken bezüglich der Medikamente und Probleme bei der Ausstellung von Folgerezepten.

Patienten befragen!

Die Studienautoren um Dr. Rani Khatib vom Leeds Teaching Hospitals NHS Trust sehen ihre Untersuchung unter anderem als einen Beleg dafür, dass KHK-Patienten, wenn sie in der geeigneten Weise befragt werden (zum Beispiel mit der verwendeten Morisky Medication Adherence Scale, MMAS-8), darüber Auskunft geben, dass und warum sie Medikamente nicht einnehmen.

Die Autoren fordern ihre Kollegen daher auf, „ihren KHK-Patienten Einstellungen und Erfahrungen mit ihren Medikamenten zu entlocken“, um so Ansatzpunkte für eine bessere Therapieadhärenz zu finden.

Mehr zum Thema

378 Badetote im vergangenen Jahr in Deutschland

DLRG rettet im Vorjahr 870 Menschen aus dem Wasser

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Leitartikel

GVSG: Zu viele Leerstellen

Verbesserung der Leistungsfähigkeit

Betablockerverzicht bei HFpEF unterschiedlich erfolgversprechend

Lesetipps
Prinzipiell folge aus REDUCE-AMI, so Prof. Dr. Michael Böhm, dass bei Infarktpatienten mit erhaltener Pumpfunktion keine Betablocker mehr gegeben werden müssten. Das gelte, sofern es keinen anderen Grund für Betablocker gebe, konkret tachykardes Vorhofflimmern oder anhaltende Angina.

© shidlovski / stock.adobe.com

Nach der REDUCE-AMI-Studie

Bye-bye für Betablocker nach Herzinfarkt?

Viele Menschen sind adipös. Die Kombination aus Intervallfasten plus Protein-Pacing kann anscheinend neben einer Gewichtsabnahme auch zu einem gesünderen Mikrobiom verhelfen.

© Aunging / stock.adobe.com

Verändertes Mikrobiom

Intervallfasten plus Protein-Pacing lassen die Pfunde purzeln