Alzheimer

Welche Therapie für welchen Subtyp?

Je nach Subtyp und Erkrankungsalter unterscheiden sich die Schäden einer Alzheimer-Erkrankung, wie Forscher herausgefunden haben. Dies könnte künftig die Art der Behandlung beeinflussen.

Veröffentlicht: 04.11.2019, 13:30 Uhr

Jacksonville. Zu verstehen, was verschiedenen Subtypen der Alzheimer-Krankheit zugrunde liegt, gilt als vielversprechender Forschungsansatz.

In einer aktuellen Studie untersuchte ein Team von Neurowissenschaftlern der Mayo Clinic, Jacksonville, Florida unter Leitung von Dr. Melissa Murray eine Schlüsselregion des Gehirns.

Dabei stellten sie fest, dass sich die Muster der Alzheimer-Schäden nach Subtyp und Erkrankungsalter unterscheiden (JAMA Neurology 2019; online 28. Oktober). Die Forscher vermuten, dass diese Beobachtungen wichtige Auswirkungen auf die Art der Behandlung haben könnten.

Hirngewebe von 1000 Patienten untersucht

Murray und ihre Kollegen untersuchten Hirngewebe, das von über 1000 verstorbenen Alzheimer-Patienten gespendet wurde. Sie konzentrierten sich dabei auf das cholinerge Zentrum, das Ziel der einzigen Therapien ist, die bei einigen Alzheimer-Patienten die Symptome effektiv behandeln, erinnert die Mayo Clinic in einer Mitteilung.

Die Forscher untersuchten ein Hauptmerkmal der Krankheit: die Alzheimer-Fibrillen. Dabei beobachteten sie zwei interessante Muster: Zum einen stellten sie bei Patienten, die von dem „Hippocampus verschonenden Subtyp“ der Alzheimer-Krankheit betroffen waren, schwerere Krankheitsanzeichen fest.

Während der typische Alzheimer-Subtyp den Hippocampus angreift, wirkt der den Hippocampus verschonende Subtyp vor allem auf den Kortex, der ja für Gedanken und Handlungen verantwortlich ist. Alzheimer-Patienten dieses Subtyps können also Symptome haben, die mit Verhaltens- und Sprachauffälligkeiten sowie Sehstörungen und weniger mit Gedächtnisverlust einhergehen.

Zum anderen beobachteten die Forscher bei Patienten, bei denen sich bereits vor dem 65. Lebensjahr Alzheimer-Symptome zeigten, mehr Alzheimer-spezifische Schädigungen als bei Patienten, bei denen die Symptome erst später im Leben auftraten.

Test am lebenden Menschen geplant

Basierend auf diesen Beobachtungen gehen die Forscher davon aus, dass die verfügbaren Therapien für Menschen dieses Alzheimer-Subtyps und bei Patienten, die in jüngerem Alter an Alzheimer erkranken, am effektivsten sind. Im nächsten Schritt wollen die Forscher diese Hypothese an lebenden Patienten testen.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass, wenn ein jüngerer Patient Symptome einer Persönlichkeitsstörung zeigt, die normalerweise auf eine frontotemporale Demenz hinweisen können, der Arzt überlegen sollte, ob nicht ein Test auf Alzheimer-Biomarker oder andere Scans gerechtfertigt seien,“ führt Murray aus. (eb)

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